Sommerserie: Zeit unseres Lebens, Teil 1
Flitterwochen im Zeltlager
Fotos: privat
Erst kirchlich geheiratet und dann ins Zeltlager: Für Thomas und Kerstin Wernemann aus Groß Hesepe war das eine "Zeit ihres Lebens".
Thomas Wernemann hat den Rucksack schon gepackt. Noch zwei Tage – dann startet der 42-Jährige wieder mit dem Vortrupp ins Zeltlager der St.-Nikolaus-Gemeinde aus dem emsländischen Groß Hesepe. In diesem Jahr geht es nach Hopsten ins südliche Emsland. Vortrupp – was bedeutet das? „Wir bauen mit mehreren Leuten die ganze Zeltstadt auf – mit der Küche und allem, was dazu gehört“, sagt er, und man hört seine Vorfreude auf die Aktion heraus. Aus beruflichen Gründen kann der selbstständige Betriebswirt nicht wie früher die kompletten zehn Lagertage dabeibleiben. Aber beim Abbauen hilft er wieder mit: „Dann fahre ich einen Tag früher hin und mache noch die letzte Feuerrunde mit.“ Die tolle Gemeinschaft, die gute Stimmung, die fröhlichen Gesichter der etwa 70 Kinder und Jugendlichen, den Teamgeist der 30 Betreuerinnen und Betreuer – das möchte er einfach nicht missen. „Es gibt nichts Schöneres, als im Zeltlager zu sein, da kriege ich den Kopf so richtig frei.“
„Auch mal Quatsch im Kopf“
Seine Begeisterung für das Heseper Zeltlager reicht bis in junge Jahre zurück. Als 13-Jähriger, „also eigentlich recht spät“, fährt er das erste Mal mit. Und meldet sich mit 16 dann prompt als Betreuer an, kommt später ins Leitungsteam, hilft danach jahrelang im Küchenteam mit. Morgens früh aufstehen und Brötchen schmieren, mittags Erbsensuppe kochen, abends Rohkost schnippeln, schmutzige Töpfe schrubben und aufräumen: Davon erzählt Thomas Wernemann nicht mit gequältem Seufzen, sondern mit einem großen Lächeln. „Das hat echt immer Spaß gemacht. Für mich war das Urlaub“, sagt er. Er beschreibt das als eine andere Welt, in der man raus aus dem normalen Alltag kommt und „auch mal ein bisschen Quatsch im Kopf haben darf“. Wie in dem einen Jahr, als er in ein völlig verrücktes Kostüm geschlüpft ist und damit die Kinder begeistert hat.
Seit 2007 gehört er zum Vorstand des Heseper Zeltlagers und macht heute neben Vor- und Nachtrupp nach wie vor „im Hintergrund“ mit. Wobei „Hintergrund“ nach viel weniger Arbeit klingt, als es tatsächlich ist. Wernemann organisiert mit anderen Ehrenamtlichen die Logistik und Zeltplätze, hält das Material instand, stellt sich für bestimmte Aktionen auch mal an einen Stand und kocht Chili. Wie kürzlich beim Pfarrfest. Er hat immer noch Lust darauf, aktiv mitzuhelfen und mitzugestalten – das entspricht seiner Mentalität auch in anderen Arbeitsfeldern und Veranstaltungen in seiner der Dorfgemeinschaft. Sich so einzusetzen, hat ihn geprägt und ihm viel Lebenserfahrung geschenkt. „Mit anderen etwas auf die Beine zu stellen und dann zu schaffen, zu diskutieren und andere Meinungen zu akzeptieren, Verantwortung zu übernehmen – das habe ich alles im Zeltlager für mein Leben mitgenommen.“
Lagerhochzeit mit allem Drum und Dran
Und er hat im Zeltlager auch seine Frau Kerstin kennengelernt, mit ihr viele Sommer Seite an Seite in der Lagerküche verbracht und mit ihr später die Flitterwochen dort verbracht. Tatsächlich? „Ja, wirklich“, sagt Thomas Wernemann, steht auf und holt ein Fotobuch aus dem Regal. Das erzählt von der ersten „Lagerhochzeit“ 2008 samt Antrag auf den Knien als Spaß im Zeltlager und dann von der echten Hochzeit 2014. „Wir haben kirchlich geheiratet und eine Woche später ging es zusammen ins Zeltlager nach Vreden“, sagt Kerstin Wernemann. Mit Brautkleid und Anzug, denn das Team dort hat noch mal eine "Lagerhochzeit" organisiert – mit allem Drum und Dran, vom großen Einzug bis zum zweiten „Ja-Wort“ vor der versammelten Zeltlager-Gemeinde.
Immer mal wieder blättern die zwei Heseper gerne durch das Album und schmunzeln bei so manchen Aufnahmen. Das Zeltlager hat die zwei zusammengebracht, zusammengeschweißt und gehört „zu unserem Leben einfach dazu“. Ähnliches gilt übrigens für manche andere Paare aus Groß Hesepe: „Da gibt es noch ein paar Zeltlager-Ehen mehr.“