Katholiken im Bistum Osnabrück: engagiert, innovativ, überraschend
Das Bonifatiuswerk fördert Zukunftsprojekte
Foto: Anja Sabel
Bischof Dominicus Meier (3.v.l.) empfing in Osnabrück Vertreter des Bonifatiuswerkes. Dort stellte das Hilfswerk in einer Pressekonferenz seine Jahresbilanz vor. Mit dabei: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Bistum, deren Projekte vom Bonifatiuswerk gefördert werden.
Er dankte dem Hilfswerk, das in vielen Regionen bundesweit, in Nordeuropa und im Baltikum Katholiken unterstützt, die ihren Glauben in einer Minderheitensituation leben. In Osnabrück stellte das Bonifatiuswerk jetzt seine Jahresbilanz vor.
Wer über das Bistum Osnabrück spricht, dem fällt oft als erstes das Emsland ein – traditionell geprägt von einer tief verwurzelten, lebendigen katholischen Kirche. Doch auch dort verändert sich zurzeit vieles. Was vielen Menschen noch nicht so bewusst ist: „Wir sind ein Diaspora-Bistum“, sagte Bischof Dominicus. Das gilt vor allem für die Stadt Bremen, die Region Twistringen, die Grafschaft Bentheim und Ostfriesland mit den fünf ostfriesischen Inseln. Osnabrück – ein Flächenbistum mit teils weiten Wegen, mit knapp einer halben Million Katholiken, was 22 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Eine Minderheit, aber sehr engagiert, innovativ und überraschend, lobte der Bischof.
In den vergangenen zehn Jahren fördert das Bonifatiuswerk im Bistum Osnabrück 102 Projekte mit insgesamt 1,6 Millionen Euro. Oft sei die Hilfe sehr konkret, sagte Bischof Dominicus. Bei seinen Reisen durch Ostfriesland zum Beispiel habe er erlebt, wie wichtig die gelben BONI-Busse sind – unverzichtbare Transportmittel in der Diaspora, die aus dem Gemeindeleben nicht mehr wegzudenken sind. „Sie ermöglichen eine Teilnahme am gemeinsamen Glauben.“
Das Bonifatiuswerk unterstützt Bistümer und Gemeinden, „wenn sich Situationen verändern, wenn es um Innovation geht und wenn wir neue Antworten auf die Fragen der Menschen brauchen“, so der Bischof. Das betrifft auch den Baubereich. Aktuell in Emlichheim an der Grenze zu den Niederlanden. In der Pfarrei St. Joseph wurde das bisherige Gemeindehaus in die Pfarrkirche integriert, um Kirche und Gemeindeleben künftig flexibel unter einem Dach zu vereinen. Das mit 90 000 Euro geförderte Projekt reagiert auf sinkende Gottesdienstbesucherzahlen und hohe Unterhaltungskosten mit einem zukunftsweisenden Raumkonzept.
Das Projekt „Trude lädt ein“ öffnet in Osnabrück „Räume des Glaubens“
In sein bundesweites Programm „Räume des Glaubens öffnen“ hat das Bonifatiuswerk auch ein Osnabrücker Projekt aufgenommen und ein Jahr lang mit 18 000 Euro unterstützt. „Trude lädt ein“ heißt es seit September 2022 am ehemaligen Benediktinerinnenkloster auf dem heutigen Psychiatriegelände in Osnabrück. Die historische Gertrudenkirche ist Ausgangspunkt für ein integratives Veranstaltungs- und Community-Building-Projekt. Gestaltet und verantwortet wird es von Haupt- und Ehrenamtlichen der Ameos-Klinik, der Heilpädagogischen Hilfe und des Bistums Osnabrück. Interessierte werden zu Konzerten, besonderen Gottesdiensten, gastronomischen Angeboten und weiteren Veranstaltungen an diesen besonderen Ort über den Dächern Osnabrücks eingeladen. Auch kreative Workshops wie Aquarellmalen oder Sinnesangebote wie Kräuter- und Naturwanderungen werden angeboten. Psychische Erkrankungen aus der Tabu-Ecke zu holen, auch darum geht es.
Gefördert wird zurzeit auch der Aufbau eines Netzwerkes Christlicher Rituale im Bistum Osnabrück – mit einer halben Personalstelle und einer Fördersumme von 55 000 Euro. In dem Projekt geht es darum, Orte und Sprache für den Glauben in einer immer säkularer werdenden Gesellschaft zu finden. Im Sinne einer konkreten Ritualdiakonie dient die Personalstelle dazu, der Frage Jesu: „Was willst du, dass ich dir tue?“ (Markus 10,51) für alle Menschen offen nachzugehen. Sie ist innerhalb eines ökumenischen Netzwerks in der Stadt Osnabrück angesiedelt. Die Referentin, Rebecca Lögers da Silva, vermittelt christliche Rituale und soll auf kreative Weise helfen, neue Rituale zu entwickeln und selbst anbieten. Mithilfe eines solchen Netzwerkes kann es gelingen, in ökumenischer Zusammenarbeit für die Stadtgesellschaft neue christliche Rituale zu formen und so den Glauben freundlich und hilfreich sichtbar zu machen.
Im Bistum Osnabrück hat das Bonifatiuswerk im vergangenen Jahr Projekte mit einer Gesamtsumme von knapp 130 000 Euro gefördert. Mit dem Geld wurden 35 Projekte unterstützt – eines im Bereich Bauhilfe, 28 im Bereich Kinder- und Jugendhilfe sowie sechs im Bereich Glaubenshilfe. Neben religiösen Bildungsmaßnahmen (9000 Euro) förderte das Bonifatiuswerk Sanierungsarbeiten auf dem Gelände des Birgittenklosters in Bremen (50 000 Euro).