Kreislaufwirtschaft als Ziel

Eine Ausstellung fordert uns heraus

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Ausstellungstische zeigen verschiedene Gegenstände, zum Beispiel Putzmittel und ein T-Shirt
Nachweis

Andrea Kolhoff

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Zu sehen sind auch einige Beispiele für nachhaltige Produkte.

Wirfst du noch weg oder sortierst du schon? Gute Frage, und die Antwort könnte lauten: Mal so, mal so. Natürlich bringen die meisten Menschen ihr Altglas zum Container, geben Klamotten in den Altkleidersack und alte Batterien zur Sondermüllstelle. Doch eine echte Kreislaufwirtschaft zu etablieren braucht mehr als das und setzt schon beim Kauf und im Produktionsprozess an. Bei der spontanen Shoppingtour könnten sich die Kunden fragen: Wie viele Dinge habe ich, die ich nicht brauche? Und wenn sie sich für ein Produkt entscheiden, sollten sie bei der Herstellerfirmen nachfragen: Lässt sich der Gegenstand später gut reparieren? Und welche Rohstoffe stecken darin – wurden sie dafür neu abgebaut oder aus anderen Geräten recycelt?

Wer die Ausstellung über das Zukunftsmodell Kreislaufwirtschaft mit dem Titel „Jetzt gehts rund“ in Osnabrück besucht, erhält Anregungen, sich als Konsument Gedanken um die Dinge zu machen, die gekauft werden. Die Ausstellung ist in den Räumen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) zu sehen und wurde in Zusammenarbeit von DBU und dem Technologiezentrum des VDI (Verein Deutscher Ingenieure) erstellt und will Schautafeln, Mitmachstationen und Ideen für „Challenges“ offenkundig auch ein junges Publikum ansprechen.

Challenges auf Postkarten

Die Postkarten mit den Vorschlägen kann man einstecken und sich erinnern lassen, welche „Challenge“, also Aufgabe, die ich mir vornehme, um Ressourcen zu sparen, es bald sein soll. Zum Beispiel: Kaufe einen Monat lang nichts Neues. Flicke dein Lieblingskleidungsstück, statt es wegzuwerfen. Organisiere einen Reparaturtreff. Schlage eine Ressourcen-Kreislaufaktion für deine Schule oder den Betrieb vor. Plane deinen nächsten Urlaub ohne Auto oder Flugzeug – mit Bahn, Fahrrad oder Kanu. 

Um zu erkennen, wo heutzutage Ressourcen noch stark verschwendet werden, gibt es an einer Mitmachstation Informationen zu Produkten und ihrer Öko-Bilanz. Die Besucher können Holztafeln mit Symbolen auf eine Waage legen, den Gegenstand scannen und Infos erhalten. Beispiel modische Sneaker: Zu den Materialien zählt oft nicht recycelbares Plastik, die Schuhe sind oft verklebt und lassen sich weder nähen noch neu besohlen. Am Ende landen sie als Plastikmüll auf einer Deponie in Kenia. 

Beispiel Möbel: Für den günstigen Holzstuhl des Möbeldiscounters wurden die Bäume in den Karpaten illegal geschlagen und damit der Lebensraum für Adler und Braunbären zerstört; der nicht stabile Stuhl landet schnell im Sperrmüll. 

Auch für den Pappbecher für einen „Coffee-to-go“ werden viele Bäume gefällt, zusätzlich verbraucht man in der Becherherstellung Erdöl, um ihn von innen zu beschichten. Diese Ressourcenverschwendung für Trinkbecher könnte man ganz einfach beenden, indem die Leute sich Zeit für eine Pause nehmen und ihren Kaffee aus einer normalen Tasse im Café trinken – Zitat der Ausstellungsmacher: „Wir haben übrigens auch hübsche Sitzplätze hier.“

Denn es geht ja auch anders. Die Ausstellung nennt noch weitere Beispiele: Für die Herstellung eines Smartphones werden seltene Erden, Gold und Silber gebraucht. Also kann ich doch einfach ein Secondhand-Smartphone kaufen, gebraucht und aufgearbeitet, Stichwort „refurbished“. Solche von Profis aufgearbeiteten Handys bekommen Kunden sogar mit Gewährleistung. 

Ein gutes Beispiel sind Turnschuhe, die nachhaltig hergestellt wurden und sich neu besohlen lassen. Die Ausstellung stellt ein Paar solcher Schuhe vor, aus recycelter Baumwolle und mit einer Sohle aus recyceltem Naturkautschuk, alles ohne Plastikteile. Weitere Positivbeispiele, die präsentiert werden, sind die biologisch abbaubaren Putzmittel eines deutschen Herstellers, eine Brotbox und eine Flasche aus Portugal und T-Shirts, die aus recyceltem Material hergestellt werden. Auch innovative Unternehmen gehen mit gutem Beispiel voran: Die Firma „Baufritz“ hat Lösungen für das Bauen im Bestand und erweitert ältere Gebäude durch Anbauten oder Aufbauten aus Holz. Das von Luisa Schulze und Mirko Laube gegründete Unternehmen „Better Sol“ hat sich dem Recycling von gebrauchten Solarmodulen verschrieben, so werden die darin verbauten Rohstoffe wie Silber und Silizium weiter genutzt. 

Die Ausstellung „Jetzt geht’s rund“ ist bis März 2026 in Osnabrück bei der DBU zu sehen und kann danach ohne Leihgebühr als Wanderausstellung angefordert werden, dafür braucht man eine Ausstellungsfläche von 240 Quadratmetern. Es entstehen nur die Kosten für An- und Aufbau, Transport und Versicherung. Kontakt: www.dbu.de

Andrea Kolhoff