Begegnet
„Kein Mensch kann ohne Gott gut sein“
Foto: Marco Chwalek
Für Johann Margarian hat Maria – hier steht er vor der Ikone in der Pfarrkirche – eine besondere Bedeutung.
Wenn jemand davon berichtet, wie er zum Glauben gefunden hat, zu Jesus Christus und der Gottesmutter Maria; wenn er sagt, dass er vorher ein schlechterer Mensch war und so viele Sünden begangen hat, wie man sie nur begehen kann (ohne das auszuführen), dann entsteht vor dem geistigen Auge vermutlich das Bild eines älteren Menschen, der schon einiges in seinem Leben falsch machen konnte.
Doch Johann Margarian ist erst 18 Jahre alt, geht noch zur Schule. Dieses Jahr an Ostern wurde er getauft. Er hat zu Gott gefunden und sagt: „Ich glaube, kein Mensch kann ohne Gott gut sein. Ich war nicht gut, ich war ein schlechterer Mensch.“ Und ganz frei davon – wer ist das schon – sei er davon auch heute noch nicht. Vielleicht sei er inzwischen ein „ein klein wenig weniger schlechter Mensch“. Nicht aus sich selbst heraus, „sondern, weil Gott das an mir vollbracht hat“. Was der junge Mann in einem gut 20-minütigen Interview in der Flensburger Kirche „St. Marien – Schmerzhafte Mutter“ formuliert, das würden manch andere selbst am Ende ihres Lebens nicht mit solcher Vehemenz und Überzeugung zum Ausdruck bringen können.
Es ist so ein unfassbar großes Geschenk.
Dabei deutete in seinem Leben ja so gar nichts darauf hin. Johann Margarian, der in den USA geboren wurde, aber nahe Flensburg aufwuchs und wohnt, ist durch seine Eltern nicht vorgeprägt. „Ich hatte von Kindheit an überhaupt keinen Kontakt zur Kirche oder generell zum Glauben. Es wurde mir nicht in die Wiege gelegt“, sagt er. Doch er sei schon immer „ein bisschen sinnsuchend“ im Leben gewesen, habe hierhin und dorthin geblickt und hatte dann den Impuls, auch mal in der Bibel zu lesen. „Dann habe ich mir eine Bibel gekauft, damals noch eine Lutherbibel, also nicht ganz so katholisch.“ Die Lektüre des Neuen Testaments habe etwas in ihm geweckt. „Und dann bin ich das erste Mal in eine katholische Messe an einem Sonntag gegangen. Das hat mich dann noch mehr berührt, vor allem, die Eucharistie zu sehen.“ Das war vor knapp zwei Jahren. Seitdem ist er fast jeden Sonntag in die heilige Messe gegangen.
„Es war etwas Höheres, etwas Mystisches, was ich in diesem ersten Gottesdienst erlebt habe. Es hat mich auf eine Weise berührt, wie mich noch nie etwas vorher berührt hat“, erinnert er sich. Und er fand darin Antworten auf Fragen, die er sich gestellt hatte: Was ist der Sinn des Lebens? Was ist das Ziel? Warum leben wir, was ist dieses Menschsein überhaupt?! „Ganz klare Antworten“ habe er gefunden. Das Ziel sei, „Gott in Ewigkeit, in Seligkeit zu schauen“, was gar nicht so unerreichbar ist, „wenn wir seinen Geboten folgen“. Das seien nicht einfach irgendwelche Behauptungen, sondern das sei durch eine 2000 Jahre alte Theologie und Philosophie untermauert. „Ich konnte gar nicht mehr zurück, weil ich so überzeugt war“, sagt Johann Margarian.
