Sommerserie des Kirchenboten – letzter Teil

Pausen auf einer königlichen Bank

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Frau auf einer Bank
Nachweis

Foto: Anja Sabel

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Pastoralreferentin Birgit Hosselmann auf ihrer Lieblingsbank mit Blick auf eine alte Hofeiche

Rund 200 Jahre alt ist die Zeitzeugin, knorrig, aber gesund gewachsen, mit einer hohen, ausladenden Krone und dichtem Blätterdach. Die große Eiche neben der Hofeinfahrt hat stürmische Zeiten erlebt und überstanden. Daran muss Birgit Hosselmann oft denken, wenn sie auf ihrer Lieblingsbank sitzt und den Baum betrachtet. Oder wenn sie kurz die Augen schließt und dem Rauschen der Blätter lauscht.

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Birgit Hosselmann kam 2014 als Pastoralassistentin in die Twistringer Pfarrei St. Anna und ist dort seit 2017 Pastoralreferentin. Vor einiger Zeit ist die 52-Jährige zu ihrem Lebensgefährten nach Goldenstedt gezogen. Mitten aufs Land – auf einen Hof, der sich in dritter oder vierter Generation in Familienbesitz befindet. Ihr zukünftiger Mann ist Garten- und Landschaftsbauer, ihr Schwager betreibt Bioputenmast. Ein Umzug zurück zu den Wurzeln könnte man sagen. „Ich bin selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen, mein Vater war immer gern im Wald. Daran erinnert mich das alles hier.“

Baum
Hofeiche, rund 200 Jahre alt Foto: Anja Sabel

In ihre Lieblingsbank vor dem rot geklinkerten Wohnhaus ist ein majestätischer Schriftzug eingraviert. Hosselmanns Schwager wurde 2013 von der Schützenbruderschaft St. Heinrich zum Schützenkönig gekürt. Aus dem großen Holzschild „seiner Majestät“ wurde eine Sitzbank gezimmert. „Ich mag Bänke“, sagt Birgit Hosselmann. Wenn sie sich dort eine Pause gönnt oder auf jemanden wartet, mit Blick auf die alte Eiche, kommt ihr manchmal in den Sinn: „Was der Baum alles erzählen könnte!“ Zum Beispiel von einem Brand Mitte der 1970er Jahre, der den Hof in Schutt und Asche legte – zum Glück ohne Personenschaden. Vom Kommen und Gehen, von Wolkenbrüchen und Stürmen. Auch Birgit Hosselmann hat so einige private Stürme erlebt in letzter Zeit und spricht sich dann Mut zu: „Wenn der Baum es geschafft hat, schaffe ich das auch“. 

Die Pastoralreferentin mag ihren Beruf – und die Menschen, mit denen sie zu tun hat. Sie ist in vielen Gremien und Gruppen aktiv, Ansprechpartnerin für Wortgottesdienstleiterinnen und -leiter, hat den Beerdigungsdienst übernommen und mitgearbeitet an einem neuen Konzept für die Firmbewerber. Die Stadt Twistringen ist katholisch geprägt, aber die übrigen Gemeinden, die zur Pfarrei gehören, sind in der Diaspora verstreut. Die Wege sind weit. Und die Zeiten bleiben herausfordernd. Weniger Geld, weniger hauptamtliches Personal – wie soll es mit der Kirche weitergehen? Das Dekanat Twistringen hat – wie auch schon andere Dekanate – einen Zukunftsprozess gestartet, um nach Lösungen zu suchen. „Das Bistum begleitet das Dekanat gut, es kann frei gedacht werden“, sagt Hosselmann. 

Wie gut, dass es nach einem langen Arbeitstag den Hof in Goldenstedt gibt. Ihr Zuhause. Die Bank vor dem Haus und den alten Baum, „der mich erdet und die Gedanken fließen lässt“.

Anja Sabel
Sommerserie 2025

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