Frauen in der Kirche
Wie halten sie stand?
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"Das würde Kirche lebensnäher machen"
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Große Freude bereitet es mir, bei den Wortgottesfeiern meinem Glauben Ausdruck zu geben. Ich erlebe, dass ich durch mein Engagement Menschen berühren kann und selbst im Glauben wachse. Weniger Freude macht mir, dass Strukturen in der Kirche Frauen oft daran hindern, wirklich verantwortlich zu handeln. Da stoße ich manchmal an Grenzen, die mich nachdenklich und auch traurig machen.
In meiner Gemeinde hat sich einiges getan. Frauen werden heute viel mehr als früher, als fachlich kompetente Mitglieder wahrgenommen und akzeptiert. Es ist schön zu sehen, dass ihr Wissen, ihre Erfahrungen und ihr Engagement zunehmend geschätzt werden.
Ich wünsche mir, dass Frauen noch mutiger werden und sich als Fachleute ihres Glaubens verstehen. Sie sollen selbstbewusst ihre Perspektiven einbringen in der Gemeinde, aber auch darüber hinaus. Für die Weltkirche wünsche ich mir eine offene Haltung, die das Potenzial von Frauen endlich wirklich als Bereicherung versteht.
Die Diakoninnenweihe wäre für mich ein erster, aber sehr wichtiger Schritt zu mehr Gleichberechtigung. Dadurch würde ein Perspektivwechsel möglich: Frauen- und Familiensicht könnten stärker in Leitungsfragen eingebunden werden, um Veränderungen zu bewirken. Ich glaube, das würde die Kirche insgesamt glaubwürdiger und lebensnäher machen.
"Wir wollen keine Quotenfrauen sein"
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Mir macht es generell Freude, mich für die Gemeinschaft zu engagieren, denn nur zusammen können wir etwas erreichen. Meiner Meinung nach ist dies keine Frage des Geschlechts. Sowohl im Bistum Fulda als auch in anderen Bistümern haben Frauen mittlerweile Führungspositionen inne. Frauen sind aus der Kirche auch gar nicht wegzudenken, da auch das ehrenamtliche Engagement zu einem großen Teil von Frauen umgesetzt wird. Ich persönlich habe das Gefühl, dass dies nun auch anerkannt und nicht mehr nur belächelt wird. In München gibt es zum Beispiel neben dem Generalvikar auch eine Amtschefin.
Leider ist es immer noch so, dass Männer weniger für ihre Position kämpfen müssen. Wir Frauen müssen uns ein gewisses Standing erst erarbeiten. Männliche Verwaltungsleitungen werden auf den ersten Blick als Geschäftsführung der Kirchengemeinde angesehen, weibliche werden meist erst einmal als Sekretärin mit mehr Vollmacht eingestuft.
Ich würde mir wünschen, dass kein Unterschied zwischen den Geschlechtern gemacht wird. Wir wollen keine Quotenfrauen sein, sondern für unsere Leistung anerkannt werden. Meine Talente liegen eher in der Verwaltung und Organisation. Wenn dadurch dem Pfarrer der Rücken für die Seelsorge freigehalten wird, ist dies für alle von Vorteil.
Ich kenne viele Frauen, die gute Diakoninnen wären. Auch hier gilt, dass man keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern machen sollte. Es wäre ein gutes Zeichen, wenn man auch Frauen in diesem wichtigen Dienst einsetzen würde. Es gibt viele Frauen, die bereits im Begräbnisdienst mitarbeiten, weil es kein Sakrament ist. Genauso gut könnten sie aber auch Taufen oder Trauungen durchführen. Zu Jesu Lebzeiten wurde kein Unterschied gemacht, die Konzentration auf Männer erfolgte erst viel später. Es ist an der Zeit, hier Frauen gleichberechtigt zu berücksichtigen. Hierzu müssen sich die Verantwortlichen der Weltkirche miteinander abstimmen.
"Nicht mit den stillen Nebenrollen zufrieden geben"
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Ich will mich für das einsetzen, was mir wichtig ist. Die Kirche ist schon immer ein wichtiger Faktor in meinem Leben gewesen. Ganz ehrlich hätte ich mir auch gut vorstellen können, Priesterin zu werden. Stattdessen bin ich Religionslehrerin geworden und setze mich für Frauenrechte in der Kirche sowie in der Schule ein.
Als Kind habe ich nie infrage gestellt, dass Gott, so wie die Priester auch, ein Mann sein muss. Ein anderes Gottesbild war gar nicht möglich, denn nur Männer sind in der Kirche aufgetreten. Jetzt erkenne ich die Frauen, die sich vielfältig in den Gemeinden engagieren, an allen Ecken und Enden. Ohne uns würde Kirche heute nicht funktionieren.
Für die Frauen in meiner Gemeinde wünsche ich mir, dass wir uns weiterhin nicht mit den stillen Nebenrollen zufriedengeben. Dass wir mit Zuversicht streitbar und laut bleiben. Ich wünsche mir außerdem, dass Männer dabei zu unseren Mitstreitern werden. Für Frauen in der Weltkirche wünsche ich mir dasselbe. Wir müssen uns vernetzen und füreinander Multiplikatorinnen und Sprachrohre werden.
Die Weihe von Frauen zu Diakoninnen würde mir sehr viel Hoffnung geben. Für mich ist Wut auch ein wichtiger antreibender Faktor. Ich würde dadurch Zuversicht gewinnen und könnte mich stattdessen mit dieser engagieren. Für mich aber ist noch viel interessanter, wie sich die Sicht meiner Schülerinnen verändern würde. In der heutigen Zeit ist die untergeordnete Stellung ganz einfach nicht mehr tragbar für junge Frauen, und viele planen den Austritt, sobald sie unabhängig sind. Das könnte sich durch die Weihe von Diakoninnen verändern.
