Erweiterter Bistumsrat im Bistum Magdeburg

Ihre Stimmen werden gehört

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Gesprächsrunde verschiedner Menschen
Nachweis

Foto: Markus Bien



Seit etwa einem Jahr sind auch Ehrenamtliche im erweiterten Bistumsrat Magdeburg stimmberechtigt vertreten. Sie sind mit Herzblut dabei und setzen sich für die Anliegen ihrer Pastoralregionen ein.

Das Bistum Magdeburg wollte den Querschnitt aller Gläubigen besser bei den Entscheidungen abbilden. Das war der Grund dafür, dass vor knapp einem Jahr, Anfang April 2025, der Bistumsrat um ehrenamtliche Mitglieder erweitert wurde. Bis dahin waren fast ausschließlich Hauptamtliche in dem 2008 gegründeten Gremium tätig. Die Anzahl der Mitglieder blieb gleich, aber die Zusammensetzung änderte sich. Zudem dürfen die stimmberechtigten Mitglieder nun auch Mehrheitsbeschlüsse fassen. 21 der 40 Mitglieder sind ehrenamtlich in der Diözese Magdeburg aktiv. Sie vertreten die elf Pastoralregionen. Dazu kommen noch Jugendvertreter und Katholiken anderer Muttersprachen, die die internationale Gemeinschaft innerhalb des Bistums repräsentieren. Kürzlich fand die dritte Vollversammlung statt.

Diakon Matthias Marcinkowski, Geschäftsführer des Bistumsrats, sieht das erweiterte Gremium ein wenig als „Experiment“ und meinte: „Wir müssen noch stärker im Bewusstsein der Menschen in den Gemeinden verankern, dass sie eine Stimme haben und nicht nur ‚abnicken‘, was der Pfarrer sagt.“

Wie empfinden das die ehrenamtlichen Vertreter selbst? Regina Schmook vertritt die Pastoralregion Harz: „Es braucht ein Vordenken, um Kirche nach vorn zu bringen. Dafür ist das Gremium bestens geeignet. Ich merke, es gibt noch mehr Leute, die das wollen.“ Das Problem sei vielleicht eher der Transport der Ideen nachher in die Gemeinden. Diese seien dann oft mit zu viel Informationen überfrachtet. „In meiner Heimatgemeinde Wernigerode berichte ich persönlich von den Beratungen, für die übrige Pastoralregion Harz erstelle ich ein Protokoll“, berichtet Regina Schmook. „Das Gesagte soll schließlich nicht in meinem Schreibtisch liegenbleiben.“

Sebastian Wendt, Jugendvertreter aus der Nähe von Halberstadt, meinte, die Erweiterung habe sich gelohnt. „Wir sehen hier nun ein breiteres Spektrum der Leute aus dem Bistum, zum Beispiel auch fremdsprachige“, sagte er. Er selbst sei mit der Erwartung hergekommen, der jugendlichen Gemeinde eine Stimme zu geben, betonte der 19-jährige Auszubildende.

Als Vertreterin von Gläubigen anderer Muttersprachen war Juliana Luisa Gombe dabei. Sie gehört zur Kathedralgemeinde St. Sebastian in Magdeburg und ist auch Mitglied im Präsidium des Bistumsrates. „Ich komme aus einer bunten Gemeinde. Für diejenigen, die aus anderen Ländern stammen, ist es wichtig, dass sie jemanden haben, der sie vertritt“, betonte sie. „Da konnte ich nicht ‚Nein‘ sagen. Ich will Gesicht zeigen, auch als Frau“, hob Gombe, die aus Angola stammt, hervor.

Martin Wernike nahm für die Pastoralregion Altmark teil. Der Rentner sieht die Ehrenamtler als fundamentalen Baustein für das Gremium. „Das setzt natürlich voraus, dass diese dann auch mit Herzblut dabei sind. Doch das erlebe ich hier.“ Wernike fühlt sich im Bistumsrat gehört: „Wir auf dem Land haben andere Probleme, wie zum Beispiel große Entfernungen zwischen den Gemeinden, als die Gläubigen in den Städten“, sagte der Rentner. „Aber ich kann die Ergebnisse dieser Beratungen hier mit nach Hause nehmen und das wirft dann manchmal ein ganz anderes Licht auf manche Dinge als zuvor.“ Hier vor Ort dabei zu sein und zu diskutieren, schätze er sehr, so Wernike. „Und die vielen Gespräche am Rande, die sind mir wichtig.“

Beschluss zum „Predigtdienst durch beauftragte Getaufte“

Inhaltlich beschäftigten sich die Teilnehmer unter anderem mit einem Handlungstext zum „Predigtdienst durch beauftragte Getaufte im Bistum Magdeburg“. Diskutiert und abgestimmt wurde über ein Bündel von sechs Beschlussvorlagen, die viel Neues enthielten. So gilt die Verkündigung durch beauftragte Getaufte fortan als „pastoraler Schwerpunkt“. Das bedeutet, diese Zielsetzung bekommt höchste Priorität und soll zukünftig die weitere Richtung der Ortskirche im Bistum prägen.

Zu bereits etablierten Diensten wie dem des Kommunionhelfers oder des Gottesdienstbeauftragten soll nun ein „Umfassender Predigtdienst“ hinzukommen. Werden ehrenamtliche Laien derzeit mit einem „außerordentlichen Verkündigungsdienst“ betraut, gilt dieser immer für einen begrenzten Zeitraum von drei Jahren und in einer konkreten Pfarrei als Unterstützung des Priesters vor Ort. Dagegen soll der „Umfassende Predigtauftrag“ nach entsprechender Qualifikation und einmaliger Berufung durch den Bischof für das ganze Bistum sowie auf Dauer übertragen werden. Heißt, die Beauftragung wird einmal erteilt und kann ausgeübt werden, solange es derjenige leisten möchte beziehungsweise es in einer Gemeinschaft notwendig ist.

Kirchenrechtlich verankert werden soll der „umfassende Predigtdienst“, indem allen Beauftragten das Ministeriums des Lektors übertragen wird. Dieses Ministerium, also Dienstamt, wurde von Papst Franziskus 2021 auch offiziell für Frauen geöffnet.

Wer sind aber die Menschen, die für diesen Predigtdienst in Frage kommen könnten? Gibt es sie nicht vielleicht bereits? Um „Potenziale zu nutzen“, wie es im Handlungstext heißt, sollen neben bereits Beauftragten künftig auch Menschen am Verkündigungsdienst teilhaben, die theologisch qualifiziert in der Diözese tätig sind, beispielsweise Absolventen des Grundkurses von „Theologie im Fernkurs“, Mitarbeiter im kirchlichen Dienst und Referenten in den Verbänden.

Gelingt das „Experiment“, wie Geschäftsführer Marcinkowski den erweiterten Bistumsrat genannt hatte? Viele Ehrenamtliche scheinen mit viel Engagement und Freude an der Mitgestaltung dabei zu sein. Juliana Luisa Gombe ist jedenfalls überzeugt: „Wir sind noch selbst gespannt, wohin der Heilige Geist dieses Gremium führt. Doch wenn wir die Satzung des Bistumsrates ernsthaft verfolgen, sind wir auf einem guten Weg.“

Markus Bien