Bonhoeffer-Tage im Kloster Frenswegen
"Dass Gott mit uns ist"
Foto: Thomas Osterfeld
Viele Bücher, Briefe und Texte hat der Osnabrücker Generalvikar Ulrich Beckwermert über Dietrich Bonhoeffer gelesen.
Wer Ulrich Beckwermert besucht, sieht schnell, wie intensiv sich der Generalvikar mit dem Leben von Dietrich Bonhoeffer beschäftigt. Ein ganzes Regal ist von unten bis oben mit Schriften von und Büchern über den lutherischen Pastor gefüllt. Auch Radioandachten, Predigten und Impulse hat Beckwermert schon mehrfach über den Theologen verfasst, der im April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet worden ist. „Schon als Student habe ich mich mit seinen Texten auseinandergesetzt, er hat mich immer begleitet“, sagt Beckwermert. Und bis heute hat dieses Zeugnis für ihn weder an Aktualität noch an Relevanz verloren. Genau davon möchte der Generalvikar bei den „Bonhoeffer-Tagen“ im Kloster Frenswegen in Nordhorn (siehe auch „Termin“) berichten.
„Ein Mensch mit all seinen Grenzen“
Dabei will Beckwermert den Theologen keinesfalls verklären. „Er war ein Mensch mit all seinen Grenzen“, sagt der Generalvikar. „Ein brillanter Theologe, aber auch zuweilen arrogant und unstet. Jemand, der durchaus den Luxus liebt und nicht selten auf großem Fuß lebt – und der von eigenen Erfahrungen immer wieder eingeholt wird.“ Von Einsamkeit, von Tod, von Leid, von Krisen. Und da stellt sich für Bonhoeffer immer mehr die Frage, ob und wie der Glaube sein Leben tragen und halten kann. „Da fängt seine Theologie an zu reifen, da werden seine Schriften viel verständlicher.“
Der Nationalsozialismus verändert dann vieles, ja fast alles für ihn. Laut Beckwermert entwickelt er sich zum Pazifisten – in der Beschäftigung mit dem Evangelium und der Bergpredigt. Schon früh zeigt er Haltung, positioniert sich gegen die Judenverfolgung, schließt sich dem Widerstand an, erhält Rede- und Schreibverbot, wird im Frühjahr 1943 verhaftet. Mit diesem Mut und einer sich der Gefahr immer bewussten Zivilcourage kann Dietrich Bonhoeffer nach Ansicht des Generalvikars uns ein Vorbild sein.
Aber Beckwermert findet, dass wir noch anderes von dem Theologen mitnehmen können. „Dass Gott sich immer im Moment offenbart, also in der konkreten Situation. Und dass es nicht reicht, nur seine Prinzipien hochzuhalten, sondern dass man auch immer die Situation hinzuziehen muss.“ Das geht „nicht mit Schwarz-Weiß-Denken“, nicht mit schnellen Urteilen und einfachen Antworten, sondern das bedarf der Selbstreflexion und Differenzierung. „Er hatte die große Gabe, Fragen zu stellen und sich infrage stellen zu lassen.“
Auch was Freiheit, was Sehnsucht bedeutet – können wir nach Ansicht des Osnabrücker Generalvikars von Bonhoeffer lernen. „Das hat er nicht bei seinen unzähligen Reisen und seinen finanziellen Möglichkeiten verstanden, sondern was Freiheit im Glauben bedeutet, hat er erst als Eingesperrter auf zwölf Quadratmetern in der Haft gelernt.“ Er hatte die Gewissheit und das Vertrauen, „dass Gott mit uns ist“, dass er ihn behütet und begleitet. Sterben wollte er nicht. „Er wollte leben, er wollte heiraten, er wollte weiter wissenschaftlich arbeiten“, sagt Beckwermert. Und er zitiert einen Satz des Theologen: „Wenn der Mensch nichts mehr kann, kann Gott alles.“ Dietrich Bonhoeffer ist „nicht als Verzweifelter in den Tod gegangen, sondern als ein Hoffender“.
Das Kloster Frenswegen in Nordhorn lädt vom 2. bis 4. Februar zu drei „Dietrich Bonhoeffer-Tagen“ ein. Dabei soll es unter anderem um die Frage gehen, wie das Leben und die Überzeugungen des 1945 von den Nazis hingerichteten, evangelischen Theologen uns helfen könnten, in dieser herausfordernden Zeit aufrechtzubleiben. Als Referenten dabei sind der reformierte Kirchenpräsident Martin Heimbucher und der Osnabrücker Generalvikar Ulrich Beckwermert. Infos zu Anmeldungen unter info@kloster-frenswegen.de,Telefon 0 59 21/8 23 30
Für den Abend des 3. Februar ist eine öffentliche Lesung mit Musik in der Aula des Klosters unter dem Arbeitstitel "Bonhoeffer und die Musik" geplant, in der Texte von Bonhoeffer gelesen und dazu von Linde Müller-Blaak Musikstücke am Flügel vorgetragen werden.