Was uns diese Woche bewegt

Seiner Heiligkeit ganz nah

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Portrait von Anton Kensbock mit Untertitel: Was uns diese Woche bewegt

„Kommt der Papst herein und sagt ‚Guten Tag‘.“ Das klingt wie der Anfang eines Witzes, ist mir aber so passiert. Nicht „Salvete“, „Buongiorno“ oder „Hello“ wählte Leo XIV., ein „Guten Tag“ tut es auch, fand er. So normal, und doch so surreal. Zur Audienz mit dem Heiligen Vater kam es während unseres Betriebsausflugs nach Rom zum 100. Geburtstag des Kirchenboten.

Auf dem Weg durch den apostolischen Palast zweifelte ich kurz: Welche Zahl war es doch gleich? Nervös googelte ich: „Papst“, und interpretierte die römischen Zahlen in der Aufregung falsch. Für mich war es kurz Leo XVI., bis eine aufmerksame Kollegin die Zahlen korrekt las. Es ging durch Gänge und Räume, die von Raphael verziert wurden. Durch Räume, durch die schon Obama 2014 auf dem Weg zu Papst Benedikt XVI. lief. Unser Warteraum war der Saal, in dem Papst Benedikt damals vor den versammelten Kardinälen seinen Rücktritt erklärte. Orte, in denen Geschichte passierte und passiert.

Die Begegnung war für mich völlig bizarr. Eine Frage, die wir uns beim Warten gestellt haben: Was sagt man dem Papst beim Händedruck? Den eigenen Namen? Seine Position? Fragt Leo XIV. einen etwas? Muss man sich vorbereiten, vielleicht ein paar Worte Latein lernen? Ich habe mich für „Thank you“ entschieden. Das passt immer und geht leicht über die Lippen.

Trotz prunkvoller Umgebung voller Mosaike, Wandteppiche und Statuen wirkte Papst Leo sehr zugewandt und nahbar. Als unser Chefredakteur von der Arbeit des Kirchenboten erzählte, hörte er aufmerksam zu, nickte. Kein Smalltalk-Nicken, nein, ich bin mir sicher: Es war echt. 

Draußen prüfte ich noch einmal: Leo XIV. Stimmt. Wirklich verarbeitet habe ich das Treffen längst noch nicht. Der Papst hat „Guten Tag“ gesagt. Und es war schön.

Anton Kensbock