Osnabrücker Diakon hält Büttenpredigt
Den Karneval ernst nehmen
Foto: privat
Diakon Hans Ulrich Schmiegelt wird auch in diesem Jahr im Karnevalsgottesdienst der Osnabrücker Pfarrei Christus König predigen. Hier eine ältere Aufnahme.
Der Karnevalsgottesdienst am Sonntag vor Rosenmontag ist eine ernste Angelegenheit. Auch wenn es nicht danach aussieht. Die meisten Menschen kommen kostümiert in die Christus-König-Kirche im Osnabrücker Stadtteil Haste – einschließlich des Stadtprinzenpaares. Der Organist spielt die Melodie „Highland Cathedral“, zu der die Kölner Band „Bläck Fööss“ getextet hat: „Du bes die Stadt, op die mer all he ston“. Dazu zieht eine Abordnung der „Haster Nette Girls“ ebenso ein wie die Katholische Frauengemeinschaft (kfd) mit ihrer Fahne. Und auf die Büttenpredigt bereitet sich Diakon Hans Ulrich Schmiegelt seit Wochen vor. „Wovon Menschen träumen“ – zum Thema in diesem Jahr passt als biblischer Text die Bergpredigt.
Schmiegelt wählt die anspruchsvolle Reimform. Er überlegt immer erst, worüber er predigen will, danach verpackt er seine Worte in Reime. Das, sagt er, mache nicht nur Spaß, sondern komme auch gut an. Einige Gottesdienstbesucher lassen sich nur einmal im Jahr blicken - zum Karnevalsgottesdienst. Schmiegelt freut sich, „weil ich die Menschen erreiche. Nicht alle, aber viele“.
Seine Büttenpredigt nutzt der Diakon, um eine Brücke zu schlagen, was der Karneval mit uns Menschen zu tun hat. Auf der Basis unseres Glaubens. Beispiel: Jesus sagt in der Bergpredigt: Selig, die Frieden stiften. „Wenn wir im Karneval friedlich miteinander feiern, ist das auch friedensstiftend.“
Hans Ulrich Schmiegelt ist begeisterter Karnevalist seit Kindertagen. In den 1980er Jahren wurde er Mitglied in einem Männergesangsverein mit karnevalistischer Tradition. „1989 haben wir mit dem ersten selbst gebauten Wagen am Ossensamstag-Umzug in Osnabrück teilgenommen.“ Am Karneval schätzt er vor allem die Gemeinschaft. Das Hochfest des Lachens, der Sinnlichkeit und Freude sei gerade in diesen Krisenzeiten ein Ausgleich – ein Ventil, um Sorgen und Zukunftsängste zu kompensieren.
„Es tut gut, sich Luft zu machen, zum Beispiel, wenn man unzufrieden ist mit der Regierung oder Leuten wie Trump und Putin“, sagt Schmiegelt. Gefahrlos Kritik an der Obrigkeit zu üben, als normaler Bürger zu sagen, was man denkt: „Wir haben das Glück, dass wir das in unserer Gesellschaft dürfen. Die Narrenfreiheit ist ein kostbares Gut. Das sollten wir nicht vergessen.“
Kirche und närrisches Treiben, das passt zusammen. Denn Karneval, erklärt Schmiegelt, habe seinen Ursprung im christlichen Glauben. Er hat dazu recherchiert: Die Weichen stellte das Konzil von Nicäa im Jahr 325 nach Christus. Damals wurde festgelegt, dass Ostern jedes Jahr am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert wird. Demnach konnte nun die Fastenzeit berechnet werden, die mit dem Aschermittwoch begann.
Wer den Karneval so richtig ernst nimmt, der sollte es mit der Fastenzeit ebenso halten.
Doch wohin mit den leicht verderblichen Vorräten? Die mussten noch schnell aufgegessen werden. Seit dem 13. Jahrhundert ist belegt, dass am Abend vor Aschermittwoch ein großes Fest gefeiert wurde, bei dem man sich noch mal richtig den Bauch vollschlagen konnte. Daher der Name Fastnacht oder Fastelovend. Der Name Karneval leitet sich vermutlich vom Lateinischen „Carne Vale“ ab, was so viel bedeutet wie „Fleisch, lebe wohl“.
Das Gegenspiel zur früheren Obrigkeit war die Figur des Narren. Der Hofnarr konnte den Herrschenden erzählen, was das Volk dachte. Er genoss Narrenfreiheit und war oft ein wichtiger Berater der Mächtigen. Die Narrenkappe ist bis heute ein Erkennungsmerkmal im Karneval. Aus der Tradition, die bestehende Ordnung für kurze Zeit auf den Kopf zu stellen, und aus dem ausgelassenen Feiern mit Resteverzehr vor Aschermittwoch – daraus wurde im Laufe der Zeit unser heutiger Karneval.
Auch die karnevalistische Zahl Elf, hat Schmiegelt herausgefunden, hat einen biblischen Ursprung. Die beiden gleichen Ziffern zeigen, dass Standesunterschiede im Karneval nicht gelten. Außerdem liegt die Elf zwischen der heiligen Zahl Zehn (für die zehn Gebote) und der Zwölf (für die zwölf Apostel). Als unheilige Zahl steht sie damit für die Unvollkommenheit des Menschen.
Den Karnevalsgottesdienst in Osnabrück-Haste gibt es seit 14 Jahren – als ihn der damalige Pastor Thomas Stühlmeyer zusammen mit einigen Karnevalisten ins Leben rief. Und auch 2026 steht der Humor über den Dingen. „Genauso, wie bei einer gesunden Religiosität, denn die führt nicht in die Enge und in die Angst, sondern heraus“, sagt Hans Ulrich Schmiegelt. Und fügt hinzu: „Wer den Karneval so richtig ernst nimmt, der sollte es mit der Fastenzeit ebenso halten.“
Der Karnevalsgottesdienst in Christus König, Osnabrück-Haste, findet am Sonntag, 15. Februar 2026, um 17 Uhr statt.