Sommerserie: Zeit meines Lebens Teil 3
Kirche im Studium erleben
Foto: Astrid Fleute
Gute Gespräche, neue Freundschaften, besondere Momente: Das erlebt Daniel Borecki in der Katholischen Hochschulgemeinde in Osnabrück.
Der Wintergarten ist lichtdurchflutet und hell. In diesem Raum der KHG Osnabrück möchte Daniel Borecki das Gespräch mit dem Kirchenboten führen. Kein Zufall, denn dieser Ort erzählt viel von dem, was die KHG für ihn bedeutet. „Nach dem Gottesdienst am Sonntagabend sitzen wir hier immer gemütlich zusammen und essen Abendbrot“, sagt er und blickt auf den großen runden Küchentisch. Viele gute Gespräche, neue Freundschaften und besondere Momente verbinden ihn mit diesem Platz. Momente, die ihn geprägt haben: „Sie haben mich wachsen und reifen lassen.“
Schon während des Studiums aber noch mehr während seiner Promotionszeit sucht Daniel Borecki den Kontakt zur KHG. Der wöchentliche Gottesdienst mit Gleichgesinnten ist für ihn ein wichtiger Anker der Woche, erzählt der sympathische junge Mann: „Ich kann abschalten von allem, was mich beschäftigt, Kraft tanken, mich austauschen mit Gleichgesinnten.“
Aufgewachsen ist Borecki in Georgsmarienhütte, dort engagiert er sich in seiner Heimatgemeinde. Mit der Zeit vermisst er jedoch die Gemeinschaft junger Menschen. In der KHG findet er genau das: eine junge, lebendige Kirche mit Menschen in gleichen Lebenssituationen. Er erzählt: „Wir sind eine kleine Gruppe, die Verbundenheit ist intensiv.“
Glaube ohne Vernunft kann auch zu Aberglauben werden, reine Vernunft kann schnell zu Unmenschlichkeit führen.
Während das anspruchsvolle Chemiestudium in Münster zunächst wenig Raum für zusätzliches Engagement lässt, ändert sich das in seiner Promotionszeit. Rückblickend spricht Borecki von der vielleicht schönsten Zeit seines Studiums. Neben den Gottesdiensten nimmt er regelmäßig an den geselligen Angeboten der KHG teil und pilgert mit Studierenden auf der Telgter Wallfahrt und auf dem portugiesischen Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Diese gemeinsame Zeit hinterlässt Spuren: Die Gemeinschaft aber auch die Stunden allein unterwegs, geben ihm viel, begleiten ihn bis heute. Den „krönenden Abschluss“ seiner Studienzeit bildet schließlich eine Reise nach Israel. „Ein Land, in dem man Gott wirklich erlebt“, erzählt er begeistert.
Als promovierter Chemiker bewegt sich Borecki täglich zwischen wissenschaftlichem Denken und Glauben – ein Widerspruch ist das für ihn keineswegs. Im Gegenteil. „Aus naturwissenschaftlicher Sicht denkt man natürlich kritisch“, erklärt er. Doch gerade während seiner Forschungsarbeit habe er sich immer wieder gefragt, wie solch komplexe Prozesse und Zusammenhänge überhaupt möglich seien. Er betont: „Man kann nicht alles erklären, nicht alles wissen.“ Für ihn schließen sich Glaube und Vernunft deshalb nicht aus, sondern ergänzen sich. „Glaube ohne Vernunft kann auch zu Aberglauben werden, reine Vernunft kann schnell zu Unmenschlichkeit führen“, sagt er.
Über solche Fragen wird in der KHG nicht nur nachgedacht, sondern auch gesprochen – oft ganz unkompliziert am Küchentisch im Wintergarten. Genau diese Mischung aus Gemeinschaft, Austausch und gelebtem Glauben schätzt Borecki bis heute. Die gemeinsame Basis verbinde die Menschen dort auf besondere Weise. „Früher habe ich eher individuell geglaubt. In der KHG habe ich meinen Glauben mit anderen geteilt und so erst richtig erlebt, was es heißt, Kirche zu sein.“
Auch heute, längst im Berufsleben angekommen, besucht er immer noch gerne die Räume der KHG an der Lohstraße in Osnabrück. Der sonntägliche Gottesdienst um 18 Uhr mit anschließendem Abendessen im Wintergarten steht auf jeden Fall weiterhin fest in seinem Kalender.