Theresa Weber unterstützt Menschen, die sich engagieren
Die Frau fürs Ehrenamt
Foto: Nicole Weisheit-Zenz
Theresa Weber wirkt mit an einer Ehrenamtsstrategie für das Bistum Mainz.
Montagmorgen, acht Uhr in Mainz. Theresa Weber kommt aus dem Bischöflichen Ordinariat. Nebel hängt noch über den Dächern der Altstadt, doch Theresa Weber ist schon voller Energie. „Ich mach’ erst mal Cappuccino“, sagt sie und lädt ein zum Besuch in ihr Büro. An der Wand gegenüber ihrem Schreibtisch hängt eine Bistumskarte. Sie zeigt auf ihren Heimatort Gau-Algesheim – gelegen zwischen Rhein und Weinfeldern. Dort wurde sie durch das geprägt, wofür heute auch beruflich ihr Herz schlägt: das kirchliche Ehrenamt. Schon als Kind war sie in der katholischen Gemeinde aktiv. Sie denkt gern an schöne Zeltlager-Freizeiten zurück. Nach langen Tagen im Leiterteam sei sie zwar erschöpft heimgekommen, doch glücklich, wegen netter Begegnungen und Gemeinschaft.
Theresa Weber war Messdienerin und Diözesanleiterin der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) in Mainz. Auch auf Bundesebene vertrat sie für die KjG die Anliegen junger Menschen und lernte viel fürs Leben. „Der Mensch, der ich heute bin, bin ich auch wegen meines Ehrenamts“, betont sie. Beruflich wollte sie ihren eigenen Weg finden und absolvierte zunächst eine Ausbildung als Außenhandelskauffrau in einem Weingut in Nierstein. Sie arbeitete engagiert und holte im kirchlichen Ehrenamt das hinzu, was ihr damals beruflich fehlte, etwa das inhaltliche und politische Arbeiten für Kinder und Jugendliche. Danach studierte sie in Frankfurt am Main Erziehungswissenschaften und machte darin ihren Master, parallel zu einer Stelle als Bildungsreferentin. Das sei schon anstrengend gewesen, sagt sie im Rückblick, doch ihre Begeisterungsfähigkeit gab ihr dabei Kraft.
Zudem schärfte sie den Blick dafür, was Menschen brauchen, um sich mit Freude einzubringen: Sicherheit, Vertrauen und Freiraum, um etwas ausprobieren und dabei auch mal Fehler machen zu können. Hauptberuflich begleitete sie außerdem junge Menschen in Freiwilligendiensten ein Stück auf ihrem Weg. Anfangs wirkten manche etwas orientierungslos, wenn es in Schule, Lehre oder Studium nicht weiterging, erzählt sie. Im Lauf der gemeinsamen Wochen sei das Selbstwertgefühl oft spürbar gestiegen. Mitzuerleben, wie andere „aufblühen“, das ist für Theresa Weber etwas Besonderes. Nach einer intensiven Zeit mit mehreren Wochen im Jahr unterwegs auf Seminaren wuchs bei ihr der Wunsch nach einem festeren Rhythmus. Als im Bischöflichen Ordinariat Mainz zwei Stellen ausgeschrieben wurden – Ehrenamtsförderung und Prozessmanagement – bewarb sie sich 2024 darauf. „Ich war ganz aufgeregt“, sagt sie. „Gerade weil mir das Thema Ehrenamt so am Herzen liegt.“
Sie selbst sieht sich in diesen Funktionen unter anderem als Servicestelle für Engagierte. Zu ihren Aufgaben gehört es, Menschen, die sich gern einbringen möchten, das Organisatorische zu erleichtern. Sie sammelt häufige Fragen, stellt hilfreiche Informationen zusammen, verlinkt auf Anträge und Möglichkeiten für Weiterbildungen – damit Ehrenamtliche schnell das finden, was sie brauchen. „Sonst verlieren sie Schwung, wenn sie erst mühsam herausfinden müssen, wo etwas steht.“
"Der Mensch, der ich heute bin, bin ich auch wegen meines Ehrenamts"
Weber arbeitet mit an einer Ehrenamtsstrategie und baut eine zentrale Internetseite mit auf, die laufend wächst. Ein Herzensprojekt ist für sie das Format „Denkpause“ – kurze Online-Treffen mit Impulsen und Austausch. Zudem möchte sie im Prozessmanagement dafür sorgen, dass Abläufe transparenter werden, etwa rund um das Thema Gebäude. Damit wird Verantwortung geteilt und Wissen übersichtlich zusammengefasst. Ihre Doppelfunktion erscheint ihr sinnvoll mit Blick auf kurze Wege und Vernetzung zwischen Teams.
Generell beobachtet Theresa Weber, dass sich das Ehrenamt verändert. Besonders beliebt sind heute Aktivitäten im Umweltschutz und rund um Begegnungsorte, wo alle gleichwertig angenommen werden. Früher waren Ämter und Aufgaben oft auf Dauer angelegt. Heute wollen viele eher projektbezogen etwas mitgestalten – für eine Weile, mit Sinn und Spaß daran.
Für die Referentin ist nachvollziehbar, dass man auch leicht und guten Gewissens mit etwas aufhören möchte. Daher setzt sie auf klare Rahmenbedingungen: Definierte Aufgaben, realistischer Zeitaufwand und Erwartungen sollten von Anfang an klar kommuniziert werden, wenn jemand neu beginnt. Wichtig sei Wertschätzung und Dankbarkeit, auch ohne Bedingungen, ohne direkt neue Bitten zu äußern.
Weiterhin wichtig, sagt Weber, bleiben für Ehrenamtliche Möglichkeiten zur Weiterbildung, ob bei liturgischen Diensten, in Musik und Seelsorge oder im Kinder- und Jugendbereich. Vielfältige Angebote möchte sie sammeln und leicht zugänglich machen: Damit Interessierte davon erfahren und Kurse, die mit Aufwand vorbereitet wurden, stattfinden. Auch sie selbst lernt immer wieder Neues hinzu, beruflich wie privat. Ihre freie Zeit genießt Theresa Weber gern im Freundeskreis, mit Familienmitgliedern oder als Fastnachts-Fan und Gardemitglied.
Theresa Weber ist seit mehr als einem Jahr im Bischöflichen Ordinariat Mainz als Referentin für Ehrenamtsförderung tätig. Zudem arbeitet sie dort als Beraterin in der Strategiestelle Prozessmanagement. Kontakt: engagement@bistum-mainz.de,Telefon 06131 253 227