Jahresrückblick 2025 der Redaktion

Wer nicht rastet, rostet nicht

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Primizsegen in Neuzelle
Nachweis

Foto: Markus Bien

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Die beiden Neupriester Johannes Ehme und Roland Pisarek spendeten auf der Görlitzer Bistumswallfahrt in Neuzelle den Primizsegen. Daran erinnert sich Markus Bien.

Viel getan hat sich im Jahr 2025 – in der Welt, in der Kirche, in unserer Redaktion. Wir sind in Bewegung geblieben, waren für Sie in den Bistümern unterwegs, haben mal mehr, mal weniger freiwillig Neuland betreten und blicken nun auf unsere persönlichen Höhepunkte des Jahres 2025 zurück.
Porträt Michael Burkner
Michael Burkner

Im Osten viel Neues

2025 – mein erstes ganzes Jahr als „Westdeutscher“ im „Osten“ und ich schreibe die Wörter in Anführungszeichen, weil ich persönlich weder mich selbst als das eine, noch meinen neuen Wohn- und Arbeitsort als das andere identifiziere. Über ein Jahrzehnt nach der Wiedervereinigung in Oberbayern geboren und aufgewachsen kannte ich die Geschichte der DDR und die Lebensumstände im Sozialismus bisher hauptsächlich aus Schulbüchern und Medien. Im Jahr 2025 wurden sie mir greifbarer und so bin ich allen dankbar, die mir von der DDR und dem Glaubensleben damals erzählten. Gleich in dieser Ausgabe lesen Sie im Blickpunkt von fünf dieser Menschen, die Taizé-Gebete und internationale Jugendtreffen in der DDR organisierten. Ich erinnere mich an dieser Stelle aber auch an die Brüder des in den 1970er-Jahren gegründeten ökumenischen Klosters in Werningshausen und an die Orgelbaufirma Schuke, die in Potsdam die sozialistische Planwirtschaft überlebte. Ich denke an die Gespräche mit Andrea Rudolph, Hans-Jürgen Schumacher und Bernadette Rausch, deren Leben vor und nach der Wende von christlichen Werten geprägt war. So freue ich mich auf alle Gespräche im neuen Jahr, denn für mich gibt es im „Osten“ noch viel Neues zu entdecken.

                       

Porträt Markus Bien
Markus Bien

Der erste Eindruck

Erst seit einem Vierteljahr bin ich nun Teil der Redaktion und als Redakteur eigentlich für das Bistum Erfurt zuständig. Doch mein erster Bericht im Tag des Herrn führte mich nach Neuzelle zur Görlitzer Bistumswallfahrt. Ein warmer Spätsommmertag Anfang September, das besondere Ambiente der Klosteranlage, ein schöner Gottesdienst, leise betende Mönche und kräftig singende Wallfahrer, die barocke Wucht der Kirche und zwei Neupriester, die in der Mittagshitze geduldig den Primizsegen spenden: Wie das so ist mit dem berühmten ersten Eindruck – ist er gut, bleibt er lang im Gedächtnis.
Das Bistum Görlitz ist klein, gemessen an der Anzahl der Katholiken die mit Abstand kleinste Diözese in Deutschland. Doch der Glaube der Menschen ist lebendig und stark und das strahlten diejenigen, die zur Wallfahrt kamen, auch deutlich aus. „Hoffnung“ war das Leitwort im Heiligen Jahr. Ohne Hoffnung gäbe es nur Verzweiflung, Resignation, Angst sagte Bischof Wolfgang Ipolt. Die Menschen in Neuzelle kamen nicht nur mit ihrem Bischof ins Gespräch, auch sein Gast Clemens Pickel, Bischof von Saratow in Russland und gebürtiger Sachse, war ständig umringt von Grüppchen, die viele Fragen an ihn hatten. „Hoffentlich sehen wir uns wieder“, sagte Bischof Ipolt zum Abschied zu den Gläubigen. So, wie ich diesen Tag erleben durfte, habe ich da keine Zweifel.

