Zeltlager

Mit Pavillons gegen die Sommersonne

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Viele weiße Zelte stehen am Waldrand auf einer Wiese.
Nachweis

Lea Brelage

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Dieses Zeltlager hat seine Zelte am Waldrand aufgebaut, um den Schatten der Bäume auszunutzen.

Zeltlagerteams müssen sich schon bald auf viele Fälle vorbereiten. Manche Kinder haben Heimweh, andere vermissen ihr Handy, und wenn es heiß wird, sollten besser Wasserspiele statt Olympische Wettbewerbe stattfinden.

Einige Gemeinden und Verbände beginnen die Zeltlagersaison mit einem Pfingstlager, das in diesem Jahr rund um den 19. und 20. Mai stattfinden wird; Die anderen bereiten sich auf das Sommerlager vor. Bei den meisten findet das Ferienlager tatsächlich in Zelten statt, manche Gemeinden gehen mit den Kindern aber auch in eine feste Unterkunft, zum Beispiel in ein Naturfreundehaus. Auch wenn die Anmeldephase für die Kinder noch gestartet wird, befassen sich die jungen Leute aus der Lagerleitung schon bald mit den Plänen fürs Sommerlager, um allen Kindern eine schöne Zeit zu bereiten. Eltern sollen sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder im Zeltlager gut aufgehoben sind.

Der Termin

Der Termin für das Sommerlager steht  früh fest, zum einen, weil Eltern, die ihre Kinder dort anmelden, oft auch den Familienurlaub entsprechend planen, zum anderen, weil viele Mitglieder des Zeltlagerteams dafür Urlaub nehmen müssen. Gruppenleiter, die nicht berufstätig sind, sondern studieren, haben oft noch Vorlesungszeit oder müssen Klausuren schreiben und Prüfungen absolvieren, wenn das Sommerlager losgeht, je nachdem, wie früh die Ferien eines Bundeslandes anfangen. Aus diesem Grund planen manche Zeltlager mit Teams, die in der Mitte der Zeit wechseln. Wer das Zeltlager kurzfristig unterstützen will, kann sich manchmal noch als „Mädchen für alles“ denjenigen anschließen, die für die Logistik zuständig sind, zum Beispiel einkaufen fahren.

Handys aus

Viele Zeltlager handhaben es so, dass in Zeltlager keine Handys mitgebracht werden sollen. So können die teuren Geräte nicht verloren gehen oder beschädigt werden. Das sollten Eltern akzeptieren. Den Kindern im Grundschulalter macht die Keine-Handy-Regel nichts aus, denn die meisten von ihnen besitzen noch gar kein Smartphone. In den Gruppen mit älteren Jugendlichen wird das Handyverbot hingenommen, weil es demokratisch für alle gilt. 

So machten die Kinder die Erfahrung, dass sie auch ohne Handy auskommen können, sagt Jella Flemming aus der Zeltlagerlagerleitung eines Osnabrücker Pfadfinderstamms. „Es haben alle kein Handy“, sagt sie, „und das genießt man auch.“ Stattdessen sei die Freizeit angefüllt mit Spielen und dem Draußensein in der Natur. Auch die Jugendlichen seien dann oft froh, aus ihrem Alltag mit Handy rauszusein. Das kann Alina Dörfler aus der Lagerleitung des HuBa-Zeltlagers im Kreis Osnabrück bestätigen: Handys seien im Zeltlager generell verboten und als Zeitvertreib gegen Langeweile gar nicht erforderlich, „weil man in der Natur ist und nicht an seinen Alltag gebunden."

Handys an

Die Gruppenleiter nehmen allerdings aus praktischen Gründen ihre Smartphones mit. So sind sie für die Eltern im Notfall erreichbar und es können viele organisatorische Dinge erledigt werden: „Man kann dem Einkaufsteam schnell Bescheid sagen, bringt noch Seife und eine Zeckenkarte mit“, nennt Jella Flemming ein Beispiel. Es werde aber darauf geachtet, das Handy tagsüber nicht im Beisein der Kinder zu nutzen. „Wir machen es tatsächlich nur abends an“, berichtet Neele Lindner, Mitglied im Leitungsteam des Gellenbecker Mädchenzeltlagers. So handhaben es viele: Erst wenn die Kinder schlafen und die Gruppenleiterinnen und -leiter am Lagerfeuer sitzen, schauen sie sich auf ihren Smartphones die Nachrichten an. 

