Aktion der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung
Danke auf dem Rastplatz
Foto: Matthias Petersen
Die Belmer KAB-Gruppe auf dem Rastplatz "Rottkamp Süd" an der A30 zwischen Bissendorf und Gesmold.
Knecht Ruprecht trägt ein großes Schild. „Danke“, steht in verschiedenen Sprachen darauf. Der heilige Nikolaus im roten Mantel und mit Bischofsmitra auf dem Kopf klopft jetzt an eine Fahrertür. Rund 40 Lkw-Fahrer verbringen mit ihren Gespannen den Sonntag auf dem Rastplatz „Rottkamp-Süd“ der Autobahn 30 zwischen Bissendorf und Gesmold, gegenüber auf der Nordseite sind es noch einmal so viele. Knecht Ruprecht und Nikolaus gehören zur Ortsgruppe Belm der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB). Im Nordwesten hat die KAB die Aktion „Nikolaus im Fahrerhaus“ gestartet. Was die Belmer an der A30 machen, findet in gleicher Form auf mehreren Rastplätzen statt.
Im Fahrerhaus eines Lkw mit polnischem Kennzeichen wird jetzt die Gardine beiseitegeschoben. Ob er ein wenig Deutsch spreche, will Rafael Spellmeyer von dem Brummi-Fahrer wissen. Der schüttelt den Kopf. Etwas Englisch, ansonsten eben Polnisch. Gut, dass Sylvia Simon mit im Team der zehn KAB-Mitglieder ist. Sie ist gebürtige Polin und kann übersetzen, mit welchem Anliegen die KAB-Truppe unterwegs ist. Danke sagen wollen sie den Fahrern, ohne deren Einsatz Lebensmittel oder bestellte Waren meist nicht pünktlich zum Kunden kämen. Wegen des Sonntagsfahrverbots stehen sie hier und müssen Pause machen. Dabei ist der Rastplatz an Trostlosigkeit kaum zu überbieten. Die äußeren Bedingungen lassen die Umstehenden nicht kalt.
Gepackt wurden die Tüten in der Freizeit
Der Lkw-Fahrer freut sich über den Dank und das kleine Geschenk, das die KABer mitgebracht haben. Eine Tüte mit Hygieneartikeln und einem Schoko-Nikolaus, gespendet vom Bonifatiuswerk. Weitere Spender haben sich finanziell engagiert – eine Spedition, ein Belmer Großmarkt, schließlich der KAB-Bezirksverband. Gepackt haben die 80 Tüten die Belmer KAB-Mitglieder. Selbstverständlich ehrenamtlich.
Es bleibt beim Smalltalk, so geht es weiter zum nächsten Sattelzug. Auch hier freut sich der Fahrer, er stammt aus der Ukraine. Mit dem Nikolaus kann er etwas anfangen. Orthodoxer Christ sei er, „da feiern wir den Nikolaus am 18. Dezember“, sagt er auf Polnisch. Auch der nächste Fahrer ist begeistert. Er schnappt sich sein Smartphone, springt aus dem Fahrerhaus und will ein Foto machen. Wann hat man schon mal die Möglichkeit für ein Selfie mit dem Nikolaus?
Höchstgrenze für Pakete soll sinken
Die Aktion „Nikolaus im Fahrerhaus“ gab es schon im vergangenen Jahr, damals im Bistum Münster. KAB-Gruppen aus dem Bistum Osnabrück haben sie jetzt nachgemacht; neben den Belmern waren auch schon die Hollager sowie Gruppen aus dem Emsland unterwegs. Dass es nicht bei einem schönen Geschenk bleiben soll, erklärt Michael Lagemann aus Belm, früherer Diözesanvorsitzender der KAB: Die Aktion sei auch ein Fingerzeig an die Politik, sich der Sorgen der Lkw-Fahrer anzunehmen, die oft unter schlechten Bedingungen fahren müssten. „Dass solche Aktionen nicht ins Leere gehen müssen, hat sich bei unserem Einsatz für die Paketboten gezeigt“, sagt Lagemann. Die Forderung, die Höchstgrenze für ausgelieferte Pakete auf 20 Kilogramm zu begrenzen, werde gerade diskutiert.
Die KAB-Gruppe ist weitergefahren und hat an der nächsten Anschlussstelle gewendet, um auch den Fahrern auf der Nordseite des Rastplatzes zu danken. Hier treffen sie auch auf die einzige Lkw-Frau, außerdem auf einen jungen Mann aus Polen, der die Tränen nicht zurückhalten kann, als er den Nikolaus sieht. Zwei kleine Kinder habe er, gibt er zur Begründung. Und die mussten dieses Jahr das Fest des heiligen Nikolaus wieder ohne den Papa feiern.
Unterwegs auch im Emsland und der Grafschaft
Marion Jarvers, Bezirkssekretärin der KAB für das Emsland und die Grafschaft Bentheim, hat ebenfalls ergreifende Szenen erlebt. Gruppen aus dem Emsland waren unter der Schirmherrschaft von Weihbischof Johannes Wübbe an der A30 und der A31 unterwegs. Die Fahrer öffneten erst vorsichtig und mit Zweifeln behaftet die Fahrertür, „aber nach den einfühlsamen Worten von Weihbischof Wübbe und der Übergabe der Tütchen konnten wir allen Fahrern ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, sagt sie. Viele erzählten, sie seien drei bis vier Monate am Stück unterwegs, bevor sie dann einen Monat frei hätten.
Unterstützung bekamen die KABler auch vom Christophorus Werk Lingen, wo für die Päckchen 400 Holzklötzchen mit der Aufschrift „Würde unantastbar“ zur Verfügung gestellt wurden. Jarvers freute sich außerdem über die Unterstützung von Landtagsabgeordneten mehrerer Parteien, so Reinhold Hilbers und Nicolas Breer, außerdem die ehemalige Bundestagsabgeordnete Daniela deRidder. Beteiligt waren KAB-Gruppen aus Nordhorn, Darme und Holthausen-Biene. „Es hat allen nicht nur viel Freude bereitet, sondern es war auch erfüllend“, sagt Marion Jarvers. Sie freut sich, dass einige der Prominenten schon für den Dezember 2026 zugesagt haben.