Erinnerungsgottesdienst für verstorbene Kinder

Liebe, die bleibt

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Kerzen im Gottesdienst
Nachweis

Foto: Gaby Letzing

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Kerzen anzünden für das verstorbene Kind – auch das gehört zu den Ritualen im jährlichen Erinnerungsgottesdienst in Bremen.

Der Verlust eines Kindes hinterlässt Spuren, die ein Leben lang bleiben. In Gemeinschaft an das eigene Kind zu denken und neue Kraft zu schöpfen, kann tröstend sein. In Bremen bereitet Pastorin Yvonne Ziaja einen besonderen Erinnerungsgottesdienst mit vor. Er findet statt am Samstag, 25. April.

Frau Ziaja, Sie haben viele betroffene Familien begleitet: Was bedeutet es, ein Kind zu verlieren? 

Dieser Verlust hinterlässt Spuren, er begleitet Mütter und Väter, Geschwister, Großeltern und andere Nahestehende ein Leben lang. Dabei spielt es keine Rolle, wie lange der Abschied zurückliegt oder in welchem Alter das Kind gestorben ist. Ich glaube, dass sich die Trauer mit der Zeit verändert und die Betroffenen Stück für Stück ins Leben zurückfinden, aber sie halten das Kind fest – was ich gut verstehen kann. 

Was bewirken Trauerrituale wie der jährliche Erinnerungsgottesdienst?

In Gemeinschaft an das eigene Kind zu denken, den Erinnerungen Raum zu geben und neue Kraft zu schöpfen, kann tröstend sein. Ganz wichtig: Die Betroffenen begegnen sich anschließend noch bei Kaffee und Kuchen und erleben, dass sie nicht allein sind. Sie trauern nicht um dasselbe Kind, aber alle wissen um diesen Schmerz, der nie weggeht, und um die unendliche Liebe. Auch die bleibt.

An wen genau richtet sich Ihr Angebot?

Eingeladen sind alle, die um ein Kind trauern, egal, ob das Kind schon im Mutterleib gestorben ist oder bereits erwachsen war. Eine Mutter hatte ihr Kind bei der Geburt verloren – vor 60 Jahren. Sie erzählte mir, dass sie nie die Möglichkeit hatte, sich zu verabschieden. Es gab damals keine Beerdigung, das Kind wurde einfach mit in den Sarg eines alten Mannes gelegt. Unser Gottesdienst ist glaubensoffen; die christliche Botschaft ist erkennbar, aber wir wollen niemanden ausschließen. Auch Anders- und Nichtgläubige sind willkommen.

Pastorin Ziaja
Yvonne Ziaja ist Pastorin in der evangelischen Gemeinde Bremen Neue Vahr. Foto: privat

Es ist bereits der vierte Gottesdienst dieser Art – jeweils mit einer langen Vorbereitungszeit. Warum so viel Sorgfalt?

Als Seelsorgerin im Krankenhaus habe ich viele Familien begleitet und auch Kinder beerdigt. Ich weiß, wie sensibel man da mit Sprache umgehen muss. Die richtigen Worte zu finden, braucht Zeit. Passend zu den Gottesdienstthemen bereiten wir auch kleine symbolische Aktionen vor. Man kann Kerzen anzünden, Blumen nach vorn bringen oder Fußspuren aus Holz bemalen. In diesem Jahr heißt das Thema „Baum der Erinnerung – deine Wurzeln bleiben“: Wie ein Baum bleiben die Erinnerungen an unsere Kinder verwurzelt. Wer sie waren und was sie für uns bedeuten, trägt uns weiter durch die Zeit. Ein Ritual, das nicht fehlen darf, ist das Verlesen der Namen der verstorbenen Kinder. Darauf warten die Angehörigen. Ich kann in den Gesichtern erkennen, wie schmerzhaft, aber auch wie wichtig das für sie ist.

Wer bereitet den Gottesdienst vor?

Viele, die sich beruflich und privat um trauernde Familien kümmern. Ich bin als Pastorin der evangelischen Kirche mit im Vorbereitungsteam, Gemeindereferent Boris Uroic ist von katholischer Seite dabei. Auch die Perspektive betroffener Eltern ist uns wichtig. Mit dabei sind außerdem Mitarbeitende des KinderPaCT Bremen (Kinderpalliativdienst), des Kinderhospizes Löwenherz sowie des Kinderhospizdienstes Jona (Friedehorst).

Welche Rückmeldungen bekommen Sie?

Bisher nur positive. Jeder findet etwas, woran er sich festhalten kann und was ihm ans Herz geht. Im vergangenen Jahr haben wir zum Beispiel bunte Bänder verteilt, die man sich ums Handgelenk binden kann. Es melden sich noch heute Menschen bei mir und sagen: „Ich trage das jeden Tag.“ Einige Gottesdienstbesucher, die allein gekommen waren, haben berichtet, dass es ihnen schwergefallen sei, Anschluss zu finden. Deshalb werden wir diesmal einen der Kaffeetische so decken, dass er sich deutlich von den anderen Tischen unterscheidet. Dort können sich Trauernde einfinden, die gern neue Kontakte knüpfen wollen.

Anja Sabel
Termin

Der nächste glaubensoffene Erinnerungsgottesdienst für verstorbene Kinder findet statt am Samstag, 25. April, um 15 Uhr in der evangelischen Andreasgemeinde im Bremer Stadtteil Horn-Lehe, Werner-von-Siemens-Straße 55 – in diesem Jahr unter dem Motto „Baum der Erinnerung – deine Wurzeln bleiben“. 

Wer Fragen hat oder vor dem Gottesdienst Kontakt aufnehmen möchte: Pastorin Yvonne Ziaja ist erreichbar unter Telefon 04 21/70 90 65 09 oder per E-Mail.