Was uns diese Woche bewegt

Nachbarn helfen sich

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Als Schüler habe ich mal für einen Wettbewerb zusammen mit Freunden eine Straßenumfrage gemacht. Es ging um die Frage, wo es sich besser leben lässt: auf dem Land oder in der Stadt. Die befragten Dorfbewohner waren sich sicher: In der Stadt ist es anonymer. Die Städter dagegen waren überzeugt: In der Stadt lebe es sich weitaus weniger anonym, als es immer behauptet werde.

Nach einem kurzen Intermezzo auf dem Land (sehr vertraute Nachbarschaft) lebe ich seit 25 Jahren wieder in der Stadt (überhaupt nicht anonym). Vor ein paar Wochen wurde mir der Beweis geliefert, dass das Studienergebnis aus der Schulzeit immer noch gilt. Wegen eines Urlaubs suchten wir unter den Nachbarn jemanden, der den Briefkasten regelmäßig leeren würde. Und weil es trocken zu werden drohte, sollte im Garten ab und zu gegossen werden.

Schon an der ersten Tür stießen wir auf Erfolg. "Nachbarn helfen sich", war die knappe, aber hilfreiche Antwort, als wir unser Anliegen formuliert hatten. Und vehement wurde es ablehnt, dass wir eine Kleinigkeit aus dem Urlaub mitbringen. Der Vergleich zum Schrebergarten wurde bemüht: Wer dort eine Blume verschenke, dürfe kein Dankeschön erwarten. Sonst gehe die Blume ein.

Entspannt traten wir unseren Urlaub an, entspannt kehrten wir zurück - alle Pflanzen hatten überlebt. Nachbarn helfen sich - das zählt nicht nur auf dem Land, sondern ganz sicher auch in der Stadt. Eine schöne Bestätigung.

Ach ja, wir haben doch was mitgebracht. Eine Kerze mit dem Emblem der Kirche unseres Urlaubsortes. Kann ja nicht schaden.

Matthias Petersen