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"Kirche in Meppen" macht es auch mal anders
Fotos: privat
Herzlich willkommen bei der "Kirche in Meppen" – sagt das Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen.
Die Tür steht weit auf bei KIM – der „Kirche in Meppen“, wie die Stadtpastoral mitten in der Fußgängerzone in der emsländischen Kreisstadt heißt. Dabei geht es nicht nur um frische Luft an diesem schönen Frühsommertag, sondern mehr darum, die Gäste schon mit dieser Geste herzlich willkommen zu heißen. Auf eine Tasse Kaffee, auf eine Lektüre des Kirchenboten, auf ein Glas kühles Wasser. Schwester Ulrike Diekmann springt hinter der kleinen Theke rasch auf, um ein solches zu holen und der Besucherin mit einem Lächeln hinzustellen. Und sie fragt gleich hinterher: „Was kann ich Ihnen Gutes tun?“
Diese gastfreundliche Offenheit ist es, was KIM seit über zehn Jahren auszeichnet. Mit den zwei Hauptamtlichen Simone Paura und Schwester Ulrike arbeiten sieben Ehrenamtliche an fünf Tagen in der Woche, um hier der Kirche „ein anderes Gesicht“ zu geben – wie Paura sagt. Mit oft anderen Formaten als die aus den Gemeinden gewohnten. Für Menschen, die vielleicht keine so enge Bindung mehr haben an ihre oder die Kirche überhaupt – die aber trotzdem weiter auf der Suche nach Spiritualität und Seelsorge sind. „Wir versuchen, Gott einen Platz zu sichern“, zitiert Schwester Ulrike die französische Mystikerin Madeleine Delbrêl. Das bedeutet, Gott im Alltag einen Raum zu geben und ihn als feste Größe im Leben zu verankern.
Eine kleine Pause beim Tee
Wie KIM das versucht? Zum Beispiel durch ganz praktische Informationen: über Gottesdienstzeiten und Hilfsangebote in Meppen, über konkrete Aktionen auch anderer Veranstalter, über Kurse oder Wallfahrten. Und manchmal möchten die Gäste einfach nur ein Holzkreuz zur Erstkommunion oder eine Karte zum Priesterjubiläum kaufen. „So kommen immer wieder Leute zu uns rein“, sagt Simone Paura. Dadurch ergeben sich viele Begegnungen, die zweite Säule von KIM: für eine kleine Pause bei einem Tee, um verschiedene Zeitungen zu lesen, um ein Buch mitzunehmen, alte Handys abzugeben oder sich für eine der vielen Veranstaltungen anzumelden. Und manchmal setzt sich auch eine kleine Hochzeitsgesellschaft, die im Winter nach der standesamtlichen Trauung im Rathaus gegenüber bei klirrender Kälte bibbert, auf Einladung des Teams hier ins Warme. Daran erinnert sich Paura mit einem Lächeln.
Andere fragen konkret nach einem (seelsorglichen) Gespräch – der dritten Säule. „Das hat definitiv zugenommen“, sagt Schwester Ulrike mit Blick auf die vergangenen Jahre. Der Bedarf dafür ist unterschiedlich. Mal geht es um Kritik an der Kirche – „bei uns dürfen die Leute auch einfach mal motzen“. Mal geht es um Konflikte in der Familie oder um persönliche Krisen nach einem Trauerfall oder Vereinsamung. Und oft suchen Besucherinnen und Besucher einen Austausch zu aktuellen Lebensthemen von Gesundheit über gesellschaftliche Fragen bis zur weltpolitischen Situation. „Wir wollen einen Raum bieten, wo Menschen das Gefühl haben, wir sind authentisch und sie können authentisch sein“, sagt Schwester Ulrike – und das nach Worten ihrer Kollegin ausdrücklich nicht als Konkurrenz zu den Kolleginnen und Kollegen in der Gemeindepastoral, sondern als Ergänzung.
"Wir haben leise und laute Angebote"
Wie viele Menschen bei KIM durch die offene Tür gehen oder bei den Aktionen mitmachen? Im vergangenen Jahr verzeichnete die Statistik über 1000 Gäste. Aber dem Team geht es weniger um Zahlen und Quantität, sondern um Menschen und Qualität. „Wir haben leise und laute Angebote“, sagt Schwester Ulrike. Die leisen – das sind zum Beispiel die Straßenexerzitien, ein Pilgerweg oder die Spaziergänge für Alleinstehende, die nicht immer die ganz großen Massen anziehen – „aber gut sind für die Teilnehmer“. Die lauten – das sind Aktionen wie „Kims Nacht“ – eine Talkrunde in einer Kneipe, bei der die Karten "so schnell weg waren, dass wir gar keine Werbung mehr machen durften“. Oder auch das offene Singen, das schon im vergangenen Jahr über 120 Gäste anzog und auch jetzt im Juni mit Liedern aus den siebziger Jahren wieder geplant ist. „Das ist einfach eine tolle Gemeinschaft“, sagt Schwester Ulrike.
Diese große Vielfalt vom ernsten Trauergespräch über fröhliche Marktaktionen bis zur biblischen Radtour ist es, was Gäste bei KIM schätzen. Und auch das Team. „Wir sitzen hier zusammen und überlegen, was wir als Nächstes machen könnten“, sagt Simone Paura. "Und dann kommen schnell viele Ideen." Manche Formate mögen anfangs schräg und ungewöhnlich klingen, aber genau diese Freiheit und dieses Experimentierfeld machen die Arbeit aus. Und oft im Zusammenspiel mit vielen anderen Netzwerkpartnern von der Stadt über die Erwachsenenbildung bis zum Theater. Neulich sagte einer der Gäste zu ihr: „Ich mag's einfach, wenn's auch mal anders ist bei der Kirche."
In den nächsten Wochen bietet die „Kirche in Meppen“ (KIM) diese Veranstaltungen an:
Mittwoch, 24.06., um 19:30 Uhr: "So schön, schön war die Zeit", ein Abend zum gemeinsamen Singen mit Liedern der siebziger Jahre, draußen beim Rathauscafé in der Fußgängerzone.
Dienstag, 07.07., um 15 Uhr: "Gemeinsam unterwegs" – Einladung zum Spaziergang, Treffpunkt Kath. Kirche / Bokeloh
Mittwoch, 15.07. um 14:30 Uhr: "Biblische Radtour“, 30 km lange Radtour durch Gottes schöne Schöpfung. Anmeldung bei KIM unter 05931/4962552
Weitere Termine gibt es im Internet unter: www.kirche-in-meppen.de. KIM befindet sich am Markt 34 in der Fußgängerzone und hat geöffnet: Dienstag bis Freitag 10:00-12:30 Uhr und 14:30–17:00 Uhr und Samstag 10:00–12:30 Uhr