Wallfahrt von Osnabrück nach Telgte
Schritte werden zu Gebeten
Foto: Andreas Große Hüttmann
Schlange stehen: Viele Pilger suchten nicht nur Abkühlung, sondern wollten der Gottesmutter auch ihre Gebetsanliegen anvertrauen.
„Ich finde vor allem das Laufen cool“, sagt der neunjährige Jakob Spreckelmeyer. Der Grundschüler aus Celle im Bistum Hildesheim ist in diesen Sommerferien zu Besuch bei seinen Großeltern, und als er die Berichte seines Opas von der Telgter Wallfahrt hörte, wollte er unbedingt mit. Jetzt sitzt der Neunjährige – einer der jüngsten Teilnehmer der traditionsreichen Fußwallfahrt – in der Pause an der Klause in Oedingberge zusammen mit seinen Großeltern im Schatten, erholt sich und hört der Predigt von Weihbischof Johannes Wübbe zu.
Wenige Meter entfernt sitzt Antonius Hertleif auf einer Bierzeltbank. Ganz genau kann er es nicht sagen, aber „30-mal werden es schon gewesen sein, dass ich die ganze Strecke mitgegangen bin“, sagt der Landwirt. Für ihn ist die rund 45 Kilometer lange Wallfahrt jedes Mal bereichernd. Das Singen und Beten, aber auch die Gespräche mit anderen Pilgern „stärken mich im Glauben“, sagt er. Zudem sei die Gemeinschaft herausragend.
Die Strapazen waren vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern anzusehen, als sie die letzten Meter durch die Telgter Altstadt zurücklegten. Doch mit dem Ziel vor Augen rückten Hitze und müde Füße fast in den Hintergrund, und Unterstützung gab es von zahlreichen Zuschauern, die die Straßen säumten und Applaus spendeten.
Bereits kurz nach Mitternacht waren die ersten Gruppen in Osnabrück gestartet. Rasch schwoll der Zug an, an nahezu jeder größeren Kreuzung stießen weitere Wallfahrtsgruppen oder Einzelpilger dazu. Auch rund 100 Teilnehmer aus Telgte waren dabei; sie hatten sich in der Nacht mit dem Bus auf den Weg nach Osnabrück gemacht.
„Das war ebenfalls ein faszinierendes Erlebnis“
Mit den Fußpilgern erreichte auch eine Gruppe von rund 200 Radfahrerinnen und Radfahrern Telgte, die sich ebenfalls von Osnabrück aus auf den Weg gemacht hatten. Unter den Radpilgern war in diesem Jahr auch der langjährige Technische Leiter der Wallfahrt, Karlheinz Schomaker, der aus gesundheitlichen Gründen nicht zu Fuß teilnehmen konnte. „Das war ebenfalls ein faszinierendes Erlebnis“, sagt er.
An der Klause in Oedingberge predigte Weihbischof Johannes Wübbe und betonte, dass eine Wallfahrt eine besondere Gelegenheit sei, Gott zuzuhören – im Gebet, in der Stille oder im Gespräch mit dem Nächsten.
In Telgte wurden die Pilger von Propst Michael Langenfeld, Messdienern und einer Abordnung der Wallfahrtsgilde auf den letzten Metern begleitet. Auf dem Kirchplatz zollte Langenfeld den Teilnehmenden großen Respekt und sagte, er sei jedes Jahr aufs Neue beeindruckt, wie viele sich singend und betend auf den Weg zur Muttergottes machten.
Abkühlung in der Kirche
Seine Worte wurden auch in die frisch renovierte Kirche übertragen, denn angesichts der knapp 30 Grad suchten viele Wallfahrer dort ein wenig Abkühlung. Vor dem Gnadenbild bildete sich erneut eine lange Schlange, um es zu berühren oder im Gebet persönliche Anliegen vor die Pieta zu bringen.
Am Sonntagmorgen folgte der feierliche Auszug nach der Pilgermesse mit Weihbischof Wübbe sowie einem Familien- und Jugendgottesdienst. Im Laufe des Abends trafen die letzten Gruppen wieder wohlbehalten in ihren Heimatorten ein.
Im kommenden Jahr feiert die Wallfahrt ein besonderes Jubiläum: Am 10. Juli 2027 machen sich zum 175. Mal Gläubige von Osnabrück nach Telgte auf den Weg – beim „Marathon des Glaubens“. Schon jetzt hofft das Leitungsteam darauf, dass dann besonders viele Pilgerinnen und Pilger dabei sind.
Andreas Große Hüttmann