Seligsprechung von Pater RIchard Henkes im Limburger Dom

Großes Geschenk Gottes

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In seinem Heimatort Ruppach wurde er einst „Kremersch Richard“ genannt, als Märtyrer ist Pallottinerpater Richard Henkes am 22. Februar 1945 im KZ Dachau gestorben. Das Bistum Limburg hat nun einen neuen Seligen. Von Heike Kaiser.

Bischof Georg Bätzing (links) und Kardinal Kurt Koch (rechts) beim Auszug aus dem Limburger Dom nach der Seligsprechung.
Bischof Georg Bätzing (links) und Kardinal Kurt Koch
(rechts) beim Auszug aus dem Limburger Dom nach
der Seligsprechung.

Weihbischof Thomas Löhr strahlt. Es macht ihm sichtlich Freude, die vielen Menschen zu begrüßen, die nach Limburg zur Seligsprechung von Pallottinerpater Richard Henkes gekommen sind: Politiker, Bischöfe, Gläubige aus dem In- und Ausland und besonders die Pilgerinnen und Pilger, die tagelang auf einer Fußwallfahrt durch das Bistum unterwegs waren und nun im Limburger Dom eintreffen. Rund 1200 Menschen sind es, die sich im Dom, auf dem Domplatz und in der Stadtkirche versammeln.

Eine Premiere und eine Überraschung

Es ist eine Premiere: Bis 2005 wurden Seligsprechungen in Rom vorgenommen, dann hat der damalige Papst Benedikt XVI. diese Praxis geändert und verfügt, dass Seligsprechungen künftig in den Ortskirchen gefeiert werden sollen. Eine besondere Überraschung erwartet die Teilnehmenden in Limburg: Nach dem Akt der Seligsprechung singen der Domchor und die Gemeinde im Wechsel ein siebenstrophiges Lied, dessen Melodie Bischof Georg Bätzing geschrieben hat.

Den Text von „O Gott, mit Freude singen wir“ hat Irmgard Scholz aus Lahnstein geschrieben. Darin heißt es unter anderem: „Auch Richard Henkes traute dir, fand Mut in schweren Zeiten, sprach Unrecht an mit klarem Wort, wollt hin zur Wahrheit leiten“ oder „Trotz Haft, Unmenschlichkeit und Not wollt er stets Liebe geben, freiwillig er Todkranke pflegt: Für sie gab er sein Leben“.

Die Seligsprechung selbst verläuft weniger spektakulär, als dies viele Gläubige erwartet haben. Zunächst wendet sich Bischof Bätzing mit dem Generalpostulator der Seligsprechung, Pallottinerpater Adam Golec, an Kardinal Kurt Koch, den Delegaten des Papstes, mit der Bitte, Pater Richard Henkes selig zu sprechen.

Anschließend verliest der Vizepostulator, Pallottinerpater Manfred Probst, eine Beschreibung der Lebens- und Leidensgeschichte von Henkes: Geboren als eines von 13 Kindern am 26. Mai 1900 in Ruppach/Westerwald, 1925 in Limburg zum Priester geweiht. Lehrer und Seelsorger in Katscher (Oberschlesien), Pfarrer in Strandorf (heute Strahovice/Tschechien), Einsatz für die deutsch-tschechische Versöhnung. Seit 1935 gibt es immer wieder Konfrontationen mit der Gestapo, am 8. April 1943 wird er verhaftet, am 10. Juli kommt er als Häftling ins KZ Dachau. Ab November 1944 ist Henkes freiwillig im Krankendienst und in der Seelsorge im KZ in der wegen Typhus isolierten Baracke 17 tätig. Am 22. Februar stirbt er, nachdem er sich bei der Pflege mit Typhus infiziert hat. 2003 eröffnet Bischof Franz Kamphaus das Erhebungsverfahren zur Seligsprechung, die Papst Franziskus am 22. Dezember 2018 verkündet.

Bild des neuen Seligen hoch über dem Altar

Am 15. September 2019 ist es dann soweit: Kardinal Kurt Koch verliest im Limburger Dom das Apostolische Schreiben, mit dem Papst Franziskus gewährt, dass Richard Henkes künftig als Seliger angerufen werden „und jährlich am 21. Februar an den vom Recht festgelegten Orten und in der festgelegten Weise sein Gedenken begangen werden kann“. Anschließend wird das Bild des Seligen hoch über dem Altar enthüllt, die Reliquie des neuen Seligen wird gebracht und inzensiert (mit Weihrauch beräuchert).

Dann geht es weiter mit dem Wortgottesdienst und der Eucharistiefeier – mit einer Besonderheit: Die zweite Lesung wird auf tschechisch vorgetragen, einige Fürbitten formuliert die Bürgermeisterin von Strahovice, Elen Malcharkowa, in ihrer Muttersprache. Malcharkowa gehört einer Delegation an, die für einige Tage in ihre Partnergemeinde Ruppach-Goldhausen, den Geburtsort des neuen Seligen, gekommen ist.

Zum Schluss des Gottesdienstes spricht der Generalrektor der Pallottiner, Pater Jacob Nampudakam, von der Seligsprechung als „einem großen Geschenk Gottes“. Henkes sei ein leuchtendes Beispiel, das weltweit dazu aufrufe, für die Würde des Menschen einzustehen. Kardinal Koch dankt den Tschechen aus Strahovice dafür, dass sie den Impuls zur Seligsprechung gaben, Bischof Franz Kamphaus, dass er den Prozess eröffnet, und Bischof Georg Bätzing, dass er ihn zu Ende geführt hat.

Bei strahlendem Sonnenschein feiern die rund 1200 Gäste im Bischofsgarten weiter, bis ein Abendlob in der Pallottinerkirche St. Marien den Tag beschließt.

 

Zur Sache: Benedikts Entscheidung

Das Bistum Limburg erlebt dank einer Entscheidung Papst Benedikts XVI eine Premiere: 2005 verfügte er, dass Seligsprechungen künftig in den Ortskirchen und nicht mehr in Rom vorgenommen werden sollen.
So wird die Ortskirche auch zeremoniell in die Seligsprechung eingebunden. Anders war das bei der inzwischen heiliggesprochenen Katharina Kasper: Die Ordesngründerin wurde 1978 noch in Rom seliggesprochen. (kai)