"Überall sollten Begabungen von Frauen wertgeschätzt werden"
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Es macht mir Freude, meine Talente und Begabungen dafür einzusetzen, anderen von meinem Glauben zu erzählen und gerade mit Frauen eine gemeinsame Spiritualität zu erleben, in die jede sich einbringen kann. Weniger Freude macht, dass dies vor Ort nicht jeder Frau möglich ist.
In den Gemeinden und Verbänden werden die Beiträge von Frauen vielfach wertgeschätzt. Frauen können sich in immer mehr Bereichen einbringen und tun dies auch. Jedoch gibt es für manches Engagement noch keine Rechtssicherheit und die Entwicklung bestimmter Begabungen, etwa die Verkündigung in einer Predigt, ist nicht überall möglich.
Jedoch sollten überall die Talente und Fähigkeiten von Frauen wertgeschätzt werden. Ich wünsche mir für die Frauen der Weltkirche eine größere Sichtbarkeit. Zusammenschlüsse wie das Catholic Women’s Council zeigen, dass sich auf der ganzen Welt Menschen für die Würde und die Gleichberechtigung der Frau einsetzen.
Vielen Menschen in der Kirche würden die Fähigkeiten dieser Frauen zur Verfügung stehen, gerade was auch die Spendung mancher Sakramente angeht. Diakoninnen könnten zum Bild der Kirche viel beitragen. Eine Weihe von Frauen zu Diakoninnen wäre ein wichtiger Entwicklungsschritt, kann aber nicht das Ende der Entwicklung sein.
"Wir müssen unsere Rechte mehr einfordern"
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Mir macht meine Arbeit Freude, weil ich hier von der Hoffnung erzählen kann, die ich als Christin erlebe. Oft kann ich den Patientinnen und Patienten damit einen Denkanstoß geben, der ihnen wirklich hilft. Wir Frauen sind doch diejenigen, die den Glauben von Generation zu Generation weitergeben: In der Familie etwa sprechen häufig die Mütter mit ihren Kindern darüber. Bei Gottesdiensten sehe ich auch mehr Frauen mit ihren Kindern als Väter. Mich selbst haben andere Frauen maßgeblich in meinem Glauben begleitet.
Zum einen meine Großmutter, die sehr gläubig war und mir das vorgelebt hat, aber auch meine Mutter und eine engagierte Gemeindereferentin in meiner Jugend. Später im Theologiestudium haben zwei Professorinnen mein Bild von Kirche entscheidend geprägt. Bisher achtet die Kirche die Rolle von Frauen zu wenig. Es gibt aber auch eine Entwicklung: Ich begegne immer öfter Menschen, die offen sagen, dass Frauen Diakoninnen oder auch Priesterinnen sein könnten – das wäre vor ein paar Jahrzehnten noch anders gewesen. Natürlich gibt es auch konservative Menschen, die immer sagen werden, dass Frauen dazu nicht berufen sind. Das mag kirchenrechtlich stimmen, aber es ärgert mich.
Das Unverständnis dafür, dass Frauen in der katholischen Kirche weniger wichtig sind als Männer, bekomme ich von anderen Menschen gespiegelt. Es sind jene, die mich fragen: „Wie können Sie dort als Frau überhaupt arbeiten?“ Natürlich ist das manchmal schwer. Aber ich möchte die Möglichkeit nicht missen, das Evangelium zu verkünden und für andere da zu sein, wie ich es in meinem Beruf tun kann. Manchmal denke ich, wir Frauen müssten uns trauen, unsere Rechte mehr einzufordern. Ein Diakonat der Frauen wäre ein Meilenstein und ein erster wichtiger Schritt.
"Kirche kann sich nur von innen heraus verändern"
Foto: Annika Stete
Als Kind bin ich gerne ins Zeltlager gefahren. In der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) habe ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Mit 16 Jahren war ich damals schon Gruppenleiterin und Pfarrleitung. Jetzt bin ich seit zehn Jahren hauptamtlich angestellt und ich engagiere mich noch immer, denn Kirche kann sich nur von innen heraus verändern.
Das Frauenbild in der Kirche hat sich seitdem an manchen Stellen verändert, leider nicht überall. Es hat sich in kleinen Schritten etwas getan, wenn ich sehe, wie viele Frauen nun Leitungspositionen im Bistum haben. Als ich 2019 als BDKJ-Diözesanvorsitzende (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) gestartet bin, war ich als junge Frau mit Kindern eher alleine. Dennoch muss man sagen: Bei den Themen wie Priesterin oder Diakonin geht es nicht vorwärts. Da muss es aber irgendwann vorwärts gehen.
Frauen wünsche ich, dass sie gleichberechtigt wahrgenommen werden. In Gesprächen mit Kollegen und Kolleginnen, die nicht in einem Verband aktiv sind, merke ich: Es gibt dort noch größere Unterschiede als bei uns. Im Verband sind wir fast gleichberechtigt, aber auch da kommen gesellschaftliche Vorurteile manchmal zum Vorschein. Hier könnte Kirche auch für die Gesellschaft zum Vorbild werden, wenn sich dauerhaft etwas verändert.
Wenn Frauen zu Diakoninnen geweiht würden, wäre das endlich ein Schritt in die richtige Richtung. Ich würde mich für all die Frauen unglaublich freuen, denen das Amt verwehrt wurde. Weiterhin muss das Ziel sein, dass allen Menschen alle Ämter in der Kirche offenstehen.