Anstoß 14/2026
Aufrecht
Katholische Polizeiseelsorgerin in Mecklenburg-Vorpommern
Wenn ich im polizeilichen Kontext unterwegs bin, bemühe ich mich immer um eine sehr aufrechte Haltung. Vielleicht, weil ich viele Leute in Dienstkleidung treffe. Abends habe ich gemerkt: Sich besonders aufrecht durch den Tag zu bewegen, kostet Kraft. Jetzt tut mein Rücken etwas weh.
Aufrecht durchs Leben zu gehen, ist, davon bin ich überzeugt, eine Aufgabe für uns Christen. Ich denke dabei vor allem an die innere Haltung. Mit anderen Worten: Wir sollen uns zu der christlichen Botschaft bekennen, indem wir beispielsweise einstehen für Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Durch eine aufrechte und eine klare Position werde ich als Christin sichtbarer. Vielleicht bedeutet es, angreifbarer zu werden. Es bedeutet jedoch auch, andere Menschen zu ermutigen, für den Kern unserer christlichen Botschaft einzustehen. Deshalb übe ich mich im aufrechten Gang: bei kleineren Ungerechtigkeiten im Alltag genauso wie als Bürgerin eines Bundeslandes, in dem im September die Landtagswahlen anstehen.
Ich glaube, entscheidend ist dabei das „Wie“. Manche gehen aufrecht durchs Leben, indem sie durch Taten ein Statement setzen. Andere erheben ihre Stimme leise und beharrlich. Manche lauter. Wenn ich selbst unsicher bin, ob ein aufrechter Gang vielleicht nicht doch zu viel Rückenprobleme mit sich bringt, schaue ich einfach aufs Bistum Magdeburg und lese mir durch, was Bischof Feige sagt. Nämlich, dass sich Christen melden müssen, wenn es um grundsätzliche Werte wie die Menschenwürde eines jeden, um Freiheitsrechte, Toleranz, Anstand und Respekt gehe. Denn Gott lehrt ein offenes Herz und einen liebevollen Umgang miteinander, keinen Neid oder Missgunst.