Thema Heimweh

Wenn ein Kind Heimweh hat, tritt das oft abends vor dem Schlafengehen auf oder tagsüber in einer Spielpause. Dann sagen manche Kinder, sie wollten nach Hause. Dem Kind mit Heimweh wird dann mehr Aufmerksamkeit zuteil, damit es sich wieder wohlfühlt. „Zur Ablenkung vom Heimweh können wir noch eine Runde Karten spielen, oder man liest noch mal eine Gute-Nacht-Geschichte oder macht ein Hörspiel an“, sagt Pfadfinderin Flemming. Heimweh trete vor allem in Spielpausen auf, hat Neele Lindner festgestellt. Man versuche, beruhigend auf das Kind einzuwirken, es mit Spielen abzulenken oder „man kocht mal einen Heimwehtee“. Nur selten müsse man Eltern anrufen und bitten, das Kind abzuholen. 

Umgang mit Hitze

Fällt das Zeltlager in eine Zeit großer Hitze mit ungewöhnlich hohen Temperaturen, passen die Gruppenleiterinnen das Programm an. Es werden weniger anstrengende Spiele gespielt, es gibt mehr Ruhephasen und Trinkpausen. Es wird darauf geachtet, dass die Kinder nicht nur zum Essen, sondern auch zwischendurch genügend trinken und es werden Spiele ausgesucht, bei denen zwischendurch Wasser getrunken wird. Manche Teams achten darauf, dass in der Nähe ihrer Wiese ein Wäldchen liegt, wo die Kinder im Schatten spielen können.

Generell gilt, dass sich alle Kinder morgens eincremen müssen und immer eine Kopfbedeckung tragen sollen. Hat ein Kind keinen Sonnenhut oder eine Kappe dabei, greifen die Zeltlagerteams auf die Käppis zurück, die sie im Fundus haben. Um mehr Schutz vor der stechenden Sonne zu bieten, haben sich die Gellenbeckerinnen Pavillonzelte angeschafft, in denen man sich tagsüber im Schatten aufhalten kann. 

Plan für Notfall

Dass ein Zeltlager im Sommer abgebrochen wird, ist in der Vergangenheit aufgrund sintflutartiger Regenfälle vorgekommen. Schwere Sommerunwetter können einen Zeltplatz überschwemmen. Für solche Fälle haben die Lagerleitungen einen Notfallplan. „Es stehen genügend Autos bereit, um die Kinder in eine Notfallunterkunft zu bringen“, sagt Neele Lindner vom Mädchenzeltlager. Diese Unterkunft wird vorher bereits mit den Verantwortlichen der gastgebenden Kommune ausgemacht, so haben die Gellenbeckerinnen dann für die Dauer des Zeltlagers einen Schlüssel zur örtlichen Turnhalle. 

Gut geschulte Gruppenleiter

Wer sein Kind ins Zeltlager schickt, kann darauf vertrauen, dass die Zeltlagerteams alles gut vorbereitet haben. Das Wohl der Kinder im Auge zu haben, lernen sie bereits in den Juleica-Schulungen, den Kursen für den Erwerb einer Jugendleiterkarte. Dabei wird auch das Thema Prävention vor sexualisierter Gewalt besprochen. Die Leitungsteams wissen auch, welche Regeln beim Überfall auf das Lagerbanner gelten. Die „Überfaller“ dürfen die Schlafzelte nicht betreten und Kinder nicht zum Erschrecken in ein Gebüsch ziehen. Darauf wird heutzutage anders als früher streng geachtet. „Die Gruppenleiter, die heute aktiv sind, sind viel besser geschult“, sagt Friederike Strugholtz von der Koordinationsstelle zur Prävention von sexuellem Missbrauch im Bistum Osnabrück.

Andrea Kolhoff