Caritas-Mitarbeiter Ottmar Steffan bereitet sich aktiv auf einen Neuanfang im Ruhestand vor

Von der Kunst, in Rente zu gehen

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Ottmar Steffan Caritas Osnabrück
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Foto: Anja Sabel

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Ottmar Steffan, Sozialarbeiter beim Osnabrücker Caritasverband, startet in sein letztes Berufsjahr.

Der 31. August 2027 wird sein letzter Arbeitstag sein. Danach: kein Wecker-Klingeln, kein Arbeitsstress, keine Dienstreisen mehr. Für Ottmar Steffan, Sozialarbeiter beim Osnabrücker Caritasverband, beginnt dann mit 66 Jahren eine neue Lebensphase – der Ruhestand. Was für ihn vor allem bedeutet, sich von seinem Lebenswerk, der Russland-Hilfe, zu verabschieden. Wie kann diese Umbruchsphase zu einem Neuanfang werden?

Eines Tages hört Ottmar Steffan, wie sich Kollegen auf dem Flur über Bildungsurlaub unterhalten. „Habe ich noch nie gemacht, das wäre auch was für mich“, überlegt er – und stößt im Internet auf ein Wochenseminar rund um das Thema Ruhestand. Titel: „Ich bin dann mal weg“. Er meldet sich an. Und schwärmt von einem Aha-Erlebnis: „Man sollte nicht unvorbereitet ins Rentenalter stolpern.“

Dass Menschen nach einem langen Berufsleben erst mal zwei, drei Monate durchatmen wollen, kann der Caritas-Mitarbeiter nachvollziehen. „Aber irgendwann kommt der Alltag, und der sollte gut strukturiert sein“, sagt er. Denn plötzlich sind – bei einer vorherigen 40-Stunden-Woche – pro Jahr rund 2000 zusätzliche Freizeitstunden zu füllen, die bislang durch die Arbeit belegt waren. Eine Zahl, die er sich gemerkt hat.

Mit dem Namen Ottmar Steffan ist im Bistum Osnabrück vor allem die Russland-Hilfe verbunden. 1991 richtet die Caritas eine Beratungsstelle für Aussiedler ein. Und die berichten dort nicht nur von ihren eigenen Problemen vor Ort, sondern erzählen auch, wie Verwandte und Freunde unter der schweren Wirtschaftskrise in Russland leiden. Viele wissen nicht, wie sie ihre Familien versorgen sollen. Es beginnt die Zeit der Hilfstransporte, die Ottmar Steffan zusammen mit einigen Ehrenamtlichen auf die Beine stellt.

1998 knüpft Steffan Kontakt zu Bischof Clemens Pickel im südrussischen Saratow – die Geburtsstunde des Projektes „Eine Kuh für Marx“. Der Bischof bittet damals um Unterstützung beim Kauf einer Kuh für bedürftige Familien in Marx an der Wolga. 

Seit dem Krieg in der Ukraine ist die Russlandhilfe im Notstand-Modus

Aus einer Kuh werden im Laufe der Jahre hunderte Kühe. Das Kuhprojekt wird zum Aushängeschild der Partnerschaft zwischen dem Bistum Osnabrück und dem Bistum St. Clemens. Heute gibt es ein großes überregionales Netzwerk mit dem Hilfswerk Renovabis, mit Caritas International, mit dem Kindermissionswerk, mit der Sibirienhilfe Aachen und der Caritas Görlitz. 

Über 100 Reisen unternimmt Ottmar Steffan, verbringt zusammengerechnet zweieinhalb Jahre seines Lebens in Russland. Woran erinnert er sich besonders gern? „Als wir noch Freiwillige nach Russland schicken konnten, Spielplätze gebaut haben und Hospitationen von russischen Kollegen im Gesundheitsbereich möglich waren.“ 

Russlandhilfe Osnabrück
Sein Lebenswerk: Ottmar Steffan (links) hat die Russlandhilfe aufgebaut und hält noch immer Kontakt zu Bischof Clemens Pickel (Mitte) im südrussischen Saratow. Rechts: Ulrich Beckwermert, ehemaliger Generalvikar im Bistum Osnabrück. Foto: Bistum Osnabrück

Seit der Corona-Pandemie und vor allem seit Ausbruch des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine „sind wir im Notstand-Modus“, sagt Ottmar Steffan, „alles ist sehr eingeschränkt und kompliziert“, es gebe Schwierigkeiten in der Kommunikation mit Messenger-Diensten und per E-Mail. „Auch am Telefon müssen wir vorsichtig sein, um niemanden zu gefährden, aber wir sind froh, dass unsere russischen Partner die kirchliche und karitative Arbeit fortführen können“. Allerdings sei es zurzeit schwer, neue Spender zu finden. Steffan hofft: „Irgendwann wird sich die politische Lage wieder ändern.“ 

