Freiwilligendienste
Raus aus der Schule, rein ins Leben
Foto: Astrid Fleute
Leni Prause absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Katholischen Jugendhilfe Don Bosco in Osnabrück.
Kindern ein Zuhause geben. Das treibt Leni Prause an. Dabei denkt die 20-Jährige noch nicht an eigene Kinder. Sondern vielmehr an Kinder in schwierigen Lebenssituationen. An Kinder, die aus ihrer Familie vom Jugendamt herausgeholt wurden. An Kinder, die Hilfe brauchen.
Dieser Wunsch, den sie so klar formuliert, wächst in einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), das Leni Prause in der Katholischen Jugendhilfe Don Bosco in Osnabrück absolviert. Die Gruppe Regenbogen ist dort ihr Zuhause – gemeinsam mit den Erzieherinnen und sechs Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren.
Es ist ein warmes, liebevolles Zuhause, das die Kinder und die FSJ-lerin in der Wohngruppe erleben: bunte jahreszeitliche Basteleien an Wänden und Fenstern, Rückzugsmöglichkeiten und Spielecken, eine große familiäre Wohnküche, für jedes Kind ein Zimmer, viel Platz, ein Spielplatz direkt auf dem Gelände. „Hier haben wir nachmittags oft gespielt“, sagt Leni Prause, während sie über das weitläufige Gelände geht. „Nach dem Kindergarten wollten die Kinder immer erst raus“, erzählt sie und erinnert sich gerne an viele Begegnungen auf dem Gelände der Jugendhilfeeinrichtung.
Nach dem Abitur ist für Leni Prause klar: Bevor sie ins Studium startet, will sie praktische Erfahrungen sammeln. Reisen kommt für sie nicht infrage, sie entscheidet sich für ein FSJ im Bereich Kinder- und Jugendhilfe.
Ihre Dienstzeit ist werktags von 12 bis 20 Uhr. Neben der Kinderbetreuung gehört auch Hausarbeit zu ihren Aufgaben: Wäsche, Spülmaschine, Aufräumen, Einkaufen ist zunächst dran, bevor die Kinder vom Kindergarten kommen. Nach ausgiebigem Spielen am Nachmittag beginnt das Abendprogramm mit Duschen, Abendbrot, Gute-Nacht-Geschichte.
Ich habe so viele tolle Menschen kennengelernt.
Eigentlich ist alles wie in einer normalen Familie. Wären da nicht die Dienstbesprechungen und Dokumentationen, die den Erzieherinnen viel Zeit abverlangen. Wären da nicht die Tränen, die immer mal wieder fließen, wenn die Kinder ihre Eltern vermissen. Leni Prause sagt: „Die Kinder sind so jung und haben schon so viel erfahren müssen.“ In intensiven Momenten beim Trösten, bei der Gute-Nacht-Geschichte, bei Einzelausflügen erlebt sie viel Bindung und Zuwendung.
Es ist ein intensives Jahr. Ein Jahr der Reife und der Reflexion. „Ich habe so viele tolle Menschen kennengelernt, über vieles nachgedacht, bin selbstständiger und selbstbewusster geworden“, erzählt Leni Prause: „In diesem Jahr habe ich vieles allein geschafft und mal etwas nur für mich gemacht.“
In bleibender Erinnerung ist ihr das Weihnachtsfest: Die Adventszeit in der Gruppe, die große Weihnachtsfeier aller Wohngruppen in der Turnhalle, die feierliche Stimmung – „das war schon etwas ganz Besonderes“, sagt sie.
Und es ist ein praktisches Jahr - ohne Bewertung und Benotung. Dafür mit viel Lebens- und Berufserfahrung, wie Leni Prause betont: „Es hat mir so viel gebracht und ich möchte es auf keinen Fall missen.“ In den Begleitseminaren, die das Bistum als Träger anbietet, werden viele Themen diskutiert, viele Fragen gestellt und über den Tellerrand geblickt, wenn sich die Teilnehmer über ihre Erfahrungen in den verschiedensten FSJ-Einsatzstellen austauschen.
Ihren Berufswunsch hat das Freiwillige Soziale Jahr bei Leni Prause bestärkt. Sie studiert jetzt Soziale Arbeit – und weiß auch ganz genau warum: „Um diesen Kindern später Halt und Orientierung zu geben.“
Zur Sache
Neben anderen Trägern bieten auch die Kirchen in Osnabrück ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) in verschiedenen sozialen Bereichen an.
Kontakte:
Freiwilligendienste im Bistum Osnabrück, Telefon 0541 318231; E-Mail: freiwilligendienste@bistum-os.de
Für die evangelische Kirche bietet die Diakonie FSJ/BFD Plätze an. Mehr Informationen: www.freiwilligendienste-niedersachsen.de