Trotz Baustelle: Diözesanbibliothek Osnabrück ist weiter für Kunden da
Für Bücher und Bildung begeistern
Foto: Astrid Fleute
Das Team der Diözesanbibliothek hält engen Kundenkontakt: Leiterin Christine Möller, Irmgard Westendorf, Petra Steinke, Linda Rogall.
Es ist ein wenig wie bei Dornröschen im Turm. Durch lange leere Flure mit Baustellenstaub und über mehrere Stockwerke hinweg führt der Weg durch das historische Gebäude, den die Mitarbeiterinnen der Osnabrücker Diözesanbibliothek mehrmals täglich zurücklegen, um ihre Kunden zu bedienen. Seit das Priesterseminar, in dessen Dachgeschoss sie seit 160 Jahren untergebracht sind, geschlossen ist, sind auch die Räume der Bibliothek aufgrund von Arbeitsschutz nicht mehr öffentlich zugänglich. Ein großes Schild an der Eingangstür zeigt: „Bitte anrufen, wir kommen dann runter.“
Denn auch wenn die Lesesäle und Magazine von den Kunden derzeit nicht direkt genutzt werden dürfen, ist die Bibliothek nach wie vor geöffnet. Und einen Dornröschenschlaf halten Christine Möller, Irmgard Westendorf, Petra Steinke und Werksstudentin Linda Rogall in ihrem Turm keineswegs. Im Gegenteil. Seit über einem Jahr bringen sie zuverlässig Bücher und Zeitschriften an die Eingangstür und führen dort Fachgespräche und beraten. Sie nehmen Ausleihen und Neubestellungen entgegen, scannen Artikel oder Buchkapitel ein, bestellen gewünschte Literatur per Fernleihe oder suchen sie aus ihrem Bestand heraus. Anfragen, die sie erreichen, werden umgehend bearbeitet.
Der Erfolg: Die Kunden bleiben trotz der Umstände treu. „Wir haben keinen Abbruch der Zahlen, eher eine Verbesserung“, sagt Leiterin Christine Möller nicht ohne Stolz und betont: „Wir leisten einen hohen Anteil an Fachberatung, der so durch andere Bibliotheken nicht abgedeckt ist.“ Schüler, Studenten, Theologen, Priester, Ordenschristen, Wissenschaftler, aber auch Rentner oder an Theologie im weitesten Sinne interessierte Menschen gehören zu ihrem Kundenstamm. Themen rund ums Älterwerden, Tod und Trauer, Trost, Missbrauch oder Krieg interessieren die Kunden genauso wie wissenschaftliche Fragestellungen und historische Recherchen.
120 000 Bücher und 80 laufende Zeitschriften bietet der Bestand der Bibliothek, deren Anfänge bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurückgehen. Die ältesten Bücher enthalten noch handgeschriebene Seiten und reichen bis ins 14./15. Jahrhundert zurück. Aber auch aktuelle Literatur wird regelmäßig aufgestockt. Oft erreichen Nachlässe die Bibliothek und werden von den Mitarbeiterinnen durchsortiert. Besonders stolz ist das Team auf den gesamten Nachlass der Theologin Elisabeth Gössmann oder Teile der Franziskanerbibliothek Fulda, die der Bibliothek überlassen wurden. Im Raum des heutigen „Magazin 1“ neben dem Eingang wurden bereits drei der vier Lübecker Märtyrer unterrichtet. Er war früher der Hörsaal der Seminaristen.
Zweimal wöchentlich verschicken die Mitarbeiterinnen einen Newsletter mit Anregungen zu neuen Veröffentlichungen, der gut angenommen wird. „Das Interesse an Theologie ebbt hier nicht ab, das können wir an unseren Zahlen nicht ablesen“, sagt Christine Möller, die seit 2012 für die Einrichtung arbeitet und ihr gemeinsam mit dem engagierten Team neuen Schwung verliehen hat. Für sie ist die Diözesanbibliothek eine wichtige Schnittstelle zwischen Kirche und Gesellschaft und einer „der schönsten Orte des Bistums“. Die Menschen mit Literatur und Bildung zu versorgen und sie dabei zu begleiten, ist für das Team auch ein missionarischer Auftrag. Damit der Kontakt zu den Kunden bald wieder stärker möglich ist, freuen sie sich auf den voraussichtlich in diesem Jahr stattfindenden Umzug in die neuen Räume an der Möserstraße in Osnabrück – raus aus dem historischen Turm und wieder hin zu den treuen Kunden.
Kontakt: Telefon 0541 318-470, E-Mail: db@bistum-os.de
Öffnungszeiten: Mo bis Do 9 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 17 Uhr, freitags 9 bis 12.30 Uhr.