Was uns diese Woche bewegt

Der Ton macht die Musik

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Portrait von Anton Kensbock mit Untertitel: Was uns diese Woche bewegt

Ich wollte doch nur bei einem Strandspaziergang auf Borkum abschalten. Das Meer zur Rechten, das Land zur Linken und dazwischen Horizont und Weite. Doch die Flut kommt. Ich bemerke: Ich stehe auf einer Sandbank. Wege, vorhin noch frei, sind jetzt überschwemmt. Nur durch das immer tiefer werdende Wasser komme ich zurück zum Festland. Dort angekommen, ruft ein Radfahrer laut und gestikuliert. Der Wind trägt seine Worte davon, ich höre ihn schlecht. Zwei Männer und eine Frau steigen in den Protestchor ein. Er ist offensichtlich gegen mich gerichtet. Bei mir kommen Bruchstücke an wie „Naturschutzgebiet“, „Wir rufen die Polizei“ und „Wegen Leuten wie Ihnen sind die Seehunde weg“. 

Beim Stichwort Seehunde dämmert es mir. Ich halte den Schutz der Natur für wichtig, und doch bin ich gerade derjenige, der mitten durch eine verbotene Zone gelaufen ist. Da ich von der Seeseite gekommen bin, habe ich auch keine Verbotsschilder gesehen. 

Das Herumbrüllen führt zu nichts. Ich laufe hin zu den Dreien und frage, ob sie auch an einem sachlichen Austausch interessiert sind. Ich erkläre meine Situation, die Anspannung legt sich. Wir kommen ins Gespräch. Sie alle verbringen viel Zeit auf Borkum, sorgen sich um die Natur und sind rücksichtslose Touristen leid. Ich soll mich dankbar schätzen, dass keine Polizei gekommen ist. Nachdem ich mich als Vertreter des Kirchenboten zu erkennen gegeben habe, erzählt mir einer, dass er in seiner Familie fünf Priester habe und auch Leser sei. Das Gespräch wird immer freundlicher. 

Zum Schluss bedankt sich die Frau, denn sie rechnet mir eine Sache hoch an: dass ich nicht einfach weiter, sondern in den Austausch gegangen bin.

Anton Kensbock