Katholische Studentenverbindungen stellen sich vor

300 Gäste in Haselünne erwartet

Männer stehen vor einer Halle.

Foto: privat

Das Vorbereitungsteam freut sich auf das Treffen des Cartellverbandes katholischer deutschen Studentenverbindungen in Haselünne. Foto: privat

Am 20. Juli wechselt der Vorsitz des Cartellverbandes (CV) katholischer deutscher Studentenverbindungen von Berlin nach Hannover. Das Treffen dazu findet in Haselünne statt. Fragen an den Haselünner Josef Rosche, der seit Jahrzehnten Mitglied einer der ältesten Verbindungen im CV ist und sich mit zehn anderen Mitgliedern aus Lingen, Meppen, Haselünne, Cloppenburg, Friesoythe und Vechta im Organisationskomitee engagiert.

Was ist der Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen? 

Der CV ist mit rund 25.000 Mitgliedern der größte konfessionelle Akademikerverband Europas. Mehr als 120 Studentenverbindungen gehören diesem Dachverband an, vorwiegend an deutschen Hochschulorten. Die Mitglieder der Verbindungen sind männliche Katholiken. Wir sind farbentragend und nichtschlagend. 

Sind nur Studenten als Mitglieder eingetragen? 

Die Mitgliedschaft ist darauf ausgerichtet, lebenslang Bestand zu haben. Jedes neue Mitglied hat üblicherweise für ein Jahr Gelegenheit, die Verbindung kennenzulernen. Während dieser Kennenlernzeit nehmen die Neumitglieder - in der Verbindungssprache als „Fux“ bezeichnet - an Veranstaltungen teil und übernehmen Aufgaben im Verbindungsalltag. Am Ende der Fuxenzeit prüfen sich der Student und die Verbindung gegenseitig, ob der Schritt hin zu einer lebenslangen Mitgliedschaft gewollt und angestrebt ist. Aktiv studierende Mitglieder, die den Schritt zur lebenslänglichen Mitgliedschaft gegangen sind, werden als Burschen bezeichnet. Nach dem Ende des Studiums und dem Eintritt ins Berufsleben wird aus dem Burschen ein „Alter Herr“ oder auch „Philister“. 

Ein Mann mit Brille
Josef Rosche aus Haselünne.

Warum sind nur Männer Mitglieder? 

Das hat eine historische Vorgeschichte. Im Jahre 1844 gründeten in Bonn sieben Theologiestudenten die erste katholische Verbindung überhaupt als Antwort auf die Häme und den Spott der protestantisch geprägten preußischen Obrigkeit für eine gelungene Wallfahrt über sieben Wochen von 1 Million Katholiken zum „Heiligen Rock“ nach Trier. Es gab viele Einschränkungen für die Katholiken im Rheinland und in Westfalen. Demgegenüber gab es viele Impulse für katholisches Leben von Theologen und Publizisten aus Bayern. Zu dieser Zeit studierten nur Männer, deshalb wurden auch nur Männer Mitglieder von Studentenverbindungen. Als feste Anlaufpunkte für das Verbindungsleben mieteten die Verbindungen Räumlichkeiten an oder erwarben später eigene Verbindungshäuser. Ein dichtgedrängtes Wohnen dort hat das Beibehalten der Geschlechtertrennung sicher gefördert. Auch wenn in den CV-Verbindungen heute nach wie vor nur Männer unmittelbar Mitglied sind, spielen die Damen eine entscheidende Rolle in der Gestaltung des Verbindungslebens und der entstehenden familiären Freundeskreise. Neben diesen Verbindungen für Studenten gründeten sich später auch reine Frauen-Verbindungen sowie Verbindungen, die Männer und Frauen aufnehmen. 

Was unterscheidet den Verband von anderen Studentenverbindungen

Der Cartellverband und seine Mitglieder fühlen sich vier Grundprinzipien verpflichtet: dem Bekenntnis zu und der Pflege des katholischen Glaubens, dem ernsthaften wissenschaftlichen Streben und lebenslangem Lernen, der Freundschaft der Mitglieder untereinander sowie dem Bekenntnis und der Unterstützung der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Die Katholischen Deutschen „CV“-Verbindungen bieten Gelegenheit zum Austausch und zur Stärkung des Glaubens ihrer Mitglieder, was in Zeiten des Kulturkampfes des 19. Jahrhunderts der Ausgangspunkt ihrer Gründung war. Sie stehen damit in krassem Gegensatz zu den nichtkonfessionellen Burschenschaften, Landsmannschaften und Corps, bei denen das Verfechten politischer Ziele, die deutsche Einheit nach 1815, geschichtlicher Ausgangspunkt waren. Bei vielen dieser Bünde ist auch heute noch das Fechten („Schlagen“) verpflichtende Übung. Letzteres wird in den katholischen Verbindungen des CV streng abgelehnt. 

