Elisabeth-Tisch in Halle (Saale)
Mit dem Herzen bei den Armen
Foto: Marie Galasso
Dämmriges Licht fällt durch die Fenster in den Raum, in dem vier Tische mit Stühlen stehen. Die Wände sind blau und rosa, mit Blümchen verziert. An einer Wand hängt das schwarz-weiße Foto einer alten Dame auf einer städtischen Straße. Sie ist Nonne und trägt in beiden Händen Taschen, die mit Essen beladen sind. Ihr Name ist Schwester Maria Modesta. Auf eigene Initiative brachte sie noch in hohem Alter Nahrungsmittel zu den Armen der Stadt Halle (Saale). Nach ihrem Vorbild veranstaltet die Seelsorge des Krankenhauses St. Elisabeth und St. Barbara in Halle jedes Wochenende den Elisabeth-Tisch, wo arme Menschen eine warme Mahlzeit und gute Gesellschaft genießen können.
„Weil man nicht weggucken soll“, antwortet Heike Päleke auf die Frage, warum sie sich beim Elisabeth-Tisch engagiert. „Die Menschen wollen genauso gesehen werden, sind genauso nett.“ Viele Menschen seien voreingenommen, aber Heike Päleke und Christine Koch, die an diesem Samstag die Vorbereitung und Durchführung des Tisches übernehmen, sind Menschen aus prekären Lebenslagen gewohnt. Sie haben beide als Erzieherinnen in Halle gearbeitet und sind ehemalige Kolleginnen. „Soziale Berufe macht man mit Herz und das kann man hier.“
Das merkt man auch an ihrem Umgang mit den Gästen des Tisches. Die Stimmung ist heiter, die Gespräche freundlich und höflich. Man scherzt miteinander. Zwischen 25 und 35 Essen für je zwei Euro werden bei jeder Öffnung ausgegeben, die Tendenz ist steigend. Gekocht wird das Essen von Mitarbeitern des Krankenhauses. Es kommen nicht viele Wohnungslose zu dem Angebot, dafür viele, die aufgrund von Krankheit, Schicksalsschlägen oder Altersarmut in Not geraten sind. Die Gründe seien vielschichtig und sehr unterschiedlich, sagt Karoline Riese, Gemeindereferentin in Halle. Sie ist zuständig für die Koordination der Ehrenamtlichen und für die Kommunikation zwischen Elisabeth-Tisch und Krankenhaus.
Auch die Bedürfnisse der Menschen sind verschieden. Einige kommen, um in Ruhe ihre warme Mahlzeit zu essen. Andere genießen die Gesellschaft. „Das ist ein nettes Kollektiv hier und das Essen ist immer gut und reichlich“, erzählt Frau Blasczok, eine ältere Dame, die seit zwei Jahren zum Elisabeth-Tisch kommt. 60 Jahre habe sie gearbeitet, in allen möglichen Bereichen, „bis ich das Ding hier brauchte“, sie blickt auf ihren Rollator. Auch Herr Gessner ist dankbar für das Angebot. Es gebe keinen Stress, man kenne sich und könne hier zur Ruhe kommen. Man helfe sich auch gegenseitig, ergänzt er.
„Die Beste war die Frau Rademacher“, erzählt er. Heidemarie Rademacher übernahm noch in hohem Alter alle Vorbereitungen für den Elisabeth-Tisch. Zuvor haben die Elisabethschwestern den Tisch von 1993 bis 2021 täglich angeboten, bereits 1891 hatten sie eine „Suppenküche für Kinder, Arme und Alte“ eingerichtet. Als sie Halle verließen, übernahm Heidemarie Rademacher, bis sie die Arbeit aus körperlichen Gründen nicht mehr stemmen konnte. Seit Februar ist der Elisabeth-Tisch neu eröffnet. 16 Ehrenamtliche engagieren sich, damit der Tisch jeden Samstag und Sonntag öffnen kann. Das Ziel ist es, das Angebot so zu etablieren, dass jedes Mal zwei Ehrenamtliche dabei sind. „Es ist wichtig, dass sich die Ehrenamtlichen mit ihren Ideen einbringen können und die Arbeit in ihren Zeitplan passt“, sagt Karoline Riese.
„Man lernt hier, jedem Menschen mit Respekt zu begegnet. Jeder Mensch ist es wert“, schließt Heike Päleke. Sie und Christine Koch bewirten die Gäste bis 13 Uhr. Heute gibt es Wurstgulasch und Frühlingsrollen. Sie wirken zufrieden, und die Gäste auch.