Was uns diese Woche bewegt
Wann sind wir wieder die Glücklichsten?
Der Sommerurlaub ist seit ein paar Tagen Geschichte, aber zwei Begegnungen beschäftigen mich noch nachhaltig. Die eine geschah in einem Museum, die andere auf einer Autobahntoilette.
Bonn, Haus der Geschichte. Die Dauerausstellung ist neu konzipiert worden, Grund genug, sich das mal anzusehen. Schon am Eingang wird die Luft für mich dünn, denn es wird deutlich: Am 9. November 1989 werde ich nicht vorbeikommen. Obwohl die Ereignisse rund um das Ende der Mauer schon so lange zurückliegen, kommen mir noch immer die Tränen, wenn ich Außenminister Hans-Dietrich Genscher auf dem Balkon der Prager Botschaft sehe, wenn Tagesthemen-Moderator Hanns Joachim Friedrichs von einem „historischen Tag“ spricht, wenn Berlins Bürgermeister Walter Momper die Welt wissen lässt: „Wir Deutschen sind jetzt das glücklichste Volk auf der Welt.“
Eine Autobahntoilette war noch nie der Ort meiner Sehnsucht. Und es hat auch noch nie angenehm gerochen, selbst wenn die Putzkolonne in hoher Frequenz reinigt. Schnell rein, nichts sehen, Nase blockieren, Geschäft erledigt, raus, Erleichterung spüren. Zurück im Auto Desinfektionsmittel anwenden. Heute, auf der Rückreise aus dem Urlaub, ist es anders: Lauthals schimpft ein älterer Mann neben mir, beschwert sich über den Gestank, wird immer lauter, und knurrt schließlich: „Das ist Deutschland.“ Danach setzt er sich in seinen SUV und braust davon. Nachdenklich bleibe ich zurück.
Natürlich ist nicht alles toll, was in unserem Land gerade so abgeht. Aber ich mag mir meinen Blick auf das Positive nicht durch eine verschmutzte öffentliche Toilette verunreinigen lassen. Dieses „Deutschland“, von dem der ältere Herr so abfällig sprach, bilden wir doch alle zusammen. Und jeder Einzelne kann etwas dafür tun, dass wir den Blick auf die Annehmlichkeiten nicht verlieren.
Manchmal wünsche ich mir die Sichtweise Walter Mompers zurück. Dass wir trotz aller Herausforderungen sagen können: „Wir Deutschen sind jetzt das glücklichste Volk auf der Welt.“