Wechsel aus dem Bistum Hildesheim

Heiner Wilmer wird Bischof von Münster

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Heiner Wilmer
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Foto: kna/Julia Steinbrecht

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, wird neuer Bischof von Münster. Damit tritt der bisherige Hildesheimer Bischof an die Spitze des mitgliederstärksten deutschen Bistums.

Mit einem Bibelvers setzte Heiner Wilmer den Ton für seine neue Aufgabe. "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade", sagte der Hildesheimer Bischof kurz nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Würzburg. Dieser Satz aus der Weihnachtsgeschichte sei für ihn Programm: Gott ins Zentrum stellen und gemeinsam am Frieden bauen. Es war ein bewusst geistlicher Auftakt - und zugleich ein Signal, wie Wilmer sein neues Amt versteht.

Der 64-jährige Ordensmann steht seit wenigen Wochen an der Spitze der katholischen Kirche in Deutschland. Nun übernimmt er auch die Leitung des mitgliederstärksten deutschen Bistums. Papst Leo XIV. ernannte Wilmer zum Bischof von Münster. Er folgt auf Bischof Felix Genn, der vor ziemlich genau einem Jahr - im März 2025 - in den Ruhestand getreten war. Damit vereint Wilmer künftig zwei Schlüsselpositionen.

Reformen wagen - und Grenzen achten

Wilmer gilt einerseits als Befürworter von Reformen in der Kirche. Beim Reformprozess Synodaler Weg votierte er in allen namentlichen Abstimmungen mit Ja - etwa zur Öffnung des Diakonats für Frauen, zur Prüfung einer Lockerung des Zölibats und zu Segensfeiern für homosexuelle Paare.

Andererseits setzt er sich stark für eine Rückbesinnung auf biblische Werte und für das Thema Evangelisierung ein, das vor allem konservativen Bischöfen wichtig ist. Reformen müssten sich im Rahmen des Kirchenrechts bewegen und in Einheit mit der Weltkirche erfolgen, betonte Wilmer in Würzburg. Viele sehen ihn daher als Vermittler zwischen konservativen und reformorientierten Bischöfen, die seit Jahren in Deutschland miteinander streiten.

Vom Bauernhof in die Weltkirche

Geboren wurde Wilmer am 9. April 1961 im Emsland, also in Münsters Nachbarbistum Osnabrück. Er wuchs auf einem Bauernhof auf und spricht neben mehreren Fremdsprachen auch Plattdeutsch. Mit 19 Jahren trat er in den Orden der Herz-Jesu-Priester (Dehonianer) ein.

Sein Lebensweg führte ihn früh weit über Deutschland hinaus. Wilmer studierte Theologie und weitere Geisteswissenschaften in Freiburg, Paris und Rom. 1991 promovierte er in Freiburg mit einer Arbeit zur Mystik in der Philosophie Maurice Blondels. Zeitweise arbeitete er als Lehrer in der New Yorker Bronx, später leitete er das ordenseigene Gymnasium im emsländischen Handrup.

2007 wurde er Provinzial der deutschen Ordensprovinz, 2015 wählten ihn seine Mitbrüder zum Generaloberen des Ordens mit Sitz in Rom. In dieser Funktion trug er weltweite Verantwortung. Aus dieser Zeit stammen seine guten Kontakte in den Vatikan - und seine Erfahrung, dass Reformen in einer Weltkirche nur Schritt für Schritt gelingen können.

2018 ernannte Papst Franziskus ihn zum Bischof von Hildesheim. Die norddeutsche Diasporadiözese mit großen Entfernungen, sinkenden Mitgliederzahlen und knappen Finanzen stellte ihn vor schwierige Aufgaben. Wilmer setzte einen Sparkurs fort und stieß eine umfassende Immobilienreform an. Gleichzeitig suchte er neue Formen kirchlicher Präsenz - etwa auf Pilgerwegen mit Jugendlichen.

Klare Worte zum Missbrauch

Kurz nach seinem Amtsantritt 2018 sorgte Wilmer mit einem Satz für Aufsehen: "Ich glaube, der Missbrauch von Macht steckt in der DNA der Kirche." Um Machtmissbrauch zu begrenzen, brauche es Kontrolle und Gewaltenteilung, sagte er damals und eckte bei einigen konservativen Mitbrüdern an. Heute klingt er vorsichtiger - an der konsequenten Aufarbeitung hält er jedoch fest.

Innerhalb der Bischofskonferenz leitet Wilmer bisher auch die Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen und meldet sich regelmäßig zu politischen Debatten zu Wort. In Würzburg warnte er erneut eindringlich vor der AfD. Völkischer Nationalismus und menschenverachtende Parolen der AfD hätten in der katholischen Kirche keinen Platz: "Wir verwahren uns davor, unsere Themen gleichsam billig zu kopieren und in nationalistisches Denken und Handeln umzuwandeln."

Seine Arbeit im norddeutschen Bistum Hildesheim beschrieb Wilmer so: "Für uns im Zentrum steht die Verkündigung des Evangeliums, und wir machen das mit Frische und mit Schmackes und gehen dabei manchmal übern Deich mit 'ner steifen Brise im Haar." Diese norddeutsche Mentalität kann ihm sicher bei der Bewältigung seiner künftigen Doppelaufgabe als Bischofskonferenz-Vorsitzender und Bischof von Münster helfen.

kna