Die vielen persönlichen Beziehungen seit über 30 Jahren lassen sich „nicht einfach per Knopfdruck beenden“, sagt Ottmar Steffan. Zumal die letzten fünf, sechs schwierigen Jahre auch bei ihm Spuren hinterlassen haben. Spätestens mit Eintritt ins Rentenalter will er sich mehr um die eigene Gesundheit kümmern – das hat er sich vorgenommen. Er überlegt auch, eine Jugendfußballmannschaft zu trainieren, will weiterhin ehrenamtlicher Schiedsrichter sein – und sich um seine beiden Enkelkinder kümmern. Seine größte Sorge, dass es mit der Russland-Hilfe nicht weitergehe, sei mittlerweile vom Tisch, sagt er.

Man sollte den Ruhestand sorgfältig planen. Das kann ich jedem nur wärmstens empfehlen.

Ehrenamtlich wird ihn sein Lebenswerk aber auch im Ruhestand noch beschäftigen – insofern, dass er vor fünf Jahren Vorsitzender der Doris-Epple-Stiftung geworden ist, die eng mit der Russland-Hilfe zusammenarbeitet und Projekte wie Suppenküche, Kindernothilfe und Obdachlosenhilfe unterstützt. „Ich hoffe, dass ich diesen Spagat hinbekomme – mir bestimmte Zeiten in den Wochenplan einbaue, aber auch genügend Abstand gewinne, den ich im Büro nie hatte.“

Fehlende berufliche Verpflichtungen, der Verlust von Routine und sozialen Kontakten können zu einem Gefühl der Leere führen und zu dem Eindruck, nicht mehr gebraucht zu werden. Ein emotionales Tief, das sogenannte Ruhestandsloch, droht. Studien zeigen, dass Menschen, die ihren Ruhestand aktiv vorbereiten, zufriedener und gesünder sind. Der Bildungsurlaub habe ihm da viele Möglichkeiten gezeigt, sagt Ottmar Steffan. Und ihn auch nachdenklich gemacht. „Man sollte nicht nur den Ruhestand sorgfältig planen, sondern auch Vorsorge treffen für die Zeit, wenn man weniger agil und körperlich fit sein wird. Das kann ich jedem nur wärmstens empfehlen.“

Ottmar Steffan hofft, noch lange gesund zu bleiben. Er lacht. „Ich habe immer mal gesagt, dass ich 100 werden möchte.“ Er kenne tolle Menschen, die bis ins hohe Alter mobil und geistig fit gewesen seien. Eine Tante zum Beispiel, die 96 geworden ist, bis zum Schluss belesen, interessiert am Alltagsgeschehen. „Das sind Vorbilder, an denen ich mich orientiere.“

Anja Sabel

Wie ein Neuanfang im Ruhestand gelingen kann

Mit dem Beruf abschließen: Der Abschied vom Berufsleben kann emotional sein. Es ist hilfreich, sich bewusst mit den positiven und negativen Aspekten des Berufs auseinanderzusetzen. Ein „Ruhestandskompass“ mit Fragen wie „Was werde ich vermissen?“ und „Welche neuen Möglichkeiten eröffnen sich mir?“ kann dabei unterstützen, den Übergang aktiv und bewusst zu gestalten.

Neue Ziele definieren: Viele haben grobe Vorstellungen davon, wie sie ihre Zeit im Ruhestand verbringen möchten, aber konkrete Pläne fehlen oft. Es ist ratsam, frühzeitig über die eigenen Wünsche nachzudenken und sich klare Ziele zu setzen. Überlegen Sie, wie ein idealer Tag in zehn oder 20 Jahren aussehen könnte. Ob Spazierengehen, neue Hobbys wie das Erlernen einer Sprache oder das Engagement in der Nachbarschaft – je klarer die Vorstellungen, desto einfacher der Übergang.

Die Partnerschaft neu ausrichten: Für Paare, die den Ruhestand planen, bedeutet der Ruhestand oft, mehr Zeit miteinander zu verbringen. Das bedeutet: Rollen, Rituale und gemeinsame Ziele müssen neu abgestimmt werden. Wichtig ist deshalb ein offener Austausch über Erwartungen und Bedürfnisse. Pflegen Sie unbedingt auch Freundschaften, und das nicht erst nach Eintritt in den Ruhestand.

Neue Betätigungsfelder erkunden: Viele Menschen engagieren sich gern freiwillig. Ob Sie junge Menschen in der Ausbildung unterstützen, Hilfe für Geflüchtete anbieten, sich für Tiere oder den Klimaschutz einsetzen – die Möglichkeiten sind vielfältig. Informieren Sie sich frühzeitig über lokale Angebote und überlegen Sie, wie Sie Ihre beruflichen Fähigkeiten sinnvoll einbringen können.
 

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