„Tag der Diakonin“ 2026
Die Hoffnung ist noch da
Foto: Steinbrecht/KNA
Für Gleichberechtigung auch in der Kirche: Frauen am „Tag der Diakonin“ im vergangenen Jahr
Andrea Tüllinghoff ist Diakonin – mit Zertifikatsabschluss und bischöflichem Segen. Allerdings ohne Weihe. Dass sie sich deshalb in einer Warteposition befindet, sieht sie selbst nicht so. „Ich bin ja längst diakonisch unterwegs.“ Sie predigt an besonderen Tagen in ihrer Pfarrei Christus König in Osnabrück, hält Wortgottesdienste und hat am Gründonnerstag mit Diakon Hans-Ulrich Schmiegelt bei der Fußwaschung assistiert. „Viele haben mich daraufhin angesprochen, weil sie es gut finden, dass ich meinen diakonischen Dienst sichtbar machen kann“, sagt sie. Und für einige ist sowieso klar: „Andrea ist unsere Diakonin.“
Die anspruchsvolle Fortbildung „Diakonische Leitungsdienste für Frauen“ hat Andrea Tüllinghoff vor rund zwei Jahren erfolgreich abgeschlossen, zusammen mit zwölf weiteren Frauen. Und ist ebenso qualifiziert wie ihre männlichen Kollegen. Das „Netzwerk Diakonat der Frau“ bietet die einzigen Kurse dieser Art deutschlandweit an. Dieser Kurs, betont Tüllinghoff, habe ihr sehr gutgetan und sie bestärkt, ihrer Berufung weiter nachzugehen.
Auch die männlichen Kollegen trauen ihr die Diakonin zu
Doch die Religionslehrerin und Referentin im Bereich Weltkirche für das Projekt „Globales Lernen“ sagt auch: „Es macht mich traurig, dass uns Frauen die Weihe noch immer verweigert wird, obwohl aus theologischer Sicht überhaupt nichts dagegenspricht.“ Die Hoffnung möchte sie nicht aufgeben „Papst Leo XIV. wird uns noch überraschen. Er denkt viel nach und findet zum Beispiel deutliche Worte zum Thema Gewalt und Kriege. Ja, ich glaube, da kommt noch was von ihm.“
Tüllinghoff gibt zu, dass sie sich oft ärgert, etwa darüber, dass sie nicht taufen darf, obwohl das ein Teil ihrer Ausbildung war. Aber es überwiegt die Freude, dass ihr Menschen, ob in der Gemeinde, in der Schule oder im weltkirchlichen Bereich – und auch die männlichen Kollegen – „die Diakonin zutrauen“. Das Zusammensein mit Menschen, „mit denen ich aus dem Glauben heraus etwas gestalten kann“, motiviert sie. Und dass es ihr gelingt, auch junge Leute zu begeistern.
Seit 1998 wird am 29. April, dem Gedenktag der heiligen Katharina von Siena, ein „Tag der Diakonin“ veranstaltet. Im Bistum Osnabrück lädt die Katholische Frauengemeinschaft (kfd) um 18 Uhr zu einem Wortgottesdienst in der Kirche Heilige Familie in Osnabrück (Voxtruper Straße 83) ein – unter dem Motto „Gott diskriminiert nicht“.