Impuls zur Sonntagslesung am 26. Juli 2026
König Salomo: Ein Herrscher wie gemalt
Foto: wikimedia (König Salomo jung
„Ich bin noch sehr jung und weiß nicht aus noch ein.“ Das Gemälde von Kristian Zahrtmann (1843–1917) veranschaulicht die Stimmung, die König Salomo in der Sonntagslesung zeigt.
Das Alte Testament zeichnet ein fast märchenhaftes Bild von diesem König: Der junge Salomo hat gerade die Herrschaft von seinem Vater David übernommen. Er ist klug, weise, gerecht. Er besitzt unglaubliche Reichtümer. Das Volk Israel lebt in Frieden und Wohlstand. Drei Merkmale sind es, die ihn auszeichnen:
Seine Herrschaft
Salomo ist das zweite Kind von König David und Batseba. Als David alt und schwach wird und sich abzeichnet, dass er nicht mehr lange leben wird, will sein ältester, noch lebender Sohn Adonija den Thron für sich einnehmen. Er sammelt Männer um sich, darunter einen Priester und einen Feldherrn, und lädt sie und einige Königssöhne ein, mit ihm ein Festmahl zu feiern – und erklärt sich so vor der Elite des Reiches quasi selbst zum König.
König David verhindert das: Noch während Adonija mit seinen Anhängern feiert, lässt er Salomo von einem Priester zum König salben – und hält das Versprechen, das er einst Batseba gegeben hat, dass ihr Sohn ihm nachfolgen werde. Adonija fügt sich zunächst: Von seinen Anhängern verlassen, bleibt ihm keine andere Wahl. Doch kurz nachdem David gestorben ist, bittet er Salomo, jene junge Frau heiraten zu dürfen, die zuvor den Vater gepflegt und zu dessen Harem gehört hatte. Salomo wird wütend – und lässt seinen Bruder hinrichten.
Im ersten Moment scheint diese Tat übertrieben zu sein – tatsächlich sichert Salomo so aber seine Macht als Herrscher. Sein Bruder Adonija hat nicht irgendeine Frau verlangt: Die Ehe mit Frauen oder Nebenfrauen eines verstorbenen Herrschers war in den altorientalischen Kulturen ein Akt der Herrschaftsübernahme. Adonija hatte die Idee, selbst auf dem Thron zu sitzen, also nicht aufgegeben.
Durch die Hinrichtung seines Bruders, die Verfolgung von dessen Anhängern und die Heirat mit der Tochter des ägyptischen Pharaos festigt Salomo seine Machtansprüche. Die Bibel zeichnet das Bild eines selbstbewussten Königs, der sich absichert und seinen Einfluss ausbauen will.
Seine Weisheit
Die Lesung aus dem 1. Buch der Könige an diesem Sonntag lässt aufhorchen. Sie zeigt Salomos andere Seite: demütig, bescheiden, gottesfürchtig. Auf die Frage Gottes im Traum, welchen Wunsch er ihm erfüllen solle, antwortet er nicht mit Reichtum oder einem Sieg über seine Feinde. Er wünscht sich ein hörendes Herz und Weisheit, um sein Volk gut regieren zu können.
Noch erfüllt Salomo, was sein Vater ihm auf dem Sterbebett aufgetragen hat: Höre auf Gott, bewahre seine Satzungen und Gebote. „Dann wirst du Erfolg haben bei allem, was du tust, und überall, wohin du dich wendest.“ (1 Kön 2,3)
Die berühmteste Stelle, die Salomos Weisheit bezeugt, folgt im nächsten Kapitel: das salomonische Urteil über zwei Frauen, die sich um ein Neugeborenes streiten. Als der König listig vorschlägt, das Kind in zwei Hälften zu teilen, sodass jede Frau einen Teil bekäme, findet er die wahre Mutter. Denn die willigt ein, das Kind der anderen Frau zu überlassen, um sein Leben zu retten. Ein Urteil, das Salomos Kompetenz als Herrscher und Richter unterstreicht.
Seine Weisheit und Klugheit sind über die Landesgrenzen Israels bekannt: Die Königin von Saba besucht Salomo, um ihn mit Rätselfragen auf die Probe zu stellen. „Salomo gab ihr Antwort auf alle Fragen. Es gab nichts, was dem König verborgen war und was er ihr nicht hätte sagen können“, heißt es im 1. Buch der Könige (10,3). Die Klugheit des Herrschers lässt ihr gar den Atem stocken: „Deine Weisheit und deine Vorzüge übertreffen alles, was ich gehört habe“, sagt sie (1 Kön 10,7).
Sein Tempelbau
Der Höhepunkt seiner Herrschaft ist der Bau des Tempels in Jerusalem. Salomo schließt einen Vertrag mit Hiram, dem König von Tyrus, der ihm Zedernholz und Handwerker schickt. Ausführlich erzählt die Bibel davon, wie der Tempel gebaut und ausgestattet wird. Sieben Jahre dauert es, ehe Salomo in einer prachtvollen Prozession die Bundeslade, das Heiligtum des Volkes Israel, in den Tempel bringen lässt. Vor dem versammelten Volk betet er inbrünstig zu Gott, dass er an der Seite der Israeliten bleiben und auf ihr Flehen und Bitten hören möge. Die Besonderheit: In sein Gebet schließt er Fremde mit ein. Auch sie sollen mit ihren Nöten und Sorgen im Tempel auf Gottes offenes Ohr hoffen dürfen. Der Tempel soll ein Ort für alle Suchenden sein, unabhängig von ihrer Herkunft. (1 Kön 8,41–43)
Doch je älter Salomo wird, desto unperfekter wird er. Zweimal ist er ermahnt worden, Gottes Gesetze einzuhalten: von seinem Vater König David und von Gott selbst nach der Weihe des Tempels. „Wenn ihr und eure Söhne euch von mir abwendet und die Gebote und Satzungen, die ich euch gegeben habe, übertretet, wenn ihr euch anschickt, andere Götter zu verehren und anzubeten, dann werde ich Israel in dem Land ausrotten, das ich ihm gegeben habe“, sagt Gott zu Salomo (1 Kön 9,6).
Und doch hält er sich nicht daran. Er liebt Frauen aus jenen Völkern, von denen Gott gesagt hatte: „Ihr dürft nicht zu ihnen gehen und sie dürfen nicht zu euch kommen; denn sie würden euer Herz ihren Göttern zuwenden“ (1 Kön 11,2). Und genau das passiert: Salomo dient nicht mehr allein dem Gott Israels, sondern verehrt andere Götter und Götzen und baut für sie Opferstätten.
Gottes Urteil ist eindeutig: Er wird Salomo das Königreich entreißen – allerdings aus Liebe zu David nicht zu seinen Lebzeiten. Seinem Sohn Rehabeam wird es allerdings nicht gelingen, die Herrschaft aufrechtzuerhalten. Das Königreich Israel zerfällt in ein Nord- und ein Südreich.