1200 Jahre heiliger Ansgar
Erfolgreich ohne Schwert
Foto: Pfarrer Hermann Hülsmann
Darstellung des heiligen Ansgar in einem Fenster der katholischen Pfarrkirche in Aakirkeby auf Bornholm
Der Benediktinermönch Ansgar hatte Glück – das Glück, Rimbert an seiner Seite zu haben. Der Reisebegleiter und spätere Nachfolger auf dem erzbischöflichen Stuhl in Bremen widmete ihm eine wundervoll zu lesende und aus Forschersicht authentische Biografie. Über Ansgar ist deshalb weit mehr bekannt, als über andere Zeitgenossen, die ebenfalls im neunten Jahrhundert aus dem fränkischen Westen Europas in den Norden Deutschlands und bis nach Dänemark und Schweden gezogen waren, um das Evangelium zu verkünden. Er ist bekannter als beispielsweise Erzbischof Ebo von Reims. Dabei waren dessen Missionsreisen nach Norddeutschland immerhin so erfolgreich, dass der wesentlich jüngere Ansgar im Jahr 826 mit dem in Mainz getauften Dänenkönig Harald Klak daran anknüpfen konnte.
Ein neues Buch thematisiert die Christianisierung Nordeuropas – 1200 Jahre nach ihrem Beginn – und zeigt auf, wie tief sie unsere Kultur beeinflusst hat. In Haithabu an der Schlei, einst berühmte Hafenstadt der Wikinger, schickte Ansgar sich an, den Norden zu missionieren. Die Kirche, die er dort um das Jahr 849 bauen ließ, war die erste christliche Kirche nördlich von Hamburg. Seit 2011 steht in Haithabu ein Ansgar-Denkmal (siehe Seite 3) und erinnert auch daran, dass sich einst zwei Welten begegneten: kampferprobte Wikinger und ein Apostel des Friedens.
In Sachen Ökumene gibt es Überraschendes: Ansgar ist der einzige nachbiblische und zudem mittelalterliche Heilige, der ebenso in der evangelisch-lutherischen wie in der römisch-katholischen Kirche von jeher verehrt wird. Er wird als Vorbild gesehen; seine Mission war gewaltlos, keine „Schwertmission von oben“. Beispielhaft ist auch seine Friedensethik. Ansgar setzte sich dafür ein, dass zwischen verfeindeten Völkern Frieden entstand – Vertragsabschlüsse kamen in seiner Gegenwart zustande. Es ist historisch belegt, dass sich in Nordeuropa erst mit der Christianisierung eigene Herrschaften bildeten (nicht vergleichbar mit neuzeitlichen Staaten), die untereinander auch rechts- und vertragsfähig und friedensfähig wurden.
Ansgars erste Missionsreise 826 gilt als Gründungsjahr der dänischen Kirchengeschichte. Das Jubiläum 2026 wird groß gefeiert. Aber anders als in Deutschland, wird das dänische Nationalgefühl noch immer vom christlichen Glauben getragen. Der Name Ansgar genügt, um daran zu rühren.
„Ansgar in Haithabu – Anfänge des Christentums in Nordeuropa“
Günter Weitling und Reinhart Staats
Verlag Ludwig
26,90 Euro
ISBN: 978-3-86935-286-2
Ansgar-Kollekte
Rund um den Gedenktag des heiligen Ansgar, 3. Februar, werden in den Kirchen des Bistums Osnabrück und des Erzbistums Hamburg Spenden für das Ansgar-Werk gesammelt - in diesem Jahr am Sonntag, 1. Februar. Das Geld kommt den Katholiken in der extremen Diaspora der nordischen Länder Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und Island zugute.