Sommer-Glücksmomente

Pilgern ist "Balsam für die Seele"

Ein Mann geht durch den Wald.

Foto: privat

Beim Pilgern erlebt Kai Sommer viele Glücksmomente. Foto: privat

Sommer, Sonne, Ferien: Darauf freuen wir uns alle. Jede und jeder findet dabei seine Glücksmomente dann woanders: unterwegs in schöner Landschaft, am Wasser oder in den Bergen, mit anderen Menschen oder zu Hause. Kai Sommer aus dem emsländischen Herzlake/Felsen zieht sich dazu gern seine Pilgerschuhe an.

Und die stehen samt Rucksack und Hut schon wieder zu Hause parat. Nicht mehr lange, dann startet der 37-Jährige Mitte August zu einer Tour über den Hümmlinger Pilgerweg. Fünf Tage lang wird er ehrenamtlich eine Gruppe durch das nördliche Emsland begleiten: durch Moor und Heide, durch Wald und Flur – gute 100 Kilometer von Sögel über Spahnharrenstätte, Lorup, Breddenberg, Werpeloh wieder nach Sögel. „Die Strecke ist einfach unglaublich schön“, sagt der gebürtige Papenburger. 

Kai Sommer leitet die Vitus-Akademie in Haren, die Menschen mit Behinderungen neue Wege auf dem Arbeitsmarkt eröffnen möchte. Dass er jetzt im Sommer die Hümmlinger Pilgertour organisiert und „natürlich“ auch selbst mitgeht, ist für ihn Freude und geschätztes Ehrenamt zugleich. Und das ist aus seiner früheren Aufgabe als Jugendreferent im Marstall Clemenswerth in Sögel erwachsen. Über seine Arbeit hat er das Pilgern und den Pilgerweg näher kennengelernt und große Lust, „da mitzumischen. Ich bin ein großer Fan von solchen Gemeinschaftserfahrungen, da kommt meine alte Zeltlager-Zeit wieder durch".

"Das war ganz großartig"

Wander-affin ist Sommer dabei schon länger. Bereits während seines Lehramts-Studiums ist er mal drei Wochen bei einer Expedition „durch den Dschungel von Costa Rica marschiert, das war ganz großartig“. Und auch danach hat er im Urlaub immer gern die Wanderschuhe angezogen, denn einfach nur am Strand liegen und in der Sonne braten – „das ist nichts für mich“. Der Emsländer mag es, durch die Landschaft zu laufen und die Natur mit allen Sinnen wahrzunehmen. Am liebsten ein bisschen abenteuerlich querfeldein und durch das Unterholz. Bei solchen Touren hat er schon vieles „mitgenommen“ wie wunde Hacken, Wadenkrämpfe und Sonnenbrand. „Kenn’ ich alles“, sagt er mit einem Schmunzeln. 

Aber Pilgern ist für ihn noch mal eine andere Erfahrung als zu wandern. Da geht es weniger um die vielleicht sportliche Herausforderung oder den Reiz der schönen Bilder rechts und links des Weges, „sondern das hat etwas mit meinem Glauben zu tun“. Schritt für Schritt Gedanken und Gefühle fließen zu lassen, das „klappt beim Laufen am besten, da kommt der Kopf in Schwung und man denkt am weitesten“. Pilgern kann also im besten Fall ein spirituelles Erlebnis sein: auf der Suche nach sich selbst, nach anderen oder nach Gott. „Mal läuft man dabei ein Stück mit dem einen, dann mit der anderen oder auch einige Kilometer mit sich selbst. Jeder macht sein Ding daraus“, sagt Sommer. „Aber am Ende des Tages führt der Weg wieder zusammen“ – inspiriert dabei auch von Gebeten und Impulsen, die er selbst vorbereitet.

Ähnlich wie die Gottesdienste, die sich nach 25 Kilometern Tagesetappen in den Beinen tatsächlich anders anfühlen als das Hochamt am Sonntag. „So zusammen unterwegs zu sein, das macht was mit einem. Ich spüre dann, was es bedeutet, in einer Glaubensgemeinschaft und nicht allein zu sein – ein Fest mit Gott zu feiern. Das ist schon ein echter Glücksmoment.“ 

Die Begegnung mit den Menschen macht glücklich

Was ihn beim Pilgern noch glücklich macht? Das ist ganz klar auch die Natur, die frische Luft, der weite Himmel rings herum. Erholsam, ruhig, still: „Das gibt Frieden und ist Balsam für die Seele.“ Aber es sind auch die Begegnungen und Gespräche mit Menschen, die er sonst vielleicht nie getroffen hätte. „Das tut einfach voll gut“, gerät er fast ins Schwärmen. Zu hören, was sie bewegt, was sie zu bestimmten Themen denken und sagen: Das öffnet den eigenen Horizont und schafft neue Sichtweisen. „Und man kommt an den Punkt, wo man sich selber sagt: ach, so könnte ich da auch herangehen.“ 

Auch in den Ferien versucht Kai Sommer, immer mal wieder zu pilgern – so gut, wie das mit zwei kleinen Kindern geht. Hin und wieder „laufen“ die in einer Kiepe auf seinem Rücken dann ein paar Kilometer mit. Auf dem Hermannsweg durch den Teutoburger Wald, da war er schon unterwegs. Und was er „auf jeden Fall irgendwann“ machen möchte, sind Etappen auf dem Jakobsweg – allein. „Ich bin gespannt, ob es mir gefällt, nur mit mir selbst unterwegs zu sein.“

 

Die nächste Hümmlinger Pilgertour findet vom 14. bis 18. August statt. Anmeldungen noch möglich. Die Teilnehmer sind dabei in fünf Tagesetappen unterwegs, festes Quartier ist das Jugendkloster Ahmsen. Den Abschluss bildet der Festgottesdienst zu Maria Himmelfahrt am Schloss Clemenswerth. Anmeldungen bis 15. Juli  online unter www.marstall-clemenswerth.de/pilgerangebote.

 

Petra Diek-Münchow