Seinen Wandel nahmen in seinem schulischen, sehr kirchenfernen Umfeld durchaus einige Mitschüler und Freunde wahr. Doch Applaus durfte er dafür nicht erwarten. Keine Kritik – das war schon positiv. Halt fand er hingegen in der Gemeinde, wo ihn niemand schief von der Seite anguckte. Der junge Erwachsene schaut noch immer mit einem gewissen Unverständnis auf das, was ihm in den zwei Jahren widerfahren ist. „Es ist so ein unfassbar großes Geschenk.“ Dass Gott ihn „in Anführungszeichen“ in so jungen Jahren gerufen habe, so sagt er, da wisse er nicht recht, wie er damit umgehen solle. Zumal er „bei solchen Sachen immer recht zurückhaltend“ gewesen sei.
Seine Eltern, die das Ganze eher mit Verwunderung und ein bisschen Skepsis sehen, lassen ihren Sohn gewähren. Seine Mutter ist sogar schon ab und zu selbst mal mit in den Gottesdienst gekommen, um zu gucken, was ihren Sohn bewegt. Und er selbst, wie sicher ist er sich in seinem Glauben? „Ich habe auch meine Zweifel, immer wieder“, sagt Johann. Und: „Mein Herz will ganz doll glauben, aber mein Verstand ist dann manchmal noch ein bisschen hinterher.“
Die heilige Jungfrau Maria ist ihm eine besondere Stütze. Sie um ihre Fürsprache zu bitten, das habe viel mit ihm gemacht: „Das ist wieder so eine Sache, die kann man sich nicht selbst antrainieren. Das ist etwas, worum man Gott bitten muss – und dann wird es von Gott auch gegeben. Gott gibt dann reichlich. ‘Klopft und euch wird geöffnet. Fragt, und euch wird gegeben!’ Das kann ich wieder nicht auf mich zurückführen, sondern nur auf Gott.“
Maria hilft. Punkt.
Johann Margarian versucht „so häufig wie möglich oder wie ich das schaffe“, zur heiligen Messe zu gehen. So wie er auch feste Gebetszeiten in seinen Alltag eingebaut hat. Der Rosenkranz, er ist ihm „ganz, ganz lieb am Herzen; das ist mein liebstes Gebet“, sagt er. Sein Verhältnis zu seinen Mitmenschen habe sich auch verändert: „Ich habe meine Nächsten viel lieber gewonnen durch diesen Weg mit Gott.“ Zwar habe er durchaus manchmal „noch meine Schwierigkeiten“, aber er gehe „mit sehr viel mehr Liebe auch für andere durch die Welt“. Dies führt er ebenfalls auf seine Kirchengemeinde mit zurück, weil er dort etwas von diesem Glauben wiederfinde.
Und immer wieder Maria: Sie habe ihm „ganz, ganz viel geholfen“, das Beten des Rosenkranzes. „Maria hilft. Punkt“ – bringt er es auf den Punkt. Johann ist sich sicher, dass er durch das Gebet zu ihr, „weniger Sünden begehe, in den Tugenden wachse“. Deshalb hat er auch immer einen Rosenkranz in der Hosentasche. Er exponiert seine Gebete nicht, versteckt sie aber auch nicht, „weil es sich wie Verrat anfühlen würde“.
Johann Margarian glaubt, dass jeder Mensch „ein natürliches Verlangen nach Gott hat“; sonst sei da ja „nur ein Loch, das nur Gott füllen kann“. Gerade junge Menschen seien Suchende in einer immer säkulareren Gesellschaft. „Oft sucht man am Anfang des Lebens besonders nach seinem eigenen Zweck im Leben und nach seiner Position.“ In der katholischen Kirche und „der Fülle des Glaubens“ finde sich eine Antwort. Andere Religionen böten das nicht, davon ist er überzeugt.
So jemand könnte ja vielleicht Priester werden, oder? Johann Margarian: „Ich glaube, es gibt dieses Ziehen von Gott, aber da will ich mich noch nicht so sehr festlegen. Aber wer weiß. Es gibt dieses Ziehen und ja: Wie Gott will, wo er mich hinführt, da will ich hingehen.“