Bistum Osnabrück verweigert Zustimmung. Gemeinsames Leitungsmodell platzt
Ein Rückschlag für die Osnabrücker Krankenhaus-Landschaft
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Die chirurgischen Abteilungen von Marienhospital (MHO) und Klinikum sollten zusammengeführt werden. Das ist vorerst gescheitert.
Es war bereits beschlossene Sache: Die chirurgischen Abteilungen von Marienhospital (MHO) und Klinikum sollten zusammengeführt werden – verbunden mit einer Personalie. Privatdozent Dr. Jürgen Tepel sollte am 1. November als Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie die Nachfolge von Professor Dr. Christoph Nies am MHO übernehmen. Tepel ist zugleich Chefarzt und Ärztlicher Direktor am Klinikum Osnabrück. Doch der Aufsichtsrat der Niels-Stensen-Kliniken hat nun einem Teil des viszeralmedizinischen Konzepts überraschend nicht zugestimmt. Es kam zum Eklat. Tepel tritt seine doppelte Leitungsfunktion nicht an. Die Chefarztstelle in der Allgemein- und Viszeralchirurgie am MHO ist somit vorerst vakant.
Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ spricht von einem „schweren Rückschlag für die Jahrhundertreform in der Osnabrücker Krankenhaus-Landschaft“. Die Blockadehaltung des Bistums könne den weiteren Reformprozess ins Stocken bringen, heißt es. Das gegenseitige Vertrauen sei erschüttert, weil Abmachungen und unterschriebene Verträge kurz vor dem Starttermin einseitig außer Kraft gesetzt worden seien.
Das medizinische Konzept für die Allgemein- und Viszeralchirurgie sieht unter anderem vor, dass schwere und hochkomplexe Eingriffe künftig im Klinikum erfolgen. Zum Hintergrund: Die Spezialisierung der Krankenhäuser ist ein Kernbestandteil der Krankenhausreform, die noch vom früheren Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) angestoßen wurde. Das Krankenhausgesetz verlangt von den Kliniken, dass sie sich auf bestimmte Leistungsgruppen konzentrieren. Ein Krankenhaus kann in Zukunft komplexe Eingriffe nur noch abrechnen, wenn es ausreichend Fallzahlen, Geräte und Fachärzte vorweisen kann.
Wir werden den eingeschlagenen Weg über Kooperationsgespräche weitergehen.
Das Klinikum und die beiden katholischen Krankenhäuser Marienhospital und Franziskus-Hospital haben sich auf den Weg gemacht, um eine Holding als gemeinsames wirtschaftliches Dach zu gründen, sich die Aufgaben zu teilen und nach Maßgabe des Krankenhausgesetzes zu spezialisieren. Der Start verlief gut. Die Innere Medizin von MHO und Klinikum beispielsweise hat mit Professorin Dr. Kerstin Schütte bereits eine gemeinsame Leitung. Dieses Modell sollte auch ab 1. November mit Dr. Tepel umgesetzt werden.
Das ist gescheitert. Warum? Grundlage für die trägerübergreifende Leitung der Allgemein- und Viszeralmedizin sollte ein final abgestimmtes Konzept sein – was bislang nicht existiert, denn zwischenzeitlich hatten sich durch die neue Regierung die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zum Nachteil der Krankenhäuser verändert. Und ohne finales Konzept gebe es noch keine Basis für eine standortübergreifende Chefarztposition, sagt Niels-Stensen-Geschäftsführerin Christina Jaax. „Wir bedauern dies sehr.“ Die Versorgung der Patientinnen und Patienten am Marienhospital Osnabrück durch das Zentrum der Allgemein- und Viszeralchirurgie sei aber weiterhin sichergestellt.
Die Interimsregelung in der Allgemein- und Viszeralmedizin, erklärt Jaax, hätte sich ab November unmittelbar auf die bislang erbrachten und prognostizierten Leistungsmengen am MHO ausgewirkt. Die Leistungsfähigkeit des MHO sei jedoch – vor allem bei komplexen Eingriffen – essenziell für den Erfolg des laufenden Sanierungskurses des Verbundes der Niels-Stensen-Kliniken. Immerhin soll es in der kommenden Woche weitere Gespräche geben, um eine „Grundsatzentscheidung für ein übergreifendes medizinisches Konzept voranzubringen“, kündigt Jaax an.
Sie betont: „Wir sehen trotz mancher Hürden die Notwendigkeit, medizinische Leistungen zur langfristig bestmöglichen Patientenversorgung zu bündeln. Wir werden den eingeschlagenen Weg über Kooperationsgespräche weitergehen und die Zukunft der Viszeralmedizin in Osnabrück konsequent weiterentwickeln und festigen. Der Anspruch der Niels-Stensen-Kliniken bleibt, Hochleistungsmedizin in Osnabrück zu halten und auszubauen.“ (asa)