Autobahnkirche

Einfach mal runterfahren

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Drei Männer stehen unter einem Hinweisschild an der Autobahn A1.
Nachweis

Foto: Marco Heinen

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Carsten Butenschön, Hubertus Lürbke und Minister Claus Ruhe Madsen (v.li.) an der A1.

Im holsteinischen Oldenburg steht Deutschlands nördlichste Autobahnkirche, die erste in Schleswig-Holstein überhaupt. Landesverkehrsminister Claus Ruhe Madsen nahm dort eine Auszeit.

Der Minister kam im Fahrraddress zum Fototermin auf der Autobahn. Nicht etwa, weil er sich vertan und einen Radweg hatte eröffnen wollen, sondern weil er just eine strapaziöse Benefiz-Radtour unterbrochen hatte. Denn der schleswig-holsteinische Wirtschafts- und Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen radelte kürzlich auf der „Hanse-Tour Sonnenschein“ des gleichnamigen Rostocker Vereins mit. Seit zehn Jahren ist der ehemalige Oberbürgermeister der Hansestadt Vorsitzender des Vereins, der Geld für schwerst erkrankte Kinder und deren Familien sammelt. Dass der CDU-Politiker seine Tour unterbrach, um ein Autobahnschild einzuweihen, hatte einen guten Grund. Denn die Schilder mit dem Kirchensymbol, die Mitte Juli auf der A1 in beiden Fahrtrichtungen vor den Abfahrten Oldenburg-Süd aufgestellt wurden, weisen auf Deutschlands nördlichste Autobahnkirche hin: St. Vicelin, die erste katholische Autobahnkirche im Erzbistum. Sie steht an erster Stelle im Verzeichnis der nun 45 Autobahnkirchen, das von der Akademie der Versicherer im Raum der Kirchen herausgegeben wird. Bislang waren die Kapelle Dammer Berge an der A1 und die evangelische Kirche von Kavelstorf an der A19 bei Rostock die nördlichsten.

Foto: Marco Heinen

Treibende Kraft war Gemeindereferent Hubertus Lürbke aus der Ostholsteiner Pfarrei Sankt Vicelin. „Ich bin in der Vergangenheit auf Reisen selbst oft an Autobahnkirchen abgefahren, wenn ich Zeit hatte“, erzählt er. Als er mal zu einer Konferenz nach Oldenburg fuhr, kam ihm die zündende Idee, die nun mit Unterstützung aus Pfarrei und Pastoralteam umgesetzt wurde.

Die Kriterien sind klar definiert: maximal ein Kilometer Fahrweg zur Autobahn, tägliche Öffnungszeiten von 8 bis 20 Uhr, sanitäre Anlagen. Von der Größe her sollte der Besuch einer Reisegruppe möglich sein und Stellplätze für mindestens fünf Autos und einen Bus sind gefordert. „Alle Kriterien sind zu 100 Prozent erfüllt“, so Matthias Bielenberg von der Niederlassung Nord der Autobahn GmbH, der selbst Katholik ist und mit Niederlassungsleiter Carsten Butenschön erschien. Die Autobahngesellschaft, die so ein Schild auf Antrag anordnet, übernahm die Kosten von rund 5000 Euro, die pro Schild und Aufstellung anfallen.

Ein sehenswertes Kulturdenkmal

Zum Besuch der Kirche eingeladen sind alle, ob sie nur neugierig sind oder sonst eher Schwellenangst haben, einen Gottesdienst zu besuchen. „Und natürlich Menschen, die unterwegs mal innehalten wollen, nicht nur für das leibliche, sondern auch für das seelische Wohl sorgen wollen; die vielleicht ein Gebet sprechen möchten oder einen Reisesegen erbitten“, so Lürbke. Er denkt ebenfalls an die oftmals aus katholisch geprägten Ländern Osteuropas stammenden Berufskraftfahrer, die an Oldenburg vorbeikommen. Reisesegen zum Mitnehmen will er bald auch in deren Sprachen anbieten.

Die nach Plänen von Josef Feldwisch-Drentrup erbaute Kirche mit sehenswerten Fenstern von Ehrhard Wild wurde 1964 konsekriert. Sie ist ein Kulturdenkmal Oldenburgs. Auch wenn die Beschilderung abseits der Autobahn erst später erfolgt, so ist St. Vicelin mit seinem 24 Meter hohen Glockenturm nicht zu verfehlen. Es sei „eine Raststätte für die Seele“, schrieb der sonst eher kirchenferne Minister ins Gästebuch. Sprit tanken und Einkaufen lässt sich übrigens auch ganz in der Nähe.

Marco Heinen