Die jüngste Hospizbegleiterin in Bad Laer

Liebes Tagebuch, ich möchte Hospizbegleiterin werden

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Zwei Hände liegen auf einem Tisch und umschließen eine Tasse mit dunklen Inhalt
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Foto: unsplash.com/Gaelle Marcel

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Bei der Begleitung von sterbenden Menschen kommt es oft zu tiefgründigen Gesprächen. Aber es ist nicht immer alles traurig. "Es wird auch viel gelacht", sagt Viktoria Schürmann. Foto: unsplash.com/Gaelle Marcel

In einem Orientierungspraktikum während des Studiums fällt Viktoria Schürmann die Entscheidung: irgendwann möchte sie ehrenamtlich als Hospizbegleiterin arbeiten. Ende letzten Jahres schließt sie den Zertifikatskurs beim Hospizverein Bad Laer ab. Nun ist sie mit 28 Jahren die jüngste Begleiterin ihres Vereins und hellauf begeistert.

Als Viktoria Schürmann im Jahr 2016 Grundschullehramt studierte, wusste sie ganz genau, wo sie ihr Orientierungspraktikum machen möchte: beim Bestatter. Etwas ungewöhnlich, wo sich doch fast alle anderen für den Kindergarten entschieden haben. Sie wollte sich lieber mit den Themen Tod und Trauer beschäftigen. Aber warum? „Mein Interesse, beim Bestatter ein Praktikum zu machen, kam aus der Kindheit“, sagt Schürmann. 

In ihrer Heimat in Meppen im Emsland war sie für eine lange Zeit Messdienerin und hat auch bei Trauergottesdiensten gedient. „Dann habe ich die Rückmeldung bekommen, dass ich mehr Beerdigungen übernehmen soll, weil die anderen Messdiener die Trauer nicht gut aushalten können“, sagt sie. „Ich dagegen schon.“ Und so kam es, dass sie viele dieser Dienste übernahm und regelmäßig mit dem Thema Tod und Trauer konfrontiert wurde. Die Begegnungen mit den Bestattern, die Gespräche vor und nach der Beerdigung in der Sakristei und der Redebedarf der Angehörigen - das alles hat sie neugierig gemacht. „Das Thema ist so groß und unkonkret. Das hat mich einfach gereizt“, sagt sie. 

Porträt von einer jungen Frau mit blonden Haaren
Viktoria Schürmann ist hauptberuflich Grundschullehrerin. Beruf und Ehrenamt kann sie gut miteinander vereinen. Foto: privat

So kam das Orientierungspraktikum im Studium ganz gelegen. Sie konnte einen Bestatter bei seiner Arbeit begleiten. Dadurch lernte sie auch die Arbeit von Hospizvereinen näher kennen und war davon so begeistert, dass sie in ihrem Tagebuch festhielt, dass sie irgendwann einmal selbst als Hospizbegleiterin arbeiten möchte. Doch während des Studiums und des Referendariats blieb dafür keine Zeit. Der Gedanke rückte zunächst in den Hintergrund. 

Als sie aber nach Bad Laer in den Landkreis Osnabrück zog, wurde sie wieder an ihren Wunsch erinnert. Denn im Ortskern von Bad Laer steht ein großes Schild: „Hospizverein Lebensfreude“. Kaum zu übersehen. „Das war irgendwie Schicksal, dass es in diesem kleinen Dörfchen einen Hospizverein gibt“, sagt Viktoria Schürmann. Und der Zufall wollte es, dass zwei Monate später ein neuer Ausbildungskurs zum Hospizbegleiter starten sollte. Also meldete sie sich direkt an.

So etwas Intensives habe ich noch nie erlebt

Beim ersten Termin, dem Kennenlernabend des Kurses, musste sie dann erstmal schlucken. Sie war mit Abstand die jüngste Kursteilnehmerin. Worauf hatte sie sich da nur eingelassen? Schürmann war skeptisch, aber dann kam der Punkt, an dem sich alles geändert hat: ein gemeinsames Wochenende im Bildungshaus Kloster Ohrbeck. „Wir haben Biographiearbeit gemacht, was für die Arbeit mit sterbenden Menschen sehr wichtig ist.“ Denn Sterbende fangen an, ihre Leben zu reflektieren. Um damit gut umgehen zu können, müssen sich angehende Hospizbegleiter auch mit ihren eigenen Biographien auseinandersetzen.

Das ist an dem Wochenende im Bildungshaus geschehen.

Die Kursteilnehmerinnen haben sich gegenseitig von ihrem Leben erzählt. Dabei sei die Gruppe zusammengewachsen, sagt Schürmann. „Wir alle haben geweint. So etwas Intensives habe ich noch nie erlebt.“ Von diesem Zeitpunkt an war der Altersunterschied der Teilnehmerinnen egal. „Wir sind eine Gruppe und was soll ich sagen, wir lieben uns“, sagt sie und lacht. 

Mittlerweile ist der Hospizverein ein fester Bestandteil ihres Lebens geworden. Nicht nur, weil sie dort eine tolle Gemeinschaft gefunden hat, sondern auch, weil sie mit der Begleitung von sterbenden Menschen einer sinnvollen Aufgabe nachgeht. „In unserer schnellen Welt bringt mich diese Arbeit zurück zum Menschen. Daraus entstehen oft tiefgründige Gespräche. Und es ist auch nicht immer alles traurig. Es wird auch viel gelacht“, sagt sie. Schürmann ist es wichtig, dass sich mehr Menschen für diese Arbeit begeistern – gerne auch mehr jüngere Leute, so wie sie.

 

Zur Sache

Der Hospizverein Lebensfreude Bad Laer bietet zusammen mit der Katholischen Erwachsenenbildung Osnabrück einen neuen Zertifikatskurs zum ehrenamtlichen Hospizbegleiter an. Der Kurs startet im August 2024 und endet im Dezember dieses Jahres. Die Kosten betragen 180 Euro. Teilnehmende, die in Zukunft für den Verein ehrenamtliche Begleitungen übernehmen wollen, bekommen diesen Betrag erstattet. Mehr Informationen gibt es beim Hospizverein Bad Laer per Telefon: 05424/ 6448914, E-Mail: info@hospizverein-bad-laer.de oder bei der Katholischen Erwachsenenbildung Osnabrück per Telefon: 0541/ 3586871 oder E-Mail: info@keb-os.de

Jasmin Lobert