5000 bei der Telgter Wallfahrt

"Da muss ich einfach mit"

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Eine große Menschengruppe geht auf einer Straße, einige tragen liturgische Gewänder, einige tragen Fahnen
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Foto: Andreas Große Hüttmann

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Am Emstor in Telgte wurden die Wallfahrer vom Propst, der Wallfahrtsgilde und den Messdienern empfangen.

Foto: Andreas Große Hüttmann

Immer im Juli ist Wallfahrtszeit. Dann ziehen mehrere Tausend Gläubige von Osnabrück nach Telgte. Am Samstag (6. Juli) waren es 5000, die den Gnadenort im Münsterland erreichten. Eine von ihnen hatte ein besonderes Anliegen.

Das Geräusch zahlloser Füße beim Gang über die Bundesstraße ist seit rund zwölf Jahren für Johanna Witte aus Belm „der Rhythmus, bei dem sie einfach mit muss“. Die 24-Jährige war am Samstag (6. Juli) eine von rund 5000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Telgter Wallfahrt. 

Familientradition, Gemeinschaftsgefühl und Glaubensereignis: Für die Belmerin gibt es etliche Gründe, warum sie sich immer wieder singend und betend auf den Weg macht. In diesem Jahr hatte sie zudem eine besondere Aufgabe. Sie trug eine der beiden neuen Fahnen, die Weihbischof Johannes Wübbe an der Klause in Oedingberge weihte.

Weihbischof Wübbe predigt vor einer Kapelle, neben ihm stehend zwei Bannerträger
Weihbischof Johannes Wübbe bei seiner Predigt. Mit im Bild die beiden neuen Wallfahrtsfahnen aus Belm.

Um 3 Uhr in der Nacht hatten sich einige Hundert Teilnehmer am Johannis-Friedhof in Osnabrück auf den Weg gemacht. Fast an jeder großen Kreuzung schlossen sich weitere Teilnehmer dem Zug an – mal einzelne, mal kleinere Gruppen oder ganze Wallfahrtsvereine mit Trecker und Anhänger sowie Fahnen. Bereits beim Auszug aus Glandorf schätzten die Verantwortlichen deren Zahl auf etwa 3000. 

Viele junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Seit Jahren seitens der Verantwortlichen zu beobachten: Die Zahl junger Teilnehmer ist - anders als bei vielen anderen kirchlichen Veranstaltungen – hoch. Allerdings spielten in diesem Jahr bei den Teilnehmerzahlen auch die Ferien eine große Rolle. Und der eine oder andere gab dem Sommerurlaub der Wallfahrt den Vorzug gab.

Zwei Dutzend Wallfahrtsvereine und -gruppen aus dem Osnabrücker Raum stellten wieder den größten Teil der Pilger. Hinzu kamen weitere Gruppen, unter anderem mehr als 80 Telgter, die sich mit zwei Bussen in der Nacht auf den Weg nach Osnabrück gemacht hatten, um sich dem Pilgerzug anzuschließen. Zudem gab es wieder eine größere Fahrradgruppe, die sich auf den Weg machte und auf vergleichsweise parallel verlaufenden Strecken dem Ziel entgegenfuhr. Auch sie sangen und beteten an Stationen.

Eine Wallfahrt dieser Größenordnung bedarf einer besonderen Organisation: Unter Blasen leidende oder erschöpfte Teilnehmer konnten bei Bedarf auf einem Begleitfahrzeug mitfahren oder sich an den Raststationen die geplagten Füße pflegen lassen. Außerdem sorgten verschiedene Hilfsorganisationen im Fall der Fälle für schnelle Hilfe, während die Polizei aus Niedersachen und aus Nordrhein-Westfalen die Bundesstraße abschnittsweise für den Wallfahrtstross sperrte.

Singend und betend durch die Altstadt

Beim Einzug in Telgte waren es etwa 5000 Teilnehmer, die singend und betend durch die Altstadt in Richtung Kirche und Kapelle zogen. Begleitet wurden sie dabei unter anderem vom emeritierten Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode und Bischof Felix Genn aus Münster sowie Propst Michael Langenfeld aus Telgte. Hunderte Zuschauer stehen am Rand und applaudieren – Lohn für die Strapazen der vergangenen knapp 13 Stunden auf dem etwa 44 Kilometer langen Weg.

Erschöpfung, Erleichterung und Freude darüber, diesen Marathon des Glaubens geschafft zu haben: Das war den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf dem Kirchplatz in Telgte regelrecht ins Gesicht geschrieben. Viele von ihnen gingen nach der Begrüßung und dem sakramentalen Segen direkt zum Gnadenbild, um davor zu beten, es zu berühren oder in Stille zu verweilen.

Junge und ältere Menschen stehen in einer Warteschlange, um vor der Muttergottesstatue zu beten
Viele Pilger gingen nach ihrer Ankunft direkt zum Gnadenbild in der Kirche. Fotos: Andreas Große Hüttmann

Die Telgter Wallfahrt ist eine der größten Fußwallfahrten im deutschsprachigen Raum und für Telgtes Propst Michael Langenfeld immer wieder ein Ereignis. „Es ist jedes Mal wieder ein Erlebnis, wenn die Wallfahrer in Telgte einziehen“, sagt er.

Beten vor der Muttergottes

Etwas essen und trinken, sich ein wenig ausruhen und das Miteinander bei diesem Glaubensevent der besonderen Art genießen, das war nach der Ankunft und der Begrüßung auf dem Kirchplatz in Telgte das, was viele Teilnehmer wollten. Viele suchten auch den unmittelbaren Kontakt zur Gottesmutter und beteten vor der in der Kirche aufgestellten Statue. Rund 2500 machten sich am Sonntagmorgen unter Glockengeläut und erneutem Beifall wieder auf den Rückweg bis Oesede, wo die Telgter Wallfahrt am Sonntagabend beschlossen wurde.

„Es ist sehr gut gelaufen“ – der stellvertretende technische Leiter Heinrich Halbrügge zog ein sehr positives Fazit der Wallfahrt. Daran konnte übrigens auch ein kräftiger Regenschauer nichts mehr ändern, der die Teilnehmer auf dem Kirchplatz in Telgte überraschte.

Andreas Große Hüttmann