Wie unterstützt der Verband seine Mitglieder konkret? 

 Wie allgemein in der Gesellschaft gründen CV-Verbindungen auf einem Generationenvertrag: ältere Mitglieder helfen jüngeren. Und umgekehrt. Die Verbindungshäuser bieten nicht nur Raum für geselliges Miteinander, sondern auch für Bibliotheken und Ratschläge von Studenten höherer Semester. Darüber hinaus bereichert das Zusammenkommen mit Studenten anderer Fachrichtungen das eigene Studium und bei vielen Studenten dann auch den gesamten Lebensweg. In den während des Semesters auszuübenden Ämtern (vom Senior bis zum Kassierer) kann jeder seinen Beitrag zur Gemeinschaft leisten und erfahren, wie gut es ist, sich in einem funktionierenden Team aufeinander verlassen zu können. Für viele ist es eine bereichernde Erkenntnis, Aufgaben bewältigt zu haben, die man sich als Abiturient noch nicht zugetraut hat. 

Für welche Werte und Haltungen steht der CV? 

Neben den genannten vier Grundprinzipien - Religion/Glaube, Wissenschaft/Wahrheit, Freundschaft /Verlässlichkeit und Vaterlandsliebe/Einsatz dafür - sind die drei Grundelemente der katholischen Soziallehre „Personalität, Solidarität und Subsidiarität“ in allen Belangen vorherrschend: Würde und Respekt für jeden Menschen, der ein Abbild Gottes ist; liebe Deinen Nächsten wie dich selbst und helfe anderen; das Bestreben auf niederster Ebene das zu lösen, was sich als Problem darstellt, zum Beispiel zu Beginn eines Studienweges. Zur lebenslangen Freundschaft gehört natürlich auch die Beitragszahlung zur jeweiligen Verbindung oder Förderung von örtlichen Alte-Herren-Zirkeln, die davon leben, dass ehemalige Studenten aller Fachrichtungen oder Studienorte Freundschaften auch am jeweiligen Wohnort weiterhin pflegen möchten. Aus den Zirkeln unserer Region - Lingen, Haselünne, Meppen, Cloppenburg, Vechta und Friesoythe - entstand die Initiative, dieses national ausstrahlende Ereignis einer Vorortsübergabe nach Haselünne zu holen und auszurichten.

Was passiert an dem Wochenende?

Der Vorsitz über den gesamten Cartellverband - der Vorsitz wird auch als „Vorort“ bezeichnet -wechselt jährlich in eine andere Hochschulstadt. In diesem Jahr übergibt Berlin im Rahmen eines feierlichen Kommerses den „Vorort“ an Hannover. Ein besonderer Charakter ergibt sich daraus, dass dies genau am 80. Jahrestag des Attentats auf Hitler, also am 20. Juli, stattfinden wird. Dem Organisationsteam ist es ein Anliegen, dass auch Studenten aus etwa zehn Studentenverbindungen in der Stadthalle Haselünne ihre Studienorte Bremen, Hannover, Braunschweig, Osnabrück und Münster vorstellen; angehende Studenten oder jüngere Semester, die sich für Mitgliedschaften interessieren, können so von Gleichaltrigen wichtige Tipps und auch Einladungen erhalten, die Verbindungshäuser zu besuchen. Häufig stellen mietbare Zimmer auf den Verbindungshäusern erste gegenseitige Kennenlerngelegenheiten dar. Das findet ab 15.30 Uhr in der Stadthalle statt und richtet sich an Abiturienten und jüngere Semester, die sich zum Beispiel im Hinblick auf ein bevorstehendes Studium informieren möchten.

Gegen 17 Uhr feiern wir Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Vincentius mit Weihbischof Wilfried Theising aus Vechta. Um 20 Uhr beginnt der Kommers. Es gibt Festreden, unter anderem zum Thema „Künstliche Intelligenz betrifft jeden von uns“ und studentische Gesänge. Wir erwarten etwa 300 Gäste, Studenten und Alte Herren mit ihren Partnerinnen oder Freundinnen. 

 

Für die Info-Veranstaltung am Nachmittag wäre eine Anmeldung hilfreich (E-Mail: info@uebergabekommers.de). Der Kartenverkauf für die Abendveranstaltung läuft über die örtlichen Kontaktpersonen oder online: www.uebergabekommers.de

kb