Künstlerin und Religionslehrerin

Sonja Krause verbindet ihren Glauben mit dem Malen

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Foto: Anja Weiffen
Nachweis

Leidenschaft für ihre Kunst: Sonja Krause

Hünfeld, Brüssel, Münster, Mainz: Das Malen und ihr Glaube haben die Künstlerin und Religionslehrerin Sonja Krause an ihren Lebensstationen immer begleitet. Jetzt beginnt für sie etwas Neues.

Sonja Krause braucht Zeit. Und sie nimmt sie sich. Wenn sie malt, dann vergisst sie die Welt um sich herum. Ein eigenes Atelier hat die Künstlerin nicht. „Ich male manchmal in unserer Garage. Oder stelle den Wohnzimmertisch in die Mitte des Raums als Unterlage für die Leinwand“, sagt sie.

Beim ersten Blick auf ihre Bilder springen einem Farben und Formen ins Auge. „Sprengkraft des Augenblicks“ heißt ein großes Format auf Leinwand in ihrem Wohnzimmer. Sie erzählt von einem weiteren Werk mit dem Titel „Flügelschlag der Befreiung“. Beides Bilder aus dem vergangenen Jahr, als ihre „Phase der freien Zeitverfügung“ begann, wie die 65-Jährige den Ruhestand nennt. Sie war sehr gerne als Kunstpädagogin und Religionslehrerin tätig, zuletzt an der Maria-Ward-Schule in Mainz. Die Erfahrung, plötzlich eine neue zeitliche Freiheit zu haben, hat sie bewegt. In ihrer Kunst hat sie dieses Gefühl ausgedrückt.

Sonja Krause ist verheiratet, sie hat zwei Kinder und ein Enkelkind, das zweite ist unterwegs. Ihre Heimat ist Osthessen, aufgewachsen ist sie in Hünfeld. Zwischendurch verbrachte sie sechs Jahre ihrer Kindheit in Brüssel, als ihr Vater dort als Lehrer arbeitete. „In Hünfeld besuchte ich einen Malkurs, eines der wenigen Angebote im damaligen Zonenrandgebiet“, blickt Krause zurück. „Der dortige Kunstlehrer förderte mich.“

Sie folgte ihrem Vater in den Lehrerberuf und studierte dafür Bildende Kunst. Katholische Theologie als zweites Fach des Lehramtsstudiums lag für Sonja Krause nahe: „Ich bin in einer christlichen Familie aufgewachsen.“ Ihre Mutter zum Beispiel habe die Hünfelder Gruppe der kfd, der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, mitgegründet. Begeistert war sie vom Hünfelder Oblaten-Kloster, wo man sich auch Jugendlicher mit ihren Zweifeln und Sorgen annahm.

"Ich kann von diesem Gott nicht lassen"

Das Theologiestudium an der Universität Münster „eröffnete mir Welten“, schwärmt Krause. „Das Christentum ist ein geniales System.“ Dass Jesus mit den Menschen das Leid teilt – für sie ein besonderes Merkmal im Vergleich zu anderen Religionen. Glaube und Vertrauen sind Fundamente in ihrem Leben. „Für mich gibt es keine Zufälle. Ich verwende den Begriff nicht mehr, spreche lieber von Fügung.“ In schwierigen Phasen habe sie den Zusammenhalt in Familie und Freundeskreis erfahren, auch das habe sie im Glauben bestätigt. „Man erhält manchmal Aufgaben, die man sich nicht selbst gesucht hat. Aber wir bekommen nur die Päckchen, die wir tragen können“, ist sie überzeugt und sagt: „Ich kann von diesem Gott nicht lassen.“ Sie erkennt aber auch die aktuelle Krise der Kirche, die sie in den Strukturen begründet sieht. „Das theologische Denken muss wieder verlebendigt werden“, findet sie.

Die Frage nach Gott wachzuhalten, das habe sie auch als Religionslehrerin versucht. Jugendlichen zu helfen, die Sinnfrage zu stellen: Wonach kann ich mein Leben ausrichten? „Das Wort Gott muss gefüllt werden.“ Auch sie selbst hat sich für ihre neue Lebensphase etwas vorgenommen, eine soziale Tätigkeit: „Sich in der Nachfolge Jesu den Schwächsten zuwenden – ich habe das für mich überlegt und entschieden, Menschen mit Behinderung zu unterstützen. Als Springerin für Menschen mit Assistenzbedarf, damit diese, trotz ihrer Beeinträchtigung, autonom leben können.“

"Es gibt kein Bild von mir ohne Hoffnung. Irgendwo ist immer etwas Helles, irgendwo ist immer ein Licht."

Existenzielle Lebensthemen, sie finden sich immer wieder in ihren Bildern. Etwas Besonderes sind die biblischen Motive, die oft erst durch die Titel ihrer Werke erkennbar werden. Wie zum Beispiel Sara, von der im Alten Testament erzählt wird, dass sie im hohen Alter schwanger wurde. Sonja Krause hat eine lachende Sara als Collage inmitten abstrakterer Formen dargestellt. Ein anderes Werk zeigt wandernde Menschenmassen unter riesigen roten Händen: Exodus heißt das Bild. „Die Bibel zeigt, was Menschen alles widerfahren ist.“ Sonja Krause legt verschiedene kleine Formate zur Ansicht auf den Tisch in ihrem Wohnzimmer. Sie erzählt von „Mal-Anlässen“. So nennt sie die Gegebenheiten, aus denen ihre Werke entstehen. „Seit acht Jahren mache ich einmal im Jahr Schweigeexerzitien. Morgens gibt es einen Impuls mit einer Bibelstelle. Damit gehe ich in die Stille.“ Was sie in ihrem kleinen Reisegepäck immer dabei hat: Papier aus Zeitschriften, mit dem sie ihre Collagen gestalten kann. Und dann fängt sie an, zu malen, zu kleben, zu gestalten: „Wenn ich im Bild bin, bin ich im Bild. Dann kann ich die ursprüngliche Idee vergessen, dann geht es um handwerkliche oder ästhetische Dinge.“

Die Werke von Sonja Krause machen neugierig, sie berühren, irritieren und brauchen nicht selten den zweiten Blick. Das findet die Malerin normal und erzählt, wie sie in ihrem Kunststudium drei Stunden lang vor einem Werk von Wassily Kandinsky saß, um es zu ergründen. Kunst könne Zugänge schaffen, Menschen lehren, mit anderen Augen durchs Leben zu gehen. Kunst könne über die Wirklichkeit hinaus verweisen, sagt Sonja Krause und betont einen Aspekt, der ihr besonders wichtig ist: „Es gibt kein Bild von mir ohne Hoffnung. Irgendwo ist immer etwas Helles, irgendwo ist immer ein Licht.“

Anja Weiffen

Zur Person

Sonja Krause, Jahrgang 1961, ist in Bad Hersfeld geboren und in Hünfeld aufgewachsen. In Münster studierte sie Bildende Kunst und Katholische Theologie. Sie hatte Lehrtätigkeiten an der Fachschule für Sozialpädagogik im westfälischen Warburg sowie in Mainz am Bischöflichen Willigis-Gymnasium und an der Maria Ward-Schule. Seit 1985 sind ihre Bilder bei Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. Eine Übersicht über ihr Schaffen bietet auch ihre Homepage: www.sonjakrause-malerei.de