Ordensfrau und Chemikerin will mit Heilpflanzen Hoffnung schenken

Ihr Werk und Gottes Beitrag

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Sr. Claudine Aimée Rasolohery
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Foto: missio/Frank Kraus

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Schwester Claudine stellt Cimopar her. Die Pflanzen dafür ernten Menschen aus der Region.

Claudine Aimée Rasolohery ist Ordensschwester und Professorin für Chemie. In Madagaskar forscht sie zu Heilpflanzen und entwickelt Medikamente, die sich auch Arme leisten können.

Was sie einmal zu tun beschlossen hat, das tut sie. Wenn man mit Schwester Claudine Aimée Rasolohery spricht, spürt man ihre Zielstrebigkeit. Sie wolle „etwas tun, das einen praktischen Nutzen hat“, sagt sie. Sie wolle „den Pflanzenreichtum nutzen, den Gott uns geschenkt hat“, damit er allen Menschen zugutekommt.

Schwester Claudine (62) ist nicht nur katholische Ordensschwester, sondern auch Professorin für Chemie. Sie lebt in Madagaskar, ihrem Heimatland, wo sie für ihr Engagement und ihren Forschergeist bekannt ist und Auszeichnungen erhalten hat. Ihr Ziel war es immer, etwas Sinnvolles für ihre Mitmenschen zu tun. „Ich wollte meine Talente nutzen, die Gott mir in den Naturwissenschaften gegeben hat. Ich wollte etwas Gutes tun. Und ich wollte forschen und lehren“, sagt sie. Heute betreibt Schwester Claudine ein Labor für Heilpflanzen an der Universität von Fianarantsoa und arbeitet an der Herstellung von pflanzlichen Medikamenten. Zwar gibt es in den madagassischen Apotheken chemische Heilmittel. Doch viele davon werden im Ausland produziert und sind für die Menschen in Madagaskar nicht bezahlbar.

„Sie sind bitterarm. Sie haben kein Geld für Essen und erst recht kein Geld, ihre Kinder zur Schule zu schicken“, sagt Schwester Claudine. Stattdessen würden sich die jungen Mädchen für das Familieneinkommen prostituieren. Entlang der örtlichen Fernstraße böten sie sich Lkw-Fahrern an: „Das ist eine verzweifelte Situation.“

Mit ihrem Labor trägt die Ordensfrau, die von missio Aachen unterstützt wird, zur Gesundheitsversorgung bei. „Ich habe mich gefragt, ob ich der madagassischen Bevölkerung nicht mit Heilpflanzen helfen kann“, sagt sie. „Es gibt in Madagaskar 23 000 Pflanzenarten und davon sind 83 Prozent als Heilpflanzen nutzbar.“

Vor einigen Jahren erhielt ein Medikament, das Schwester Claudine aus der Pflanze Desmodium adscendens entwickelt hat, die Zulassung. Cimopar, eine Lösung zum Einnehmen, kostet ein Sechsunddreißigstel der ausländischen Medikamente. Es ist auch für ärmere Menschen bezahlbar und wirkt gegen Hepatitis A, B, und C – Viruserkrankungen, die auf der Insel verbreitet sind. 

Sie gibt Menschen Arbeit

Die Arbeit an einem Medikament ist aufwendig. Dass das Desmodium bei Lebererkrankungen helfen könnte, haben Forscher schon in den 1960er-Jahren vermutet. Als Schwester Claudine 2007 mit ihren Untersuchungen begann, musste sie zunächst herausfinden, ob das sogenannte Bettlerkraut in Madagaskar überhaupt wächst. „Das hat ziemlich lange gedauert“, sagt sie.

Doch sie fand natürliche Vorkommen und begann damit, die Inhaltsstoffe zu testen. Sie habe sich die synthetischen Medikamente angeschaut und sich gefragt, ob sie nicht ähnlich wirksame Stoffe in den Pflanzen findet, sagt sie – „in den Pflanzen, die Gott mir kostenlos geschenkt hat“.

Kurze Zeit später erwarb sie im Osten des Landes mehrere Hektar Land, auf denen die Pflanze wild wächst. Seitdem kann sie der Bevölkerung auch wirtschaftlich helfen, indem sie sie in ihre Arbeit einbezieht. „Wir setzen die Menschen bei der Ernte und bei der Präparation der Pflanzen ein, damit sie etwas Geld verdienen können. Wir ernten zweimal im Jahr. Es ist nicht viel, was sie bei uns verdienen können, aber immerhin etwas“, sagt Schwester Claudine.

Sie baut auch Obst und Gemüse an

Auf der Forschungsfarm bei Moramanga baut sie mit ihrer Gemeinschaft und den Menschen vor Ort auch Obst, Gemüse und Gewürze an und sie hat eine kleine Fischzucht aufgebaut. So, sagt sie, hätten sie und ihre Mitschwestern es geschafft, dass in der Bevölkerung auch die Wertschätzung der Natur zugenommen hat.

Schwester Claudine erzählt, dass es häufig Buschfeuer gibt, absichtliche Brandrodungen. Waldstücke werden abgebrannt, um daraus Weideflächen und Ackerland zu machen. Jetzt wollten einige Menschen keine Feuer mehr legen, erzählt Schwester Claudine. Sie sagten sich: „Wenn es Feuer gibt, gibt es danach keine Pflanzen und keine Arbeit mehr.“ Ihr und ihren Mitschwestern gegenüber ist Vertrauen gewachsen. „Vor einiger Zeit sind Eltern zu uns gekommen und haben uns gebeten, sie bei der Erziehung und Ausbildung ihrer Kinder zu unterstützen“, sagt sie.

Die Gemeinschaft will ein Schwesternhaus bauen, um in der Gegend bleiben zu können und sich besser um die Menschen kümmern zu können. Für die Hepatitis-Patienten gibt es jetzt schon Hilfe. Nach sechs Monaten Behandlung sind die meisten geheilt.

Hintergrund

Der Monat der Weltmission ist eine Solidaritätsaktion der Katholikinnen und Katholiken weltweit und findet traditionell im Oktober statt. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr Madagaskar. Auf Einladung der Hilfswerke missio München und missio Aachen berichten Projektpartner von der Situation der Menschen dort. Die Spenden in den Gottesdiensten am Sonntag der Weltmission am 25. Oktober kommen den Hilfswerken zugute.                

Weitere Informationen: www.missio-hilft.de und www.missio.com