Ebola-Ausbruch im Kongo

Die Epidemie inmitten des Elends

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Flüchtlingscamp in Bunia
Nachweis

Foto: Imago/Xinhua

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Ein Flüchtlingscamp in Bunia, einem der Epizentren des Ebola-Ausbruchs.

Die Ebola-Krankheit breitet sich im Ostkongo aus. Das Land ist geschwächt, durch die Gewalt verfeindeter Milizen und katastrophale hygienische Bedingungen. Kirchliche Helfer klären die Menschen über das Virus auf – und hoffen, dass sie es trotz aller Probleme besiegen können. 

Wenn Volker Gerdesmeier über den Ostkongo spricht, gerät er für einen kurzen Moment ins Schwärmen. „Die Region ist landschaftlich wunderschön, mit einem grandiosen Bergland. Da bleibt einem zum Teil der Mund offen stehen“, sagt er. Zugleich aber spielt sich in dem christlich geprägten Tropenstaat seit Jahren, weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit, eine der größten humanitären Krisen unserer Zeit ab. „Mehr als 100 Milizen kämpfen dort gegeneinander“, sagt Gerdesmeier, der Leiter des Afrikareferats bei Caritas international. Immer wieder kommt es zu Massakern. Zu allem Überfluss ist im Kongo im Mai eine Ebola-Epidemie ausgebrochen, die das infrastrukturschwache Land allen Experten zufolge nicht so rasch in den Griff bekommen wird. 

Epizentrum des Ausbruchs ist die Provinz Ituri, insbesondere das Bistum Bunia. Mehr als 1000 Fälle wurden inzwischen bekannt. Mindestens 250 Menschen starben an der Erkrankung, darunter auch einige Ärzte und Pflegekräfte aus christlichen Kliniken. 

Ärzte in Schutzkleidung. Foto: imago/Xinhua

Anders als bei vorherigen Ebola-Ausbrüchen Mitte und Ende der 2010er-Jahre, bei denen zusammen rund 14 000 Menschen starben, gibt es gegen den aktuell grassierenden Erreger keinen Impfstoff. Außerdem wurde die Seuche diesmal erst spät erkannt. „Die Menschen wurden zwar getestet, aber auf einen anderen Virusstamm“, sagt Ärztin Kristina Schottmayer von dem katholischen Institut medmissio. 

Da eine Ebola-Erkrankung in den ersten Tagen einer Malaria-Infektion ähnelt, haben sich die Mitarbeitenden der Gesundheitszentren wahrscheinlich nur unzureichend geschützt. „Wertvolle Wochen wurden verloren. Jetzt hat sich das Virus ausgebreitet und man läuft der Entwicklung hinterher. Auch aus der Provinz Nord-Kivu sowie aus dem Nachbarland Uganda werden immer mehr Ebola-Fälle gemeldet. Sogar größere Städte sind betroffen“, sagt Schottmayer.

Traditionelle Beerdigungsriten verschärfen die Probleme

Ähnlich wie Gerdesmeier, der viele Jahre als Entwicklungshelfer in Afrika lebte, kennt auch Schottmayer das Land gut. Viele Monate war sie für „Ärzte ohne Grenzen“ im Ostkongo im Einsatz. Gerdesmeier hat dort zuletzt Ende 2025 die bestehenden Caritas-Projekte besucht – etwa zur Wasserversorgung, zur Verteilung von Saatgut sowie zur Ernährungssicherung. 

Besondere Sorgen bereiten den Helfern die Zustände im Ostkongo. Immer wieder kommt es zu Angriffen verfeindeter Milizen auch auf die Zivilbevölkerung und sogar auf Kliniken. Gut ausgebaute Straßen gibt es kaum. „Die hygienischen Bedingungen sind katastrophal. Vielerorts gibt es kein sauberes Trinkwasser“, sagt Caritas-international-Mann Gerdesmeier. „Zudem sind im Kongo rund 27 Millionen Menschen unterernährt. Fünf Millionen sind auf der Flucht.“

Volker Gerdesmeier, Ostkongo
Volker Gerdesmeier bei einem Projektbesuch in Afrika. Foto: Caritas International

Vor allem in den Flüchtlingscamps leben die Menschen eng an eng. Ein Ansteckungsschutz vor Ebola lässt sich dort kaum bewerkstelligen; die Krankheit verbreitet sich über Körperflüssigkeiten, sogar über Schweiß. Weil Ärzte fehlen, versorgen viele Angehörige die Erkrankten selbst. „Sie wechseln die Bettlaken und waschen die Infizierten. Dabei stecken sich die Menschen an. Manchmal sterben so ganze Familien“, erklärt Schottmayer. 

Auch traditionelle Beerdigungsriten stehen der Eindämmung der Epidemie im Weg. Nach ihrem Tod werden viele Verstorbene von ihren Angehörigen noch gewaschen, und deren kontaminierte Bekleidung wird an Familienmitglieder verteilt. Auch dabei verbreitet sich das Virus. 

Informationen in Schulen, in Gottesdiensten und im Radio

Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen in eilig aufgebauten Ebola-Behandlungszentren die Kranken behandeln, Kontaktpersonen testen sowie Schutzkleidung, Masken und Desinfektionsmittel verteilen, konzentrieren sich die kirchlichen Akteure auf die Aufklärung der Bevölkerung. „Rund 60 Prozent der Gesundheits- und Bildungsarbeit im Kongo werden von der katholischen Kirche geleistet“, sagt Gerdesmeier.

Über katholische Schulen und Gottesdienste werden die Menschen über Ansteckungswege und Präventionsmaßnahmen informiert. „Außerdem gehen wir mit unseren Helfern in die Dörfer und verbreiten über diözesane Radiostationen entsprechende Botschaften“, sagt Gerdesmeier. Smartphones haben in Ituri nur wenige. „Aber ein Radio gibt es in fast jeder Familie“, weiß er. Gut schützen können sich trotzdem nicht alle. Es fehlen Einweghandschuhe und Seife. Und beim Waschen der Wäsche, oft im Fluss, überleben Keime. 

Ein großes Hindernis bei der Bekämpfung der Epidemie ist auch die meist ethnisch motivierte Gewalt im Land. „Seit den 1990er-Jahren ist der Ostkongo im kriegerischen Ausnahmezustand“, sagt Gerdesmeier. „Warlords heizen gezielt Spannungen zwischen den Ethnien Hema und Lendu an. Auch eine islamistische Miliz gibt es. Zum Teil sind das anarchische Zustände“, sagt Gerdesmeier. 

Trotzdem setzen die Hilfswerke derzeit alles daran, das Virus zu besiegen. Viel Hoffnung, dass dies rasch gelingt, haben sie jedoch nicht. So haben die USA und Europa zuletzt ihre Mittel für humanitäre Hilfe massiv gekürzt. Das habe in dem ohnehin fragilen Gesundheitssystem des Kongos „erhebliche Versorgungslücken hinterlassen“. Nun könnten sich „Epidemien besonders schnell und ungehindert ausbreiten“, sagt Schottmayer.

Andreas Kaiser

Kristina SchottmayerZur Person

Kristina Schottmayer ist Ärztin bei dem katholischen Institut medmissio. Foto: medmissio


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