Margret Obermeyer aus Hagen a.T.W.
Haltung in Politik und Glaube
Foto: Matthias Petersen
Margret Obermeyer aus Hagen a.T.W. setzt sich für die Ziele des Familienbunds der Katholiken ein.
Das Wort von der „beitragsfreien Mitversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung“ mag Margret Obermeyer eigentlich nicht. Es steht in der Überschrift einer Pressemeldung, die der Familienbund der Katholiken im Bistum Osnabrück unlängst herausgegeben hat. Die 68-Jährige ist eine der vier Vorsitzenden des Verbands, der Lobbyarbeit für Familien betreibt. Und die haben es bitter nötig, stehen sie bei den derzeitigen Spardiskussionen um Rente, Arbeitszeit oder Krankenversicherung doch ungünstig im Mittelpunkt. Es droht, dass sie eine gehörige Last der notwendigen Einsparungen zu tragen haben.
Warum sie das Wort von der „beitragsfreien Mitversicherung“ nicht mag? Sie stellt den Begriff der Solidargemeinschaft dagegen. Das Einkommen einer Familie wird für die Bemessungsgrundlage komplett herangezogen. Wenn ein Partner nicht berufstätig ist, leistet er aber doch in der Sorge um die Kinder einen ebenso großen Beitrag wie der berufstätige (und zahlende) Partner. „Und die Kinder sind ja wiederum die Beitragszahler von morgen“, sagt Obermeyer.
Seniorengeneration ist Teil von Familie
Kirche und Glaube auf der einen Seite, Soziales und Politik auf der anderen Seite – das waren für Margret Obermeyer noch nie Gegensätze. „Das politische Feld ist mir wichtig“, sagt sie. Sozialpolitisch fühlt sie sich in der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) zu Hause, kirchlich außerdem in den Gemeinden von Hagen und Gellenbeck am Teutoburger Wald. Hier ist sie aufgewachsen, kirchlich sozialisiert worden, hier lebt sie auch im Ruhestand. Für die KAB ist sie im Familienbund, einem Dachverband, zu dem acht katholische Verbände sowie sieben Einrichtungen der Familienbildung gehören. Eine Einzelmitgliedschaft ist nicht möglich, aber dennoch stehen hinter dem Familienbund rund 95 000 Mitglieder.
Wer Familie sagt, denkt meist an jüngere Menschen, an Paare mit Kindern. Margret Obermeyer denkt weiter. „Die Seniorengeneration ist ja auch ein großer Teil der Familie“, sagt sie. Gerade deshalb sei sie kürzlich für eine zweite Amtsperiode angetreten. „Ich habe gedacht, es ist gut, wenn jemand wie ich auch noch dabei ist.“ Schließlich hat sie vier erwachsene Kinder und sieben Enkelkinder. „Ich erlebe die Probleme der jungen Familien jeden Tag.“ Deshalb macht sie weiter mit.
Margret Obermeyer sitzt in der wohnlich eingerichteten Küche ihres Hauses, das vor einiger Zeit seniorengerecht umgebaut wurde. So ganz nebenbei lässt sie einfließen, dass der damit verbundene Umzug von Gellenbeck nach Hagen gut war: Wenn es eine solche Möglichkeit gebe, könne sie das nur empfehlen. Wer umzieht, muss aussortieren, „und es sortiert eben auch den Menschen und das Leben“.
Start als Radiologieassistentin
Der Glaube spielte in ihrem Leben schon immer eine Rolle. Sie lobt ihre Eltern, die sehr religiös waren und ihr viel Freiheit gelassen hätten, „aber vielleicht mussten sie mich auch kirchlich gesehen zu nichts zwingen, weil ich das schon immer ganz gut fand“. Beruflich ging es für sie zunächst in die Medizin. Als Radiologieassistentin betreute sie Menschen, die einen Verdacht auf eine Krebserkrankung hatten. „Und wenn da Metastasen auf den Bildern waren, konnte ich die natürlich sehen, aber ich durfte trotzdem nichts sagen, das musste der Arzt machen.“ Dabei wäre es für sie selbst sicherlich öfter angebracht gewesen, mit den Patienten in diesem Moment zu reden, statt ihnen Bilder in die Hand zu drücken.
Nach zehn Jahren wagte sie eine neue Herausforderung und fing noch mal von vorne an. Gemeindereferentin wollte sie werden – ohne zu wissen, ob sie am Ende auch wirklich eine Anstellung bekommen würde. Vielleicht folgte sie auch einer inneren Berufung, die andere schon längst bei ihr gesehen hatten: „Wieso, das wusste ich früher schon“, war die Reaktion des ehemaligen Religionslehrers, den sie kurz nach Studienbeginn an der Tankstelle traf.
Als Gemeindereferentin ging es nach Bad Rothenfelde, nach einiger Zeit wechselte sie in die Klinikseelsorge. Und konnte nun endlich mit Patienten reden – so wie sie es schon als Radiologieassistentin gerne getan hätte. Dafür ließ sie die geliebte Gemeindearbeit hinter sich – keine Gruppen mehr, keine Teamsitzungen. In den verschiedenen Krankenhäusern und Kliniken gab es mit Diakon Werner Behrens nur einen weiteren Kollegen.
Zeichenhafte Sendung der Jünger zu zweit
Inzwischen ist sie im Ruhestand, aber an drei Standorten in Bad Rothenfelde ist sie als Seelsorgerin weiter aktiv. Für die Wort-Gottes-Feiern baute sie ein Team aus Ehrenamtlichen auf, „denn ich bin ja nicht alleine unterwegs“, sagt Obermeyer. „Bei der Sendungsfeier als Gemeindereferentin hatten wir das Evangelium von den Jüngern, die zu zweit ausgesandt wurden. Das ist für mich zeichenhaft gewesen.“ Sie ist im Ruhestand noch aktiv, weil sie den Beruf so sehr liebt. Auch die Predigten in den Kliniken. Bei ihr spielt zum Beispiel auch die Frau von Petrus eine Rolle und die Kinder, die das Paar vielleicht hatte.
Und dann war da noch die Sache mit dem Religionsunterricht, den sie als Gemeindereferentin in einer Hauptschule erteilte. „Das war für mich eine sehr wichtige Zeit, vor allem für meine eigene Glaubensentwicklung“, sagt sie im Rückblick. Was entwickelt sich im Glauben, wenn man Religionsunterricht erteilt? Obermeyer wiegt mit dem Kopf, die Ereignisse sind schon lange her: „Die Kinder und Jugendlichen haben viele Fragen gestellt. Und ich habe gemerkt, dass ich Antworten brauche, dass ich eine Haltung haben muss. In politischen Dingen wie auch in Glaubensfragen.“