Christlicher Religionsunterricht in Niedersachsen

Jesus kommt doch vor

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Eine größere Menschengruppe hält ein Schriftstück in die Kamera
Nachweis

Foto: Jens Schulze

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2025 unterzeichneten Vertreter von Kirchen und Landesregierung ein Abkommen zum Christlichen Religionsunterricht.

Lehrplan ohne Jesus? In Niedersachsen regt sich Kritik an den Lehrplänen des neuen ökumenischen Religionsunterrichts. Die Inhalte seien zu wenig christlich, heißt es in Medienberichten. Kirchen und Kultusministerium sehen das anders. Der Landesschülerrat gibt ich kämpferisch.

Die niedersächsischen Kirchen weisen Kritik an geplanten Inhalten des neuen Schulfachs "Christliche Religion" zurück. So hatte etwa die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet, Jesus werde bei den Unterrichtsthemen künftig weitgehend wegfallen. Dem widersprach unter anderem das katholische Bistum Osnabrück. "Der Christliche Religionsunterricht (CRU) ist in jeglicher Hinsicht ein bekenntnisgebundener Religionsunterricht", erklärte ein Sprecher auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Der Unterricht ist als ökumenisches Projekt des Landes und der christlichen Kirchen in Niedersachsen ab dem kommenden Schuljahr geplant und soll schrittweise die Fächer katholische und evangelische Religion ersetzen. Die beiden bislang vorgelegten Entwürfe für die Lehrpläne sind nach Angaben des ebenfalls beteiligten Bistums Hildesheim gemeinsam von Kirchen und Kultusministerium zur Anhörung an den Landtag gegeben worden. Die Ergebnisse des Anhörungsverfahrens würden ebenfalls gemeinsam ausgewertet. "Die Endfassungen sollen dann Ende April vorliegen. Für diese wird zuletzt das Einvernehmen der Kirchen erbeten und ebenso die Zustimmung des Landtages." Die Kirchen rechneten bis dahin noch mit Änderungen.

Buddhismus und Scharia

Die Kritik der "Neuen Osnabrücker Zeitung" bezieht sich vor allem auf die inhaltliche Ausrichtung der vorgelegten Lehrpläne. So behandelten etwa nur fünf von 130 möglichen Themen explizit Jesus Christus. Diese fünf Unterrichtsthemen stünden zudem auf derselben Verbindlichkeitsstufe wie Inhalte zur Meditationspraxis im Buddhismus oder der Scharia im Islam. Auch politische Themen wie die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen und "Sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität als Entwicklungsaufgabe" würden behandelt.

Laut Bistum Osnabrück soll der Unterricht die Perspektiven der Unterrichtsteilnehmer aufgreifen und zukunftsfähiger werden. "Der CRU will verhindern, dass im Laufe der nächsten Jahre die einzige Antwort auf die Demografie der Wechsel in ein ausschließlich religionskundliches Fach wird", so der Bistumssprecher. Auch wenn andere Religionen betrachtet würden, seien im Kernlehrplan das christliche Fundament und die kirchliche Anbindung des Unterrichts festgehalten. "Die Ressourcen des Christentums sind hier nicht eine Perspektive von mehreren, sondern die unhinterfragbare Grundlage des CRU."

Vorbereitung auf das moderne Leben

Die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen unterstrich auf Anfrage eine hohe Aktualität des geplanten Unterrichts. Religiöse Bildung für Kinder und Jugendliche sei ein wesentlicher Beitrag, mit den Herausforderungen des modernen Lebens, den multiplen Krisen und der Gestaltung der Zukunft umgehen zu können. Ausgangspunkt dafür sei ausdrücklich die Hoffnung der Auferstehung Christi, die die Kirchen an Ostern feiern.

Auch Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) hatte am Wochenende betont, der Unterricht sei bekenntnisgebunden: "Anders ist ein christlicher Religionsunterricht auch schlicht nicht denkbar." Der Anhörungsentwurf stelle unmissverständlich klar, dass die gemeinsamen christlichen Inhalte, Handlungsperspektiven und Glaubenserfahrungen im Fokus stünden. "Die aktuellen Schlagzeilen zum geplanten neuen Religionsunterricht in Niedersachsen verzerren die Tatsachen."

"Verzerrte Darstellungen und zugespitzte Behauptungen"

Jetzt hat sich in Person des Vorsitzenden Matteo Feind auch der Landesschülerrat zu Wort gemeldet. „Wir unterstützen den neuen gemeinsamen christlichen Religionsunterricht ausdrücklich“, heißt es in einer Erklärung. Dieses Modell sei das Ergebnis eines jahrelangen, verantwortungsvoll geführten ökumenischen Prozesses und stelle einen wichtigen Schritt für einen zeitgemäßen Religionsunterricht in Niedersachsen dar. „Es stärkt die christlichen Grundlagen, bleibt klar bekenntnisgebunden und berücksichtigt gleichzeitig die religiöse Vielfalt, die den Alltag vieler Schülerinnen und Schüler prägt“, so Feind. 

Umso bedauerlicher sei es, dass die aktuelle Debatte zunehmend von „verzerrten Darstellungen und zugespitzten Behauptungen“ geprägt werde. Wer dieses „sorgfältig entwickelte Modell“ mit Schlagworten diskreditiere, trage nicht zu einer sachlichen Diskussion bei und gefährde ein Projekt, das bundesweit Maßstäbe setze. Feind: „Für uns ist klar: Der gemeinsame christliche Religionsunterricht verdient Unterstützung – und eine Debatte, die auf Fakten basiert und die Perspektive der Schülerinnen und Schüler ernst nimmt.“

KNA/epd/kb