Spielfilm über Adam und Eva
Ein seltsames Paar
Foto: Mizzi Stock
Der einfältige Adam (Alex Brendemühl, Mi.) und die neugierige Eva (Anca Androne, re.) treffen im Paradies aufeinander. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten entsteht etwas Unvorhergesehenes: Liebe.
Eva möchte in ihrem Tagebuch alles genau notieren. „Für die Historiker“, schreibt sie. Es ist Samstag und Eva ist einen Tag alt. Geboren wurde sie nicht als Baby, sie war gleich eine erwachsene Frau. So erzählt es jedenfalls das Buch Genesis. Adam ist „das neue Wesen mit den langen Haaren“ lästig. „Ich bin Gesellschaft nicht gewöhnt“, sagt er. Außerdem ist das Wesen ziemlich vorwitzig. Allem und jedem gibt es Namen, „ohne dass ich etwas einwenden kann“, klagt Adam in seinem Tagebuch. „Mein Leben ist nicht mehr das, was es mal war.“
Der poetische Film „Die Tagebücher von Adam und Eva“ basiert auf einem Text von Mark Twain. Er spielt mit einem ironischen Blick auf Geschlechterrollen – damals am Anfang der Menschheit und heute. Denn überblendet werden die paradiesischen Bilder und die vorgelesenen Tagebucheinträge – sie sind der einzige Text des Films – mit Bildern heutiger Menschen. Manchmal als Kontrast, manchmal als Veranschaulichung.
Überhaupt ist das der Witz: Wenn Eva in ihrem Tagebuch beschreibt, wie sie Adam erlebt – und umgekehrt Adam, was er über Eva denkt –, dann sind nicht nur diese beiden gemeint, sondern Frauen und Männer im Allgemeinen. „Es sieht mir nach einem Wesen aus, das sich mehr fürs Ausruhen interessiert als für alles andere“, sagt Eva über Adam. „Ich frage mich, wofür es da ist. Ich habe es noch nie etwas tun sehen.“
Das Grundproblem der Menschheit
Eva denkt, sie würde Adam intellektuelle Arbeit abnehmen, wenn sie den Dingen Namen gibt: „Er kann das nicht so gut.“ Adam fühlt sich übergangen: „Wieso fragt sie mich nie?“ Das Grundproblem der Menschheit: Männer und Frauen missverstehen sich. Und fühlen sich doch zueinander hingezogen. „Zweifellos kann man diesen Keim zum Wachsen bringen, wenn man ihn kultiviert“, sagt Eva in ihrer weiblichen Selbstüberschätzung.
Der Film spielt mit Klischees: Eva schwärmt für das Schöne, Adam für das Praktische. „Kann es sein, dass es für grobe Arbeit entworfen wurde?“, fragt Eva. Als sie etwas Schönes entdeckt, zeigt sie es Adam nicht. „Es interessiert ihn nicht, wenn es für nichts gut ist, sondern nur schön.“ Auch dafür, dass er viel weniger redet als sie, hat sie eine Erklärung: „Vielleicht liegt es daran, dass er nicht der Hellste ist und versucht, es zu kaschieren.“ Wieder so ein Missverständnis. Denn Adam ist keineswegs dumm, nur bedächtig. Und er formuliert kluge Sätze. Zum Beispiel: „Weniger ist mehr.“ Oder: „Wir müssen mit dem auskommen, was uns die Natur bereitstellt.“ Und noch ein Klischee: Adam hat Spaß am Risiko, todesmutig will er die Wasserfälle runterrutschen: „Das habe ich gemacht, solange ich denken kann.“ Dass Eva ihn tränereich zurückhält, nervt ihn.
Natürlich kommen auch der verbotene Baum und die Schlange vor. Und ja, auch in dieser Variante ist die neugierige Eva schuld daran, dass das Paradies verlorengeht. Adam wollte ja den Apfel nicht – aber hatte so schrecklichen Hunger … Tja, und so kommt der Tod in die Welt. Aber auch neues Leben: Kinder. Die bringen Glück, aber auch Schmerz, Freude, aber auch Trauer. Und eine ganz besondere Form der Liebe.
Denn letztlich geht es in dem Film um genau das: wie der Mensch die Liebe entdeckt. Liebe trotz aller Unterschiedlichkeit, Liebe trotz nerviger Eigenschaften und Defizite des anderen. „Am Anfang“, sagt Adam irgendwann, „lag ich falsch, was Eva angeht. Es ist besser, außerhalb des Gartens mit ihr zu leben, als im Garten ohne sie.“ Als sie am Ende des Films alt und ergraut stirbt, resümiert er: „Wo auch immer Eva war, da war das Paradies.“ Und das ist doch eine versöhnliche Botschaft.
Die Tagebücher von Adam und Eva. Am Mittwoch, 24. Juni, um 23.55 Uhr bei Arte. Oder ein Jahr lang in der Arte Mediathek