Würdigung

Ein Demokrat, der zusammenführen konnte

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Menschen stehen vor einem Straßenschild mit dem Aufdruck Rainer-Prachtl-Weg.
Nachweis

Foto: Martin Innemann

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(v.li.) Bundestagsabgeordneter Philipp Amthor, Oberbürgermeister Nico Klose, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Regina Prachtl.

Am Ufer des Tollensesees in Neubrandenburg gibt es jetzt einen Rainer-Prachtl-Weg, der dem früheren Landtagspräsidenten und langjährigen Vorsitzenden des Dreikönigsvereins gewidmet ist.

Die Sonne glitzert auf dem Tollensesee am Brodaer Stadtbad in Neubrandenburg als der Strandweg einen neuen Namen bekommt. Er heißt nun Rainer-Prachtl-Weg und ist dem ersten Landtagspräsidenten Mecklenburg-Vorpommerns gewidmet, der im Jahr 2024 gestorben ist. Prachtl kannte diesen Weg. „Als passionierter Schwimmer ist er schon seit Kindestagen hierhergekommen, um im See zu schwimmen“, sagt Witwe Regina Prachtl. Eine Stele am Schild informiert über die Persönlichkeit Rainer Prachtl.

Zur Einweihung sind viele Weggefährten, Freunde und Familienangehörige gekommen. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig würdigt Prachtl als einen Politiker und Katholiken, der nach der Grundüberzeugung lebte, Menschlichkeit sei machbar. „Jeder und jede von uns kann ganz konkret in seinem Dorf, in seiner Stadt oder im Verein vor Ort einen kleinen Beitrag leisten, damit wir hier in Mecklenburg-Vorpommern gut zusammenleben. Und dafür ist Rainer Prachtl ein großes Vorbild“, hält Schwesig fest. Zusammenführen und nicht spalten, das sei die Königsdisziplin in der Demokratie, die Prachtl auszeichnete.

Klose: „Ein Tausendsassa in ganz vielen sozialen Projekten“

Schwesig spricht von den Verdiensten Prachtls für die Landesverfassung: „Er hat sich dafür stark gemacht, Grundregeln und Grundrechte über die Staatsform und die Staatsziele verfassungsrechtlich festzuschreiben. Er hat sich viele Jahre lang dafür eingesetzt, die Werte der Verfassung in der Landespolitik mit Leben zu erfüllen.“ Dafür habe er als Stadtrat, als Landtagsabgeordneter und als erster Landtagspräsident des Landes von 1990 bis 1998 gewirkt.

Oberbürgermeister Nico Klose weist darauf hin, dass das Votum des Stadtparlaments einstimmig für die Benennung des Weges ausfiel. „Was Prachtl ausgezeichnet hat, ist eine überparteiliche warmherzige Herzlichkeit. Er war ein Tausendsassa in ganz vielen sozialen Projekten, er war politisch engagiert und er steht für Nächstenliebe und soziales Engagement.“

Aus einem Hauskreis heraus gründete sich 1991 der Dreikönigsverein, dessen Vorsitzender Prachtl bis zu seinem Tod war. Die Arbeit des Vereins sei eine ganz herausragende für die Hospizdienste, hält sein Nachfolger Matthias Crone fest. „Wir müssen in der Gesellschaft Leben und Sterben der Menschen viel mehr zusammendenken und nicht ausgrenzen. Dafür hat er sich eingesetzt“, so Crone. Eigentlich gehöre es an den Anfang, sagt seine Frau Regina. „Mein Mann hätte zuerst gesagt ‚Gloria deus‘“ und sie schaut über den See.

Martin Innemann