Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe in Augsburg

Bekenntnis zur Einheit mit Rom

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Die deutschen Bischöfe beim Einzug zum Eröffnungsgottesdienst der Frühjahrsvollversammlung 2024 in Augsburg
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Foto: kna/Harald Oppitz

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Die deutschen Bischöfe beginnen ihre Vollversammlung in Augsburg mit einem Gottesdienst.

Die Beratungen der deutschen Bischöfe in Augsburg stehen im Zeichen des Konflikts mit dem Vatikan. Zum Auftakt hat ihr Vorsitzender Georg Bätzing ein klares Bekenntnis abgelegt. Außerdem mahnte er eine neue Sprache an.

Mit einem Bekenntnis von Bischof Georg Bätzing zur Einheit mit Rom haben die Beratungen der katholischen deutschen Bischöfe bei ihrer Frühjahrsvollversammlung in Augsburg begonnen. Kurz vor Beginn der Versammlung sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz vor Journalisten, die Abstimmung grundlegender kirchlicher Reformen mit dem Vatikan sei "eine Selbstverständlichkeit".

Deshalb habe er "im Respekt vor den römischen Verantwortlichen" einen Punkt von der Tagesordnung des Bischofstreffens genommen, bei dem die Gründung eines Synodalen Ausschusses für Deutschland beschlossen werden sollte. "Wir wollen und können nicht über den römischen Einspruch hinweggehen", so Bätzing.

Zugleich zeigte er sich "verwundert" über den Zeitpunkt des Briefs, zumal über die dort angesprochenen Themen Gespräche zwischen Rom und den deutschen Bischöfen im Gang seien.

Es werde auch in Augsburg eine Debatte über das Thema geben, kündigte Bätzing an. Die Bischöfe erwarteten "sehnlichst" weitere konkrete Gespräche mit den römischen Stellen. Manchmal dauere es ein halbes Jahr, bevor es Terminzusagen aus Rom gebe. Für Verzögerungen sei eindeutig der Vatikan verantwortlich. Derzeit seien drei weitere Gesprächstermine "avisiert".

Brief aus dem Vatikan stoppt Abstimmung

Am Wochenende war ein Brief aus dem Vatikan bekannt geworden. Darin wurden die deutschen Bischöfe gebeten, eine geplante Abstimmung über die Schaffung eines gemischten Entscheidungsgremiums für die Kirche in Deutschland auszusetzen, weil dies gegen das allgemeine Kirchenrecht verstoßen hätte.

Bätzing unterstrich, dass bei der Vollversammlung wichtige Themen anstünden, die über die innerkirchlichen Reformdebatten hinauswiesen. Unter anderem kündigte er ein "deutliches und einmütiges Signal der Bischöfe" gegen Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit an.

Zugleich betonte der Bischof, eine AfD-Mitgliedschaft halte er für nicht vereinbar mit Ämtern in der katholischen Kirche. Er würdigte die Demonstrationen gegen Rechtsextremismus.

"Unser Sprechen von Gott wird sich verändern müssen, dringend"

Beim Eröffnungsgottesdienst der Bischofsvollversammlung im Augsburger Dom forderte Bätzing ein neues Reden über den Glauben. "Unser Sprechen von Gott wird sich verändern müssen, dringend", sagte er. "Wir tun ja als Kirche immer noch so, als wüssten wir eindeutig, wie Gott ist und was er von uns erwartet. Doch in weiten Teilen haben unsere Bilder von Gott und unser Reden über ihn den Anschluss an das Wissen unserer Zeit verloren."

Gläubige sollten anderen Menschen demütig in allen "kirchlichen Vollzügen und im persönlichen Leben" so begegnen, "dass sie zu fragen beginnen", ergänzte Bätzing. Dabei sei jede und jeder Einzelne gefragt.

Der Augsburger Bischof Bertram Meier rief die Bischöfe im Dom zur Einheit auf. "Möge uns der Heilige Geist einführen in den Zusammenklang der vielen Stimmen, die verschieden sein können, aber doch die Einheit suchen", so Meier in seiner Grußadresse als Gastgeber.

Der Botschafter des Papstes in Deutschland mahnte die katholischen Bischöfe des Landes zu einem grundsätzlichen Perspektivwechsel. In einem Grußwort sagte Nuntius Nikola Eterovic unter Verweis auf ein Zitat von Papst Franziskus, es sei "wichtig, keine nach innen gerichtete Haltung einzunehmen, sondern 'hinauszugehen', um die christliche Botschaft in alle Bereiche zu tragen". Mission sei in Deutschland nötiger denn je.

Begleitet wurde der Auftakt der Vollversammlung - wie seit Jahren üblich - von Protest. Gruppierungen, die für oder gegen grundlegende Kirchenreformen sind, taten dies mit Gesängen und Plakaten kund.

Die konservative Vereinigung Maria 1.0 zeigte vor dem Tagungshaus Sankt Ulrich ein Transparent mit der Aufschrift "Unerlaubten synodalen Ausschuss stoppen!". Reformorientierte Gruppen forderten hingegen entschlossenere Veränderungen in der Kirche. Vor dem Dom hielten sie Plakate hoch, auf denen etwa "Berufen zum Mitentscheiden und nicht zum Abnicken!" stand sowie "Kirche der Zukunft braucht Frauen in allen Weiheämtern". Bischof Bätzing ging auf die Demonstranten zu und sagte: "Wir bleiben zusammen. Mit allen. Und mit Rom."

kna