Mariett Schmoranz leitet Bischöfliches Weingut in Rüdesheim
Sie macht Wein für den Bischof
Foto: Theresa Breinlich
Geschäftsführerin Mariett Schmoranz ist stolz, im historischen Weinkeller zu arbeiten.
In diesem Weinkeller wandelte vermutlich schon Hildegard von Bingen. Er ist ein bis heute erhaltener Flügel des Klosters, das die Heilige im 12. Jahrhundert gründete. Die Weine haben lateinische Namen wie Epis-copus, A priori oder Arduus. Spuren der katholischen Tradition sind im Bischöflichen Weingut in Rüdesheim an vielen Stellen zu erkennen. Ihrer nimmt sich nun eine neue Geschäftsführerin an: Mariett Schmoranz. Sie hat Weinbau studiert, zunächst in einem Weingut an der Nahe und bereits seit August 2023 für Kellermeister Peter Perabo gearbeitet.
„Es ist doch schön für das Bistum, so etwas Feines wie ein eigenes Weingut zu haben. Pfarreien besorgen sich bei uns ihren Messwein. Das Ordinariat bestellt hier Geschenke für Mitarbeitende, und wir liefern bei offiziellen Anlässen oder wenn Delegationen zu Gast sind“, sagt sie. Auch sind sie bei den Rheingauer Weintagen in Limburg vertreten. „Es kommen viele Mitarbeitende aus dem Ordinariat zu uns. Die Stimmung ist gut. Wein hat immer etwas Geselliges“, erzählt Vertriebsleiterin Elise Wieliczko.
Schmoranz liebt ihre Arbeit: „Es ist schön, die Trauben beim Reifen zu beobachten und das Ergebnis in der Flasche zu sehen. Meine Aufgaben sind abwechslungsreich. Ich fahre gerne Traktor und bin gerne im Büro. Es kann aber auch sehr anstrengend sein, den ganzen Tag draußen in der Kälte zu sein. Da bin ich abends fertig.“
Familiäre Atmosphäre auf dem Weingut
Neun Hektar gehören zum Bischöflichen Weingut, die zu 80 Prozent mit Riesling und zu 20 Prozent mit Spätburgunder bestockt sind. Das Bistum Limburg ist der Gesellschafter. Die beiden Frauen arbeiten dort als Zweierteam mit Unterstützung von Peter Parabo und Helfern. Die Atmosphäre ist familiär, etwas, das Schmoranz besonders schätzt. „Einige Erntehelfer nehmen sich extra Urlaub, wenn bei uns Zeit für die Lese ist. Wir können uns absolut auf sie verlassen“, erzählt die Rheingauerin.
Sie bewirtschaften sehr alte Reben in bekannten Lagen: Berg Schlossberg, Berg Roseneck und Berg Rottland. Die Weinberge sind von den umliegenden Pfarreien gepachtet. Im 12. Jahrhundert soll das erste Pfarrweingut in Rüdesheim gegründet worden sein. Mit den Einnahmen sollte die Pfarrei wirtschaftlich abgesichert werden. Die Tradition riss bis heute nicht ab. 1984 wurde das Weingut vom Bistum Limburg übernommen.
Die Zukunft hält Herausforderungen bereit. „Der Klimawandel, das Extremwetter, Trockenheit und Starkregen machen uns das Leben schwer“, sagt Schmoranz. Sie planen Bewässerungssysteme, die Rheinwasser nutzen, und stellen auf hitzeresistente Rebsorten um. Sie arbeiten nachhaltig, soweit es geht. Denn ökologischer Anbau bedeutet mehr Arbeitszeit. „Wir halten etwa den Unterstock kahl, ohne chemische Mittel zu verwenden. Von einer guten Bodengesundheit hängt auch die Weinqualität ab. Wir schaffen es als kleines Team aber nicht, so ökologisch zu arbeiten, dass wir zertifiziert werden könnten“, sagt Schmoranz.
Auch haben sie gemerkt, dass der Alkoholkonsum zurückgeht. „Wir haben zugleich festgestellt, dass die Menschen, wenn sie Wein trinken, sich gezielt etwas gönnen möchten. Vielleicht führen wir alkoholfreie Weine ein, um dem Trend zu begegnen“, sagt Schmoranz. Mit dem Jahrgang 2025 sind sie sehr zufrieden, auch wenn er durch die Trockenheit im Sommer eher klein ausfällt. „Dafür haben wir gute Qualität“, erklärt die Winzerin.
Veranstaltungen mit Eventcharakter
In Zukunft möchte das Team Veranstaltungen organisieren. „Seit Corona haben wir deutlich weniger Spontanbesuche“, sagt Schmoranz. Ideen sind Weinproben mit Eventcharakter, eine Straußwirtschaft oder ein Hoffest.
Die Geschäftsführerin kann schon von einem ersten Höhepunkt ihrer Tätigkeit berichten. Über das Katholische Büro in Berlin hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine Flasche ihres 2022er-Roseneck-Rieslings mit nach Rom genommen. Da sie nichts von dem Plan wussten, waren die beiden Frauen im Weingut überrascht, als sie ihren Wein in der Zeitung in den Händen des Papstes sahen.