 

Porträt Ruth Weinhold-Heße
Ruth Weinhold-Heße

Berührt durch die Kunst

Journalisten lieben Promis. Zumindest ist die Chance, auf berühmte Persönlichkeiten zu treffen, ein Teil des Reizes unseres Berufes. Als die Zusage des Papstmalers Michael Triegel zu einem Werkstattbesuch in mein Postfach trudelte, war ich nicht nur hoch erfreut, sondern auch aufgeregt. Die Maler der Neuen Leipziger Schule locken immerhin internationales Publikum an und Künstler können anstrengend sein. Als ich dann das Atelier in der Alten Baumwollspinnerei betrat, erwartete mich nicht nur ein Vorab-Blick auf den neuen Edith-Stein-Altar in Wechselburg, sondern auch ein zurückhaltender, feinsinniger Mensch. Star-Allüren? Weit gefehlt! „Ich lasse nicht so viele Menschen hier herein“, gab er zu. Triegel, der seine Kunst als Handwerk betrachtet, sprach mit mir über sein neues Bild, seine vielschichtigen Bedeutungen und Bezüge zu den Alten Meistern, aber auch zur Bibel – er erklärte geduldig, auf Augenhöhe. Triegel hatte gerne den Auftrag angenommen, eine Jüdin, gerade eine Frau als Heilige zu malen, sagte er.
Der Künstler sprach aber auch über sein Zweifeln und seinen Glauben. Der Spätgetaufte – so mein Eindruck – ist stolz auf seine Kirche, wenn auch nicht kritiklos. Wir Christen machten uns oft kleiner als wir sind. Das, was wir zu bieten haben, hat er gemalt: Ein Jesus, der uns mit offenen Armen vom Kreuz anschaut.
Es war ein berührendes Gespräch über ein berührendes Bild. Ich war bei der Altarweihe dabei und habe mir weitere Triegel-Bilder angeschaut. Das hat mein Jahr auf bereichernde Art geprägt.

 

Porträt Johanna Marin
Johanna Marin

Kleine Highlights

„Arbeiten, wo andere Urlaub machen“ – das durfte ich dieses Jahr, als ich die Pilgerinnenreise des Bistums Magdeburgs in die Schweiz begleiten durfte. Zwischen Bergwiesen und Kühen konnte ich mit engagierten Frauen über Kirche, Zukunft, Vergangenheit und den ganz persönlichen Glauben reden.
Unser Job beim Tag des Herrn führt uns an viele unterschiedliche Orte, zu verschiedensten Menschen. Da gibt es so viel schönes: Pfarrer Bogdan in Magdeburg zum Beispiel, der mit 90 Jahren eine begeisterte Gottesdienstgemeinde um sich schart – die sogar wächst. Eine Frau, die nach fast 40 Jahren endlich Teil des Ordens werden konnte, zu dem sie sich seit ihrer Schulzeit berufen fühlte. Der Kindergarten in Bitterfeld, in dem seit 100 Jahren in herrlicher Umgebung kleine Kinder heranwachsen. Ich treffe in meinem Berufsalltag auf so viele Menschen, die sich engagieren, die an Gott glauben.
Meine Highlights sind dann aber die kleinen, unerwarteten Momente: Wenn ich mit der Caritas-Abteilungsleiterin mit Bundesverdienstkreuz beim Pilgern versehentlich auf einer versteckten Techno-Party am Fluss lande; wenn E-Mails saisonweise mit Advents-, Weihnachts- oder Ostergrüßen enden; oder wenn ich eine Früh-Rentnerin sehe, die vor Freude in die Luft springt – einfach nur, weil unsere Pilgergruppe den Zug pünktlich erreicht hat.

 

Porträt Vinzent Antal
Vinzent Antal

Gemeinsam sind wir stark

Veränderungen gehören zum Leben. Das bestreitet wohl niemand, aber manchmal hauen sie einen doch um. So ging es uns in der Redaktion, als uns unsere Redaktionsleiterin Dorothee Wanzek Anfang des Jahres überraschend mitteilte, dass sie den Tag des Herrn verlassen wird. Ihr Abschied überkreuzte sich mit dem geplanten Weggang von Eckhard Pohl, der in den Vorruhestand ging. Plötzlich standen wir ohne Leitung und, noch schlimmer, mit zwei Redakteuren weniger da. In dieser herausfordernden Situation zeigte sich die Stärke der restlichen Redaktion. Nunmehr zu viert schulterten wir die frei gewordenen Aufgaben, übernahmen die Leitungsverantwortlichkeit als Team und schafften es gemeinsam, Ihnen alle zwei Wochen den Tag des Herrn zu liefern.
Der September brachte dann erneut personelle Veränderungen: Das gute Herz der Redaktion, unsere Sekretärin Monika Krayl, die über Jahre auch Ihnen im Leserservice weiterhalf, ging in den Ruhestand. Auch diese Lücke brachte uns in der Redaktion neue Aufgaben. Als Verstärkung kam Markus Bien als neuer Redakteur in unser Team.
Für das neue Jahr hoffe ich auf ruhigeres personelles Fahrwasser und darauf, dass unser Team auch weiterhin so gut zusammenhält und -arbeitet. Denn gemeinsam können wir vermutlich jede Veränderung bewältigen.

tdh