Umweltsenatorin Kathrin Moosdorf

Für ein grünes und lebenswertes Bremen

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Bremer Umweltsenatorin Kathrin Moosdorf
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Foto: Christof Haverkamp

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Kathrin Moosdorf ist seit 2023 Senatorin für Klima, Umwelt und Wissenschaft in Bremen.

Eine Großstadt, in der alle Menschen gut leben können: Diese Vision treibt Kathrin Moosdorf an. Die 44-Jährige ist Umweltsenatorin in Bremen – Katholikin und Berufsoptimistin. Sie ermutigt zu einem ökologischen Umdenken und erklärt, was das alles mit Franz von Assisi zu tun hat.

Es war eine Hiobsbotschaft, mit der Kathrin Moosdorf nicht gerechnet hatte: Im Juni verkündeten die Bremer Stahlwerke – verantwortlich für rund die Hälfte der Treibhausgasemissionen im Land Bremen – vorerst nicht umweltfreundlich umrüsten zu wollen. Das sei trotz hoher Fördermittel zu teuer. Ein schwerer Rückschlag für die Klimastrategie des Bremer Senats. Und Moosdorf geriet unter Druck. Sie musste sich fragen lassen, inwieweit das Ziel, in der Stadt bis 2038 klimaneutral zu werden, überhaupt noch erreichbar ist.

Der Job einer Klimaschutzsenatorin – er war schon mal einfacher. Kriege und Krisen weltweit verdrängen grüne Themen wieder mehr von der Tagesordnung. Hinzu kommt eine enge Bremer Haushaltssituation, weshalb der Weg zur Klimaneutralität deutlich schwieriger geworden ist. „Das macht mir schon Sorge“, sagt Kathrin Moosdorf. „Aber meine Aufgabe ist es, das Bestmögliche herauszuholen.“

Man spürt: Da sitzt eine Berufsoptimistin in ihrem Büro im achten Stock, mit Blick auf die Bremer Überseestadt. Eine, die nicht nur christliche Werte und politische Konzepte mitbringt, sondern auch eine klare Vision. Das Zukunftsbild einer Stadt, „in der alle gut leben können, die grün ist, klimaneutral, in der auch Wissenschaft und Bildung eine wichtige Rolle spielen. Das treibt mich an“. 

Der Umweltgedanke begleitet Kathrin Moosdorf seit ihrer Kindheit. Geboren und aufgewachsen in Aachen, gründete sie schon in der Grundschule eine Wasser-AG, um einen nahegelegenen Bach sauber zu halten. Später waren die katholischen Jugendverbände prägend – mit Jugendgottesdiensten unter freiem Himmel und Naturerlebnissen bei den Pfadfinderinnen. Einige Jahre war sie sogar hauptberuflich Bundesvorsitzende der Pfadfinderinnenschaft St. Georg. „Spiritualität und Natur, mein Glaube und die Schöpfung – das gehört für mich zusammen“, betont die 44-Jährige.

Mein Glaube und die Schöpfung – das gehört für mich zusammen

Als Senatorin im Bundesland Bremen dreht sie an den großen Stellschrauben: Wärmewende, erneuerbare Energie. Sie hat sich zudem stark gemacht für ein bundesweites Klimageld, denn durch die CO2-Bepreisung wird das Leben teurer. „Die Menschen, insbesondere die, denen es finanziell nicht so gut geht, müssen etwas zurückbekommen. Ich erwarte von der Bundesregierung, dass sie das umsetzt.“

Für eine klimaneutrale Großstadt braucht es aber auch zivilgesellschaftliches Engagement. „Mein Herz geht immer auf, wenn ich Umweltbildungsprojekte besuche und sehen kann, wie selbst Kinder aktiv werden oder Vereine überlegen, wie wir den Klimaschutz weiter vorantreiben können“, sagt Moosdorf. Sie erwähnt zum Beispiel die „KlimaWerkStadt Neustadt“, deren Angebot alle anspricht, die Lust haben, sich für eine lebendige und zukunftsfähige Nachbarschaft einzusetzen. Man kann Workshops anbieten oder im Reparatur-Café mithelfen, und es gibt einen Materialfundus für alles, was sonst auf dem Müll landen würde.

