Anstoß 21/20
Verpasste Gelegenheiten
Hätte ich das doch damals, eben gerade, vorhin, gestern gemacht. Oder gelassen. Es gibt verpasste Gelegenheiten. Deshalb fordert das Sprichwort, das Eisen zu schmieden, solange es heiß ist.
„Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde, heute wird getan oder auch vertan“, heißt der Gedanke in ein bekanntes Neues Geistliches Lied übersetzt.
Zum Glück gehen viele gute Gelegenheiten unbemerkt an uns vorüber. Wir haben keine Ahnung, was uns da durch die Lappen gegangen ist. Kein Grund, traurig zu sein. Andere bemerken wir und ärgern uns. Natürlich kann es sein, dass sich eine neue Gelegenheit ergibt. Aber diese haben wir unwiderruflich verpasst. Schade.
In den letzten Wochen gab es viele Möglichkeiten, online am Leben der Gemeinde teilzunehmen. Es scheint fast so, als habe die Kirche diese Krise gebraucht, um im digitalen Zeitalter anzukommen. Gelegenheit erkannt, Chance genutzt.
Ich habe festgestellt, dass mir Videobotschaften und Onlineangebote nicht reichen. Deshalb habe ich mich auf den Weg in eine Kirche gemacht. Leider waren viele Türen verschlossen. Plakate weisen darauf hin, dass aufgrund der Corona-Krise keine Gottesdienste stattfinden. Aber sie erklären nicht, warum die Kirchen zu sind. Auf einem Plakat war in Regenbogenfarben zu lesen, dass „Vertrauen, Phantasie, Gebet und Mut nicht abmoderiert“ sind. Aber auch diese Kirche war verschlossen. Kein Raum, um über all die schönen Dinge nachzudenken. Anfangs habe ich mich geärgert. Später war ich traurig. Wieder eine Gelegenheit verpasst, um für die Menschen da zu sein. Andere waren da. Haben ihre Kirchen aufgeschlossen, den Altarraum geschmückt, die Osterkerze angezündet, das Allerheiligste ausgesetzt, Gespräche angeboten oder mit Impulsen zum Gebet eingeladen. Ihnen bin ich dankbar.