Segnungsgottesdienst

Valentinstag in der Kirche: „Ich bin jedes Jahr begeistert“

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Gottesdienst am Valentinstag
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Foto: Pfarrei St. Clemens
 

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Schöne Atmosphäre: Die Kirche St. Clemens in Dortmund ist zum Gottesdienst rot beleuchtet.

Seit mehr als 20 Jahren bietet Ludger Keite einen Segnungsgottesdienst zum Valentinstag an. Es kommen Menschen, die sonst nur wenig mit der Kirche zu tun haben. Ihre Geschichten berühren ihn und er ist sicher: Dieser Gottesdienst wirkt nach.

Ludger Keite freut sich auf den 14. Februar. Andere tun den Valentinstag als Kommerzverstärker für die Blumen- und Pralinenindustrie ab, der Pfarrer aus Dortmund aber ist Feuer und Flamme für den Tag der Liebenden. Seit mehr als 20 Jahren bietet er Segnungsgottesdienste zum Valentinstag ein. „Diese Gottesdienste berühren mich einfach. Jedes Jahr bin ich aufs Neue davon begeistert“, sagt er. 

Das Kirchenschiff von St. Clemens in Dortmund-Brackel ist an diesem Abend bunt beleuchtet, Kerzen brennen. Frauen aus der Gemeinde begleiten den Gottesdienst mit Flöten und Gitarren. „Die Menschen spüren, dass dieser Gottesdienst anders ist. Und ich lade sie auch dazu ein, sich zu entspannen, sich wohlzufühlen“, sagt Keite. Die Pärchen kommen Hand in Hand in die Kirche, sie sitzen aneinander gekuschelt in der Bank. Einige Männer legen den Arm um die Schulter ihrer Partnerin. 

Dann hören sie Texte aus der Bibel, aber auch Geschichten oder Erfahrungen von anderen Paaren, und sie singen gemeinsam Lieder, die von Liebe, Partnerschaft und Glück handeln. Am Ende des Gottesdienstes sind alle Paare eingeladen, nach vorne zu Pfarrer Keite zum Altar zu kommen, um den Segen zu empfangen. „Sie treten vor und ich frage, ob es etwas gibt, für das sie besonders beten möchten“, sagt Keite. Die Frage ist ein Türöffner zum Leben der Menschen: In nur wenigen Sätzen erfährt der Priester, was das Paar gerade bewegt – im Guten wie im Schlechten. „Das baue ich dann in meinen Segen ein.“

Pfarrer Ludger Keite segnet ein Paar.
Pfarrer Ludger Keite segnet ein Paar. Foto: Pfarrei St. Clemens

Manche junge Eheleute erzählen ihm, wie sehr sie sich ein Kind wünschen und dass es einfach nicht klappen will. Andere strahlen vor Glück und berichten ihm, sie hätten gerade erfahren, dass Nachwuchs unterwegs ist. Paare sagen, sie hätten eine schwierige Zeit hinter sich, in der sie viel gestritten haben. „Mit dem Segen am Valentinstag wollen sie das Kapitel abschließen und neu beginnen“, sagt Keite. Es kommen auch gleichgeschlechtliche Paare, die ihre Liebe unter den Schutz Gottes stellen möchten.

Keite sagt: „Ich glaube wirklich, dass alle Menschen hier spüren, dass bei ihrer Liebe ein Dritter im Bunde ist.“ Sie fühlten, dass das, was sie verbindet, über sie hinausgewachsen ist. „Es ist gut zu wissen, dass die Liebe, die das Paar verbindet, noch eine größere Bedeutung hat.“ Sie hätten „das Gefühl, dass unter dem Segen Gottes alles gut wird“. 

Auch Jugendliche kommen in den Gottesdienst

Dieser Wunsch lässt auch Jugendliche zu ihm in den Valentinsgottesdienst kommen. „Sie stehen vor mir, lachen, werfen sich verliebte Blicke zu, sind ganz glücklich. Da spüre ich förmlich, wie die Schmetterlinge in ihren Bäuchen fliegen“, erzählt Keite. Es kommt auch vor, dass ältere Menschen vor ihm stehen, deren Partner oder Partnerin bereits gestorben ist und die sich in einer Trauergruppe kennengelernt hatten. „Das berührt mich immer sehr, weil ich merke, dass da nicht nur zwei Menschen sind, die spät in ihrem Leben noch einmal ein Glück gefunden haben. Da sind auch die alten Partner mit im Bunde. Die Verstorbenen sind in den Segen, den ich spende, eingeschlossen“, sagt Keite.

Ein älteres Paar ist Keite besonders in Erinnerung geblieben. „Die Frau erzählte mir, dass sie kurz zuvor die Diagnose Krebs bekommen hatte und dass sie ihren 60. Hochzeitstag nicht mehr erleben würde. Mit dem Gottesdienst zum Valentinstag wollten sie ihre Ehe segnen lassen“, sagt Keite. „Für die beiden war es ein sehr besonderer Moment, ihre Liebe so auch mit der Gemeinde noch einmal feiern zu können.“ Wenige Monate später starb die Frau und Keite leitete die Beerdigung. 

Altar am Valentinstag. Foto: Pfarrei St. Clemens

So verändert der Gottesdienst am Valentinstag nicht nur die liebenden Paare, sondern auch den Priester. „Bei all dem Chaos, was uns in der Welt umgibt, schenkt dieser Gottesdienst unglaublich viel Trost“, sagt Keite. Er helfe, sich darauf zu besinnen, dass es nicht nur um Hass und Krieg gehe. „Das Wichtige ist doch die Beziehung zwischen zwei Menschen, die liebend miteinander unterwegs sind. Dieses Wissen schenkt ihnen Kraft – und das zu sehen, gibt auch mir Kraft“, sagt der Dortmunder Pfarrer. Denn die Liebe sei doch das Band, das die Menschen untereinander verbindet: „Wenn wir sagen, Gott ist die Liebe, dann ist er überall dort gegenwärtig, wo Liebe erfahren wird.“

Die Menschen, die am Valentinstag zu ihm kommen, gehören oft nicht zum Kern der Pfarrei. Einige kennt er flüchtig von Gottesdiensten, viele kommen aber nicht einmal an Weihnachten in die Kirche. Auch aus den kurzen Gesprächen vor dem Segen entwickelten sich keine langen seelsorglichen Beziehungen, sagt Keite: „Es bleibt meist bei diesem Augenblick. Aber das ist nicht schlimm. Ich bin überzeugt, dass dieser Moment mit einem guten Gefühl für längere Zeit nachklingt.“

Kerstin Ostendorf