Bürgerpark Bremen
Bremen, hier der Bürgerpark, ist schon eine grüne Stadt. Dennoch sollen noch mehr Bäume gepflanzt, noch mehr Flächen entsiegelt werden. Foto: Lgxxl/wikimedia

Bremen ist bereits eine grüne Stadt, dennoch sei es wichtig, dass noch mehr Bäume gepflanzt, noch mehr Flächen entsiegelt werden, noch mehr Blühwiesen entstehen, betont Moosdorf. Hier kommt die „Schwammstadt“ ins Spiel, ein urbanes Konzept, das gerade Großstädte widerstandsfähiger machen soll gegen Trockenheit, Starkregen, Überschwemmungen. „Wir sind mittendrin in der Klimakrise.“ Und die lässt auch die Frage nach sozialer Gerechtigkeit aufkommen. Denn an Wetterextreme wie Hitzeperioden können sich diejenigen, die nicht so viel Geld zur Verfügung haben, weniger gut anpassen. Sie leben oft in engen, nicht gut gedämmten Häusern in Stadtteilen mit viel Beton. „Diese Menschen und ihre Lebensbedingungen müssen wir in den Blick nehmen, und wir müssen sie beteiligen“, erklärt die Senatorin.

Sie spricht von einer ökologischen Transformation, und die beginne im Kleinen – in unserem Alltag, in unserem Verhalten, in unserer Art, mit Ressourcen umzugehen. Dazu will sie ermutigen – allerdings keine Verbote aussprechen.

Ihr selbst fällt ein umweltbewusster Lebensstil nicht schwer. „Das ist quasi in meiner DNA angelegt“, sagt Kathrin Moosdorf und lacht. Sie fährt zum Beispiel mit dem Fahrrad zur Arbeit und nutzt auch für dienstliche Termine öffentliche Verkehrsmittel oder Car-Sharing. Sie hat noch nie ein eigenes Auto besessen 

Der Sonnengesang des heiligen Franziskus ist mehr als ein altes Gebet

Als Umweltsenatorin und Katholikin berührt sie der Sonnengesang des heiligen Franziskus. Vor 800 Jahren verfasst, inspiriere er heute noch Künstler, Theologen und Umweltschützer gleichermaßen. „Bewegend ist dieser Text, weil er die gesamte Schöpfung in ein Lob auf Gott einbindet. Franz von Assisi sieht nicht den Menschen im Mittelpunkt, sondern die gesamte Natur als von Gott gewollt, wertvoll und schützenswert.“ Ihre Worte aus einer Fastenpredigt in der Bremer Propsteikirche St. Johann. Normalerweise ist Kathrin Moosdorf eher in der Kirche St. Elisabeth anzutreffen. An den Wochenenden unterstützt sie gerne und so oft es geht an der Querflöte die Musikgruppe „Viel-Harmonie“ in Familiengottesdiensten. „Das lasse ich mir auch als Senatorin nicht nehmen“, sagt sie.

Die Predigt über den Sonnengesang war eine Premiere. „Wenn wir uns umsehen, sehen wir eine Welt, die in vielerlei Hinsicht leidet. Die Erderwärmung, das Artensterben, die Verschmutzung der Ozeane – all das sind Zeichen dafür, dass wir Menschen wohl eher nicht mit der Ehrfurcht handeln, die Franz von Assisi in seinem Lied ausdrückt“, sagt sie.

Wenn sie mit den Pfadfinderinnen in den Bergen Islands unterwegs ist und die raue Schönheit der Natur erlebt; wenn sie als Umweltsenatorin einen Baum pflanzt und sich bewusst macht, dass dieser Baum vielleicht noch lange nach ihr Schatten spenden wird; wenn sie in ihrem Garten die erste Hummel des Jahres entdeckt. Solche Momente sind Geschenke. „Sie lassen mich spüren, dass wir Teil eines großen Ganzen sind.“ Kathrin Moosdorf wünscht sich, „dass wir alle den Sonnengesang nicht nur als altes Gebet lesen, sondern als einen Ruf an uns heute“. 

Anja Sabel
Zur Person

Kathrin Moosdorf (Bündnis 90/Die Grünen), Jahrgang 1981, hat Politikwissenschaften studiert und lebt seit 2015 mit ihrer Familie in Bremen. Seit 2023 ist sie Senatorin für Klima, Umwelt und Wissenschaft. Moosdorf ist Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).

Termin

Der 4. Oktober ist der Gedenktag des Franz von Assisi. Am Samstag, 2. Oktober, sind um 19.30 Uhr Musik und Worte zum 800. Jahrestag des Sonnengesangs von Franz von Assisi im Osnabrücker Dom zu hören. Der Domkammerchor unter der Leitung von Clemens Breitschaft singt Werke unter anderem von Petr Eben, Enjott Schneider, Lili Boulanger und Peter Witte, Balthasar Baumgartner spielt dazu an der Orgel. Dazwischen lesen Martina Kreidler-Kos und Franziskanerbruder Nijil Chiramal Texte. Der Eintritt ist frei.