Tourismusseelsorge

Kirche in Ebbe- und Flutgemeinden

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Eine Frau steht auf einer Seebrücke, im Hintergrund das Meer. Sie lächelt in die Kamera.
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Foto: Marco Heinen

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Katharina Hochhaus, hier auf der Seebrücke in Dahme, hat dieser Tage die vom Erzbistum eingesetzten Tourismusseelsorger an Nord- und Ostsee getroffen. 

Eine schrumpfende Zahl an Gläubigen erfordert ein Umdenken – auch in der Tourismusseelsorge, davon ist Katharina Hochhaus überzeugt. Sie koordiniert künftig das Geschehen entlang der Küsten von Nord- und Ostsee.

Die Gezeiten sind an der Nordsee viel stärker ausgeprägt als an der Ostsee. Doch bei Ebbe- und Flutgemeinden geht es nicht ums Wasser, sondern um die Menschen, die kommen und gehen. In Dahme etwa verlaufen sich im Winter die Gottesdienstbesucher in der großen Kirche, die wiederum im Sommer richtig gut besucht ist. Denn mit der Urlaubssaison kommen Gäste aus ganz Deutschland in den Norden, darunter viele Katholiken. Und die sind in den Ferien viel offener für kirchliche Angebote als im Alltag, nicht zuletzt, weil dort kaum Zeit für unbeantwortete Lebensfragen bleibt. Und dann sind da noch Einheimische und Saisonkräfte, die in den Sommermonaten nicht selten unter hohem Stress stehen und Sorgen haben.

Insofern kann Kirche die Menschen an Tourismusorten abholen, selbst wenn sie vielleicht schon den Kontakt verloren haben. Tourismusseelsorge ist aus Sicht von Katharina Hochhaus also nicht ein nettes Angebot, quasi ein Sahnehäubchen, sondern ein wichtiger Anknüpfungspunkt. „Was heißt es, selbst Gast zu sein? Was heißt es, eine Gastgeberrolle einzunehmen? Und: Wie können wir unter diesen Bedingungen Kirche bilden und wie nicht?“, das sind die Fragen, denen die 50-jährige Gemeindereferentin, die seit März erste Beauftragte des Erzbistums für die Tourismuspastoral ist, nachgehen will. Großzügigkeit, Offenheit, Herzensweite, das ist aus ihrer Sicht entscheidend – und lässt sich nicht verordnen.

Beraten, begleiten, vernetzen, Anstöße geben, das sind aus Sicht der gebürtigen Bordesholmerin ihre wichtigsten Aufgaben. Sie schaut mit großem Respekt auf die Kollegen an den Standorten, die ziemlich genau wissen, wie die Menschen dort ticken und welche Angebote sie goutieren.

Große Unterschiede zwischen Sylt, Kühlungsborn und Dahme

Deshalb will Hochhaus, die über 20 Jahre Erfahrung in der Gemeindearbeit verfügt, erst noch mehr über die Menschen vor Ort und die Touristen lernen. Denn, das hat sie in den vergangenen Wochen schon in Erfahrung gebracht, das Bild ist auf beiden Seiten heterogen. In Dahme an der Ostsee, wo der Bau der Kirche auf die Initiative Essener Kaufleute zurückgeht, kommen viele Gäste aus langer Familientradition. Mit Sylt oder Kühlungsborn ist das kaum vergleichbar. Auch die Gemeinden selbst haben ihren eigenen Charakter.

Hochhaus ist an diesem Tag schon früh mit Tourismusseelsorger Pater Ralf Winterberg zum Pilgern aufgebrochen. Die Beteiligung war gering, die Saison ist noch jung. Später sitzt der Pater im „Zuhörstrandkorb“ an der Promenade, führt Gespräche mit Vorbeikommenden, die ihn zu kennen scheinen. Ein Gemeindemitglied, das die meiste Zeit in Bayern lebt, kommt dazu. „Der Pater ist ein Geschenk für uns“, sagt er.

Büsum, St. Peter-Ording, Sylt, Flensburg, Eckernförde, Dahme, Kühlungsborn: Katharina Hochhaus hat von Pilgerformaten bis zu Themenabenden einiges kennengelernt. Die Tourismusseelsorger, die ihre Aufgaben jeweils mit halber Stelle bewältigen, sind bei einigen Formaten auf die Unterstützung Ehrenamtlicher und der Touristiker angewiesen. Wobei Hochhaus auch Angebote im Binnenland weiterentwickeln will. Und die Ökumene? „Es geht nichts ohne Ökumene“, sagt sie prompt und ergänzt: „Meine Erfahrung ist, dass in der Vielfalt und im Miteinander der Kirchen ein großer Schatz liegt.“

Marco Heinen